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27.05.2017
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Bischof em. Lettmann.
Bischof em. Lettmann bei der Feier der Eucharistie am See Genezaret.

Bischof Dr. Reinhard Lettmann:

"Bewusst entscheiden"

Er kennt sich aus, ist mit dem Bistum vertraut wie kaum ein anderer. In der Bistumsleitung ist er ein 'alter Hase', wenige sind länger dabei als er. Bischof Dr. Reinhard Lettmann kann aus einem großen Schatz an Wissen und Erfahrungen schöpfen: als studierter Kirchenrechtler, Platzanweiser und Stenograf zu Zeiten des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), Bischöflicher Kaplan, jüngster Generalvikar Deutschlands mit 34 Jahren, dann Weihbischof und seit 1980 Bischof von Münster.

Glaube in persönliches Leben hinein übersetzen

"Quellen entspringen zu lassen, ist wichtiger als Strukturen zu schaffen. Geh‘ also, bohr‘ den Brunnen und teile das lebendige Wasser, das denen verheißen ist, die an ihn glauben." Dieses Wort der Jerusalem-Gemeinschaft in Paris kennzeichnet das Wirken des Bischofs. In persönlicher Verkündigung und in der Feier des Gottesdienstes, sowohl im Dom wie in den Gemeinden des Bistums, bemüht sich der Bischof, das Glaubensleben zu vertiefen und den Menschen Quellen christlicher Spiritualität zu eröffnen. Jedes Jahr veröffentlicht der Bischof eine Schrift mit Anregungen zum geistlichen Leben.

Das Wort von Papst Johannes Paul II. in seinem Weltrundschreiben zu Beginn des neuen Jahrtausends: "Fahr hinaus auf den See!" ist dem Bischof aus dem Herzen gesprochen. Dieses Wort spricht von Tiefe und Weite im kirchlichen Leben. Das christliche und kirchliche Leben bekommt seine Tiefe in der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Deshalb liebt der Bischof die Beschreibung der Gemeinden als Freundesgemeinschaft Jesu, die zugleich Sendungsgemeinschaft ist. Weite: Der Bischof ist überzeugt, dass das Evangelium auch heute für das Zusammenleben der Menschen von Bedeutung ist, bis hinein in die Bereiche der Gesellschaft, der Wirtschaft, der Welt der Arbeit und der Politik. Deshalb nimmt er immer wieder aus christlicher Sicht entschieden Stellung zu aktuellen Fragen in diesen Bereichen.

Kirchliches Leben braucht Strukturen

Gottesdienst an historischer Stätte: Bischof Lettmann im Heiligen Land.

Der Bischof weiß, dass kirchliches Leben Strukturen braucht. Er hat selbst die Frage nach einer Anpassung der Strukturen in die Beratungen des Diözesanforums eingebracht. Meinte man in der Nachkriegszeit noch, für rund 3.000 Katholiken eine Gemeinde mit ganzer Infrastruktur zur Verfügung stellen zu müssen, so ist diese Größenordnung derzeit im Fluss. Die Neustrukturierung sieht Fusionen und Kooperationen in unterschiedlichen Modellen vor. Damit verbunden ist das Abschiednehmen von Gewohntem, was in Jahrzehnten lieb gewonnen wurde. Da muss er Mut zur Veränderung machen, Gemeinden ermuntern, sich der Realität zu stellen. Wenngleich große Veränderungen das kirchliche und gesellschaftliche Leben bestimmen, sieht er keinen Anlass zur Resignation.

"Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen" (2 Thess 2,2). Dieses Wort des Apostels Paulus prägt auch das Handeln des Bischofs. Deutlich wird das daran, was den Leitungsstil des Nachfolgers auf dem Stuhl des heiligen Ludgerus kennzeichnet: Er schätzt Rat – von Institutionen und Räten, von Freunden und Fachleuten. Kooperativ ist seine Art der Amtsführung, auch wenn er die letzte Entscheidung treffen und verantworten muss. Vielleicht kann er deswegen sagen, dass er keine größeren Entscheidungen in den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten bereut oder heute als falsch beurteilt. "Wir haben unter den gegebenen Umständen zu dieser Zeit immer versucht, die beste aller Möglichen Entscheidungen zu treffen."

Vermitteln zwischen unterschiedlichen Positionen

Bischof Lettmann baut Brücken, kann vermitteln zwischen unterschiedlichen Positionen. "Ich warte lieber mit Geduld auf die Einsicht der Menschen, als dass ich Verwundungen in Kauf nehme." Nur wenn es Unbelehrbare gebe, dann müsse er schon mal deutlicher werden. Bischof Lettmann ist ein Seelsorger mit praktischem Blick für die Notwendigkeiten. Immer wieder sucht er die Nähe zu den Menschen. Regelmäßig ist er in seinem großen Bistum unterwegs. Viele schätzen seine ermutigende und frohe Art.

Reinhard Lettmann wuchs am nördlichen Rand des Ruhrgebietes auf. Die Zeche 'Emscher Lippe' dominierte das Leben in Datteln. Sein Vater arbeitete dort als Schreiner und er verdiente sich auf der Zeche als Student Geld dazu. "Als Mensch bin ich geprägt von den Erfahrungen im Elternhaus. Behütet, aber trotzdem in großer Freiheit erzogen." Sein Elternhaus am Kirchplatz von St. Amandus gab ihm in der Nazizeit Geborgenheit. Diese Zeit habe ihn gefestigter und stärker gemacht, denn schon früh war er Messdiener und stand schon damit im Gegensatz zur Umgebung. Ein anderes prägendes Erlebnis: Anderthalb Jahre lang musste Reinhard Lettmann in den Bombennächten des Krieges die Nächte im Bunker verbringen. Er weiß, was Angst ist. Gerade deshalb möchte er nicht, dass mit Angst Politik gemacht wird.

