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26.07.2016
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Der selige Karl Leisner.
Der selige Karl Leisner.

Freund der Jugend

Seliger Karl Leisner

"Ich glaube sicher, Sie haben dem Himmel einen Heiligen geschenkt!" Dies schrieb 1945 Bischof Clemens August Graf von Galen an Wilhelm Leisner zum Tod seines Sohnes Karl. Was der "Löwe von Münster" in seinem Beileidsschreiben formulierte, wurde 51 Jahre später Wirklichkeit: Am 23. Juni 1996 sprach Papst Johannes Paul II. den jungen Mann von Niederrhein im Berliner Olympia-Stadion selig.

Leisners Name steht für das historisch einmalige Ereignis einer Priesterweihe in einem deutschen Konzentrationslager (KZ) und gleichzeitig für die nicht kleine Zahl furchtloser Christen, die in den Jahren von 1933 bis ‘45 mutig und nicht selten auch widerspenstig durch ihren Glauben der "Braunen Diktatur" trotzten.

In Kleve aufgewachsen

Dass Karl Leisner in Gegensatz zur Obrigkeit geraten könnte, war ihm keineswegs in die Wiege gelegt; sein Vater war Gerichtssekretär und damit im staatlichen Dienst. Am 28. Februar 1915 wurde er im niederrheinischen Rees geboren. Sechs Jahre später folgte die Versetzung des Vaters nach Kleve.

Die Stadt und ihre Umgebung wurden so für den Jungen zur Heimat. Dort wuchs er in der durch und durch katholischen Familie auf, die er liebte: "In dieser Familie bin ich geborgen, daheim. Das gibt mir, muss mir geben ein ruhiges Gefühl der Sicherheit", wie er einmal schrieb.

Gebet und Messbesuch

Schon bald engagierte sich der Junge in der katholischen Jugendarbeit. Sie faszinierte ihn, und dort wurde er 1927 selber Leiter einer Gruppe. Die Mitglieder mochten ihn, er hatte die Gabe, andere zu begeistern. Unermüdlich rackerte er für "seine Jungs".

Gebet und Messbesuch gehörten als Selbstverständlichkeit zum Programm von Fahrten. Religiöse Gespräche und Themen waren Bestandteile von Gruppenstunden.

"Christus meine Leidenschaft"

Aufmerksam verfolgte der Jugendliche die politischen Veränderungen in Berlin und sah im Sturz des Zentrumpolitikers Brüning einen "schwarzen Tag" für Deutschland. 1934 wurde Leisner Bezirksjungscharführer für die Dekanate Kleve und Goch; im gleichen Jahr machte er sein Abitur. Er entschloss sich, Priester zu werden. Am 1. Mai ‘34 trug er in sein Tagebuch ein Wort ein, das seine Einstellung kennzeichnet: "Christus - Du bist meine Leidenschaft."

Bischof Clemens August, der von den Qualitäten des Jugendführers erfahren hatte, machte den 19-jährigen zum "Diözesanjungscharführer". Zur Jungschar gehörten im Bistum mehr als 30.000 Jungen im Alter von zehn bis 14 Jahren.

Begeisterungsstürme

Viele der Gruppen besuchte der Theologiestudent und löste zum Teil Begeisterungsstürme aus: Im westmünsterländischen Vreden trugen die Jungen ihn enthusiastisch auf den Schultern über den Kirchplatz, während an einer anderen Ecke drohend Mitglieder der Hitlerjugend standen.

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) wurde auf den Jugendführer aufmerksam und legte eine eigene Akte an. Nach seiner Zeit im Reichsarbeitsdienst 1937 konfiszierte die Gestapo die Tagebücher Leisners.

Lungentuberkulose

Im März ‘39 wurde Leisner zum Diakon geweiht. Seine Mutter merkte kurz danach dem 24-jährigen gesundheitliche Probleme an und drängte ihn, zum Arzt zu gehen. Dessen Diagnose traf ihn hart: Lungentuberkulose.

Ein sofortiger Sanatoriumsaufenhalt im Schwarzwald wurde erforderlich. Dort machte die Heilung schnell Fortschritte. Leisner sehnte sich danach, Priester zu werden: "Und so hoffe ich mit Zuversicht, die heilige Weihe an Weihnachten zu empfangen."

Staatsfeindliche Äußerungen

Doch es kam anders: "Leisner wurde in St. Blasien wegen staatsfeindlicher Äußerungen festgenommen und in das Gerichtsgefängnis in Freiburg/i. Br. eingeliefert", heißt es in einem Schreiben der Gestapo. Eine unvorsichtige Äußerung zum Attentat auf Hitler am 8. November ‘39 wurde von einem Denunzianten der Polizei zugetragen, die daraufhin nur noch die Akte "Leisner" ziehen musste und somit einen willkommenen Anlaß hatte, ihn in "Schutzhaft" zu nehmen.

