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26.03.2017
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Weihbischof Heinrich Janssen.
Weihbischof Heinrich Janssen.

Weihbischof Heinrich Janssen

Blick auf Geschichte relativiert Probleme

Bis direkt an seinen Schreibtisch scheint die Geschichte des Niederrheins zu reichen: im Arbeitszimmer von Weihbischof Heinrich Janssen ragen zwei ehemalige gotische Fensterbögen aus dem Putz. Innenarchitektur mit Symbolkraft: "In unserer Region begegnen dir überall die weit zurückreichenden Spuren der Christen."

Der Blick aus dem Fenster belegt das. Nach nur wenigen Metern Kopfsteinpflaster erhebt sich der Xantener St.-Viktor-Dom. Der Grundstein zum heutigen gotischen Bau wurde im 13. Jahrhundert gelegt. Doch die Geschichte hier beginnt schon viel früher: um 390 wurde über dem Märtyrergrab eine erste Gedenkstätte aus Holz errichtet.  "Wenn ich früh morgens vor den Gräbern und Gedenkstätten des Heiligen Viktor, Karl Leisners, Heinz Bello oder Nikolaus Groß sitze, dann habe ich die Jahrhunderte um mich…" Auch auf seinen Visitationen sei die Geschichte immer greifbar – beim Besuch von Bruderschaften mit einer bis zu 700 Jahre dauernden Tradition, bei der Messfeier in einem Gewand aus dem 15. Jahrhundert und nicht zuletzt in den zahlreichen Kirchen, die vor mehr als tausend Jahren erbaut wurden. "Wenn ich einen Kelch aus der ersten Hälfte des letzten Jahrtausends in der Hand halte, dann spüre ich, was Bestand behält. Viele Probleme der heutigen Pastoral relativieren sich dann."

Dass die etwa 464.000 Christen seiner Region mit Blick auf die eigene Geschichte manchmal ein wenig schmunzelnd auf die Jubiläumsvorbereitungen des Bistums Münster zur 1200-Jahr-Feier schauen, sei daher logisch: "Wir sind schon etwas länger dabei – Münster war noch heidnisch, als wir schon Maiandachten feierten." Jetzt schmunzelt auch er. "Wir feiern natürlich mit – 1200 Jahre Bistum Münster, 1650 Jahre Christentum am linken Niederrhein."

Selbstbewusste Niederrheiner

Selbstbewusst seien sie schon, die Christen in seiner Region. "Aber ohne jedes Konkurrenzdenken." Xanten als Mitte der Region sei aber häufig viel näher als Münster. Geschichte, Geografie, Traditionen – Janssen kennt viele Gründe, warum die Entfernung zum westfälischen Bistumszentrum manchmal so groß erscheint. "Der Rhein ist eine Barriere, das merke ich auch in meiner Region." Was links- und rechtsrheinisch passiere, liege oft weiter auseinander als eine Flussbreite. "Als die heutige Region Niederrhein 1821 zu Münster kam, konnte der Bischof von Münster anfangs keine Priester aus dem westfälischen Raum an den Niederrhein senden, weil es Sprachprobleme gab", schildert er ein anderes Beispiel.

Trotzdem seien die Regionen im Laufe der Zeit zusammengewachsen. Menschen seien es gewesen, die die Distanz nach und nach abbauten. Die überregionale Arbeit der Verbände, persönliche Kontakte der Christen und vor allem die Bischöfe hätten das geschafft. "Sie haben es verstanden, auch immer am Niederrhein zu sein, im Bewusstsein der Menschen hier." Wenn Münster auch oft weit weg erscheine, die Menschen der einzelnen Regionen im Bistum seien sich meist viel näher.

Seit 1986 ist Heinrich Janssen Regionalbischof für die Region Niederrhein.