Bischof Lettmann baut Brücken und kann zwischen unterschiedlichen Positionen vermitteln.

Bischof Lettmann hat vier seiner Vorgänger persönlich kennen gelernt. Als kleiner Junge von fünf Jahren hat er Bischof Clemens August Graf von Galen auf dem Kirchplatz in Datteln die Hand gereicht und zu ihm, dem großen Mann, emporgeschaut. Er hörte seinen Namen wieder, als der Vikar im Elternhaus in Datteln mit den Eltern die berühmten Predigten des späteren Kardinals gelesen hat. Den Kindern wurde eingeschärft, mit niemandem darüber zu sprechen. Mit der Messdienergruppe aus Datteln nahm er an der Beerdigung des so plötzlich verstorbenen Bischofs Clemens August teil. In seinen Studienjahren beeindruckte ihn das pastorale Engagement von Bischof Keller, der der Seelsorge im Bistum neue und weitreichende Impulse gab.In den ersten Monaten der Vorbereitung des Konzils lernte er Bischof Michael Keller persönlich näher kennen, wenn er zu Kommissionssitzungen in Rom war.

Sekretär von Höffner

Bischof Dr. Höffner ernannte Lettmann zum bischöflichen Kaplan und Sekretär. Er konnte ihn zu allen Sitzungen des Konzils nach Rom begleiten. Er erlebte Höffner als einen gütigen Menschen, der große Kenntnisse aus dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich hatte. Bischof Höffner ernannte ihn nach dem Konzil zum Generalvikar und damit zu seinem Vertreter, vor allem auch in der Verwaltung des Bistums, "in eine absolute Vertrauensposition", so Lettmann. Mit Bischof Tenhumberg hat er als Generalvikar und Weihbischof eng zusammen gearbeitet. Er bewundert vor allem dessen "meisterhafte" Fähigkeit, zwischen unterschiedlichen Positionen zu vermitteln und Sitzungen zu leiten.

Herausragend waren in Lettmanns bisheriger Amtszeit der Papstbesuch 1987 in Münster und Kevelaer, die Ludgeruswoche 1984 zu Erinnerung an den 1175. Todestag des ersten Bischofs von Münster. Und natürlich das große Diözesanforum Ende der neunziger Jahre, "das viele Kräfte gebunden, aber auch freigesetzt hat." Ebenso wichtig ist für ihn das Alltägliche: Die Feier und die Verkündigung des Glaubens, das Leben des Glaubens in praktizierter Nächstenliebe. "Man braucht beides: das Alltägliche und die Sternstunden", weiß Lettmann. Seine zahlreichen Publikationen machen deutlich, woher der Bischof die Kraft nimmt für sein Amt; der Leser erhält Anteil an seinem geistlichen Leben. Er spürt, wie sehr es ihm ein Anliegen ist, das Evangelium weiterzugeben.

Christsein aus Einsicht und Entscheidung

"Man braucht beides: das Alltägliche und die Sternstunden."

Das Diözesanforum hat sich eingehend mit den Fragen der Bedeutung des Glaubens für das konkrete Leben befasst. In diesem Bereich sieht Lettmann die vorrangigen Aufgaben für die kirchliche Arbeit in der nächsten Zeit. Das Forum hat in seinen Beschlüssen und Empfehlungen sehr konkrete Anregungen dazu gegeben. Es sieht mit Sorge, dass immer weniger junge Menschen Kontakt mit dem kirchlichen Leben haben. Umso wichtiger ist der Bereich der Jugendpastoral, der Arbeit der kirchlichen Schulen und des Religionsunterrichts, um nur einiges in diesem Bereich zu nennen.

Sorgen bereitet das Auseinanderfallen zahlreicher Familien. Umso wichtiger ist es, die Familien zu stützen und ihnen zu helfen, etwa durch eine gute Ehevorbereitung. Sorge bereitet, dass der Wasserstand der Grundwerte im gesellschaftlichen und politischen Leben sinkt, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die uneingeschränkte Achtung der Menschenwürde. Angesichts dessen, so Lettmann, dürfen die Christen sich nicht in ein Ghetto zurückziehen, sondern müssen ihre christliche Sicht vom Menschen und seiner Würde offensiv werbend einbringen.

Ermutigende Zeichen

Die großen Veränderungen im kirchlichen Leben beschreibt Lettmann mit einem Wort des heiligen Augustinus: Das Christsein wird immer weniger bestimmt von Beispiel und Autorität, wie es in den vergangenen tausend Jahren war, sondern mehr und mehr von Einsicht und Entscheidung. Das auch heute unter oftmals eher widrigen Umständen so viele Menschen aus Einsicht und Entscheidung zum christlichen Glauben finden, zur Kirche stehen und bereit sind, Aufgaben in der Kirche und in der Gemeinde zu übernehmen, sieht er als ermutigendes Zeichen. Menschen im Hinblick auf Einsicht und Entscheidung zu helfen und zur Seite zu stehen, sieht Lettmann als eine der wichtigsten pastoralen Aufgaben an.

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Text: ks | Fotos: Michael Bönte
Juni 2002

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