Nach der Haftzeit in Freiburg kam Leisner über das Gefängnis in Mannheim und das KZ Sachsenhausen bei Berlin in das "Muster-KZ" Dachau, wo während der Hitler-Diktatur knapp 30.000 Menschen den Tod fanden. Von den übrigen Insassen noch einmal abgetrennt, lebten dort mehr als 2.700 Priester aus 23 Nationen - 1.072 Geistliche starben, 1036 von ihnen waren römisch-katholisch.

Hölle von Dachau

In der "Hölle von Dachau" brach die Krankheit wieder auf. Karl Leisner war ein Todeskandidat, der nur durch die mutige Tat eines Mithäftlings im Oktober ‘42 von einer Liste für die Vergasung gestrichen wird. Andere bewunderten ihn, dass Bischof von Galen schreiben konnte: "So sagen alle, die mit ihm in Dachau waren, dass seine fromme und frohe Tapferkeit dort in all dem Leid ihnen Erbauung und Trost und Vorbild gewesen ist." Die übrigen Priesterhäftlinge wussten vom größten Wunsch des jungen Diakons, Priester werden zu können.

1944 wurden mit Heranrücken der Front Lager im Westen aufgelöst. Mit einem Häftlingstransport kam im September auch der französische Bischof Gabriel Piguet von Clermont-Ferrand nach Dachau. Die Geistlichen schmiedeten den Plan, den 29-jährigen von dem Bischof weihen zu lassen.

Priesterweihe unter größter Geheimhaltung

In größter Geheimhaltung schmuggelten sie Schreiben an Bischof Galen und den Münchener Kardinal Faulhaber um Erlaubnis der Weihe heraus. Gewänder und Bischofsinsignien wurden erstellt. Alles geschah unter Lebensgefahr und wäre beinahe noch aufgeflogen. In einem Brief entdeckte die Zensurstelle das Wort "Primiz"; der katholische Lagedekan, den die SS danach befragte, wiegelte ab: "Das ist so eine Andacht."

Am 17. Dezember 1944 dann wurde Leisners Traum Wirklichkeit. Der Bischof weihte ihn in der Kapelle des Lagers zum Priester. Tage später, am zweiten Weihnachtstag, konnte er seine erste und einzige heilige Messe, eben seine Primiz, feiern.

Befreiung durch die Amerikaner

Seine Kräfte ließen mehr nicht zu. Der Todgeweihte erlebte im Mai ‘45 die Befreiung des Lagers durch die Amerikaner. "Endlich frei von der verdammten Nazityrannei" schrieb er in sein Tagebuch.

Im Sanatorium Planegg bei München konnte sein Ende nicht mehr aufgehalten, nur etwas verschoben werden. Noch einmal sah er seine Mutter und seine Schwestern. Am 12. August ‘45 starb er als Blutzeuge für seine Einstellung und seinen Glauben.

Grab im Xantener St.-Viktor-Dom

"Wie gütig hat Gott ihn geführt, so dass er trotz seines schweren Leidens die lange Haft ausgehalten hat, um schließlich doch noch das ersehnte Ziel des Priestertums zu erreichen", so Galen in seinem Kondolenzschreiben. Leisners letzte Tagebucheintragung: "Segne, Höchster, auch meine Feinde." Er fand in der Märtyrerkrypta des Xantener St.-Viktor-Doms sein Grab.

Karl Leisner kann auch heute jugendlichen und erwachsenen Christen ein Beispiel sein: Mit Überzeugung lebte er sein Christentum, das einer tiefen Beziehung zur Person Jesu entstammte. Dadurch konnte er den Wirren seiner Zeit trotzen. Damals waren "die Feinde des Glaubens" klar auszumachen. Heute erschweren es subtile Trends und Meinungen, zu einem überzeugten Christsein aus einer Christusbeziehung zu kommen.

"Christus zu leben in dieser Zeit"

Karl Leisner schrieb in sein Tagebuch, was auch heute Christen als Aufgabe gegeben ist: "Das ist meines Lebens letzter Sinn: Christus zu leben in dieser Zeit."

Gedenktag 12. August

Tagesgebet zum Gedenktag (Gotteslob Nr. 908):

Herr, unser Gott, du hast dem seligen Priester Karl Leisner eine leidenschaftliche Liebe zu Christus geschenkt. Diese bezeugte er bis zum Martyrium, das er für die Jugend der Kirche auf sich nahm. Gib auch uns auf seine Fürsprache die Kraft, als unerschrockene Zeugen für das Evangelium einzutreten und so das Reich der Wahrheit und der Gerechtigkeit sichtbar zu machen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedHeilige des Bistums Münster: Karl Leisner
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Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.karl-leisner.de

Text: Norbert Göckener | Foto: Archiv
Januar 2009

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