Vielleicht auch, weil die Mentalitäten gar nicht so weit auseinander lägen, wie häufig angenommen. Weihbischof Janssen kann da gut vergleichen. Etwa 30 Jahre war er in Münster, als Student, Kaplan, Domkapitular, Generalvikar. "Wenn du immer wieder Menschen findest, die dich auf deinen Wegen begleiten, dann lernst du die einzelnen Mentalitäten kennen." Vor allem in seiner Zeit als Lehrer seien das tiefe Einblicke gewesen. Er sei noch über Land gefahren und habe die Familien seiner Schüler besucht. Als Lehrer und Seelsorger habe er ein Bild von den Situationen, Sorgen und Vorstellungen ganz unterschiedlicher Menschen gewinnen können. "Und wer einmal das 'Drama' einer ungewollten Schwangerschaft in einer Familie erlebt hat, der hat die Menschen kennen gelernt."

Gemeinde als Ganzes besuchen

Als er 1986 als Weihbischof wieder zurück in seine alte Heimatregion ging, sei das noch einmal ein ganz schöner Einschnitt für ihn gewesen. "Nach 30 Jahren war der Niederrhein ein Stück weiter weg gerückt." Den Kontakt zu den Menschen seiner Heimat habe er aber zu jedem Zeitpunkt gehalten. Das Einfinden in seine neue Aufgabe war daher leicht. Die große Region ist für ihn seitdem näher zusammengerückt. Viele Besuche in den Gemeinden sind der Grund dafür. "Ich besuche die Gemeinde als Ganzes – den Bauernhof, die Justizvollzugsanstalt, den Sportverein, das Gemeindezentrum..."

Die zentrale Lage von Xanten sei dafür ideal. "In 45 Minuten kann ich jede Kirche erreichen." Kurze Strecken, auf denen er häufig die Welten wechselt. Im Norden Kühe und Wiesen, im Süden Kohle und Stahl. Landwirtschaft, Industriekultur, dörfliches Umfeld, Großstädte – jede Gegend mit ihren Eigenarten.

"In Duisburg-Rheinhausen sind wir bei einer Visitation vier Stunden durch eine Gemeinde gelaufen, haben mit den Menschen gesprochen, sind in die Häuser gegangen. Da habe ich den Alltag der Menschen gesehen, gerochen, gespürt." Hoher Ausländeranteil, viele Kulturen, unterschiedliche Traditionen. Aus 36.000 Katholiken zu seiner Kaplanszeit sind heute etwa 22.000 Katholiken in diesem Teil Duisburgs geworden, der zum Bistum Münster gehört. Organisatorische Probleme ergebe das, weil man in den Strukturen zu groß sei. Die Situation habe aber auch seinen Reiz: "Dann gehe ich nach einer Firmung halt mal einen Döner essen – der schmeckt doch genauso gut."

Pointierte Aussagen

Jugendlich klingt das, wenn Janssen das sagt. Mit seinen fast 70 Jahren schwingt in vielen seiner pointierten Aussagen eine gewisse Lockerheit mit. Vielleicht weil er immer Pfadfinder geblieben ist, denen er mit 15 Jahren beitrat. Vielleicht, weil er immer Kontakt zu seiner Schulgemeinschaft gehalten hat. Seit einigen Jahren ist er Stiftungsvorsitzender des Collegium Augustinianum in Gaesdonk. Dort, wo er selbst vor vielen Jahren sein Abitur baute. Vielleicht aber auch, weil er für die Fragen der Jugend im Bistum häufig Ansprechpartner Nummer eins war. "Oft hieß es: geht mit Euren Anliegen doch mal nach Xanten…"

Diese Lockerheit habe ihm oft weitergeholfen. Flexibilität auch für die anderen Bereiche seiner Arbeit. Er will sie sich bewahren, weil sie bei den vielen Sprüngen in seinem Leben wichtig waren. "Die neuen Aufgaben habe ich mir nie ausgesucht, nie gewünscht." Seelsorger, Lehrer, Mitarbeiter der Schulabteilung, Generalvikar, Weihbischof – vielmehr seien sie an ihn herangetragen worden. "Ich habe aber auch nie bereut, sie angenommen zu haben."

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Text: Michael Bönte | Fotos: Michael Bönte
Januar 2009

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