
- Das Vinzenz-Hospital in Dinslaken
Das Leben der Seligen Schwester Maria Euthymia
Engel ohne Ekel in Dinslaken
Am 30. Oktober 1936 wird Schwester Maria Euthymia an das St.-Vinzenz-Krankenhaus ins niederrheinische Dinslaken versetzt. Am Tag zuvor hatte sie die Prüfung zur Desinfektorin mit "sehr gut" bestanden. Zunächst ist Schwester Maria Euthymia auf der Frauenstation tätig. Nach einem Jahr übernimmt sie den Dienst auf der Isolierstation. Diese besteht aus einer Holzbaracke mit rund 50 Betten. Den Patienten - vor allem den vielen Kindern - versucht Euthymia die fehlende Mutter durch Liebe und Fröhlichkeit zu ersetzen.
Zwischenzeitlich macht sie am 3. September 1939 ihre Abschlussprüfung als Krankenschwester ebenfalls mit der Note "sehr gut". Gut ein Jahr später legt sie im Mutterhaus in Münster die "Ewigen Gelübde" ab - sie bindet sich für ihr ganzes Leben an den Orden der Clemensschwestern.
Pflege von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern
Während des Zweiten Weltkrieges übernimmt Euthymia im Februar 1943 die Pflege der ansteckend kranken Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter. Oft haben sie schwere Krankheiten: Krätze, Gesichtsrose, Typhus, Geschlechtskrankheiten, Lungentuberkulose. Meist kommen sie verdreckt und verlaust an. Euthymia kennt keinen Ekel vor Eiter, Blut, Auswurf und Kot. 70 Patienten sind es mittlerweile in der so genannten St.-Barbara-Baracke.
Ein Gefangener schreibt über sie: "Im Vinzenz-Hospital gab es keine SS, sondern wahre christliche Liebe. Ich wurde als menschliches Wesen behandelt." Ein anderer berichtet, sie habe ihn empfangen wie eine Mutter. Dass sie schon mit warmen Decken am Wagen steht, wenn Russen wie Vieh ausgeladen werden, macht sie verdächtig. Sie behandelt die ausländischen Gefangenen wie Menschen. "Im Umgang mit Ausländern habe ich Schwester Euthymia nie auch nur ein einziges kritisches oder tadelndes Wort sagen hören", so einer ihrer Mitarbeiter. Für Euthymia sind diese Männer keine Feinde.
Butterbrote für die Hungrigen
Ein weiterer Fremdarbeiter erinnert sich: Euthymia sieht wie Gefangene in Mülltonnen nach Essbarem suchen. Und obwohl von der SS verboten, versorgt die Schwester die Hungrigen mit Butterbroten, die sie heimlich in einer von ihr zuvor gereinigten Mülltonne versteckt. Die Gefangenen nennen sie "Engel der Liebe".
Am 23. März 1945 wird Dinslaken bei einem amerikanischen Bombenangriff zu 85 Prozent zerstört - auch das Vinzenz-Hospital. Euthymia kennt nur die Sorge um die Kranken. Sie hilft bis spät in die Nacht beim Transport in die umliegenden Dörfer. Am anderen Tag bricht sie mit hohem Fieber zusammen. Als das Krankenhaus notdürftig wieder hergerichtet ist, wird Euthymia in der Waschküche eingesetzt. Sie wird blass, als man ihr diese Entscheidung der Oberen mitteilt - sie war zehn Jahre lang mit Leib und Seele Krankenschwester. Schnell fängt sie sich, denn sie ist "gern zu allem bereit". Sie sagt: "Es ist ja alles für den großen Gott."
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Text: Norbert Göckener | Foto: Euthymia Archiv
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