
- Ein besonderer Höhepunkt der Geschichte des Wallfahrtsortes Kevelaer war der Besuch von Papst Johannes Paul II.
Wallfahrtsorte im Bistum Münster
Kevelaer: Trösterin der Betrübten
Am 2. Mai 1987 betete Papst Johannes Paul II. zusammen mit tausend Gläubigen vor der Marienkapelle im Wallfahrtsort Kevelaer. Etwa 350 Jahre zuvor hörte der Handelsvertreter Hendrik Busmann genau an dieser Stelle eine Stimme, die ihn aufforderte dort eine Kapelle zu bauen.
Zwischen diesen Ereignissen liegen dreieinhalb Jahrhunderte, in denen sich die kleine Bauerschaft Kevelaer am Niederrhein mit damals gerade einmal 200 Einwohnern zum zweitgrößten Wallfahrtsort Deutschland entwickelte.
"Hier sollst Du ein Kapellchen bauen!"
Es war in der Weihnachtszeit 1641, als der einfach Handelsmann Busman auf dem Weg von Weeze nach Geldern vor einem Hagelkreuz dreimal den geheimnisvollen Aufruf vernahm: "An dieser Stelle sollst Du ein Kapellchen bauen!" Im Jahr darauf sah seine Frau dort bei Nacht ein helles Licht, in dem sich das Andachtsbild "Unserer Lieben Frau von Luxemburg" befand.
Trotz seiner Armut baute Busman mit Unterstützung des Ortspfarrers die Kapelle und nur sechs Jahre später erkannte die Synode zu Venlo Kevelaer als Wallfahrtsort an. Am 1. Juni 1642 wurde dort eine kleine Kopie des Gnadenbilds aus Luxemburg aufgestellt.
Kupferstich in Postkartengröße
Die Menschen in dieser Gegend waren zu jener Zeit durch Kriege, Plünderungen und Seuchen stark gebeutelt. Der Kupferstich mit nicht einmal Postkartengröße der "Trösterin der Betrübten" aber war ihnen ein Hoffnungsschimmer. Schon bald setzten die Prozessionen der umliegenden Städte ein.
1645 war die Wallfahrtskirche fertig gestellt. Um das kleine Heiligenhäuschen Busmans wurde bis 1654 die barocke Gnadenkapelle gebaut. Eine Reihe weiterer Wunder ließ die Pilgerströme in den Folgejahren weiter ansteigen.
"Trösterin der Betrübten, bitte für uns"
Der Kupferstich ist im Laufe der Jahrhunderte immer weiter verblasst. Im Vordergrund sieht man Maria mit dem Jesuskind. In einer Hand hält sie ein Zepter. Im Hintergrund ist die damalige Stadt Luxemburg zu sehen. Auf einem Spruchband im oberen Bildteil steht in lateinischer Sprache "Trösterin der Betrübten, bitte für uns".
Mitte des 19. Jahrhundert wurde der Zustrom der Pilger so groß, dass die alte Wallfahrtskirche nicht mehr ausreichend Platz bot. Zwischen 1850 und 1884 wurde deshalb die neue Wallfahrtskirche im neugotischen Stil mit einem 90 Meter hohen Turm erbaut. Sie wurde 1923 vom Papst zur Basilika erhoben.
Viele Kapellen und Bauwerke
In der alten Wallfahrtskirche, im Stil der Renaissance erbaut, stehen eine Vielzahl von Kerzenleuchtern, die einzelne Orte und Städte auf ihren Wallfahrten mitbringen. Auch heute noch ist sie die eigentliche Wallfahrtskirche und trägt den Namen "Kerzenkapelle".
Viele weitere Kapellen und Bauwerke sind im Laufe der Jahre hinzugekommen. In ihnen bieten sich den Wallfahrern Orte der Ruhe und Möglichkeiten der Besinnung. Auch in der Zeit von November bis April, in der keine großen Wallfahrten nach Kevelaer kommen, ist der Ort am Niederrhein beliebtes Ziel von Einzelpilgern. So hat der Glauben des kleinen Handelsmannes Busman aus der kleinen Bauernschaft am Niederrhein einen großen Ort des christlichen Bekenntnisses gemacht.
Zitat:
"Vor den Mauern aus Licht
gebrechliche Mütter,
murmelnde Alte,
fragenden Junge,
zwischen den Mauern viele Gebete,
viele Lieder und Worte und Tränen.
Die Mauern in Kevelaer brennen."
(Paul Reding, Schriftsteller)
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