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17.08.2017
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Gegenreformation
Als "Kanonenbischof" bekannt: Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen.

Impulse vom Konzil von Trient

Das Bistum in der Zeit der Gegenreformation

Mitte des 16. Jahrhunderts begann in der katholischen Kirche der Prozess einer intensiven Erneuerung. Grundlage dieser Reform wurde das Konzil von Trient (1545-1563), das in Fragen des Glaubens und der Disziplin kirchlicher Amtsträger Klarheit schaffen sollte. Nach Abschluss dieses Konzils war es Fürstbischof Johann von Hoya (1566-1574), der die Umsetzung im Bistum Münster anstieß.

Als erster deutscher Bischof bediente er sich des jährlichen Fastenhirtenbriefs zur Unterweisung von Klerus und Volk. Eine Generalvisitation von August 1571 bis September 1573 brachte dem Bischof ein klares Bild von der religiösen Lage im Münsterland.

Keine Hochschule und kein Priesterseminar

Die Reformationslehre hatte in vielen Bereichen ihre Spuren hinterlassen, häufig aus Unwissenheit über die Quellen von Büchern und Schriften. Eine Hochschule oder ein Priesterseminar gab es nicht. Es blieb jedoch nur bei Reformansätzen vor allem in der Priesterausbildung, da der Bischof schon 1574 starb.

Auch in den folgenden Jahren konnten die Ergebnisse dieser Visitation nicht für grundlegende Reformen genutzt werden. In den verantwortlichen Gremien wie dem Domkapitel war die Diskussion zwischen den Anhängern des Katholizismus und dem lutherischen Reformationsglauben noch nicht zu Ende.

Eindringen des Calvinismus

Zudem drang von den Niederlanden der Calvinismus in die münsterländischen Landstädte. Die folgenden Bischöfe von Münster führten eine Gegenreformation durch, wobei sie die Gemeinden politisch und wirtschaftlich unter Druck setzten.

Unterstützt wurde die Gegenreform vom Ausbau des münsterschen Schulwesens. In der alten Domschule wurde 1606 ein philophisch-theologischer Lehrgang für Priesteramtskandidaten eingerichtet. Das Gymnasium Paulinum entwickelte sich zu einer blühenden Lehranstalt der Jesuiten. 1626 kam mit dem Domus Mariana ein weiteres Seminar für die Priesterausbildung hinzu.

Überprüfung der Geistlichkeit

Ein wirksames Instrument der Gegenreformation war zudem der neu eingerichtete Geistliche Rat. Diesem wurde aufgetragen, die Dekrete von Trient durchzuführen. Alle Pfarrer, Hilfsgeistlichen, Kirchenangestellten und Schullehrer wurden nach Münster vorgeladen, um sich auf ihre Gläubigkeit, Lebensführung und Pflichterfüllung hin überprüfen zu lassen. Viele Fehlentwicklungen und Missstände hatten sich in der Kirche vor Ort über Jahrhunderte gehalten.

Fürstbischof Ferdinand von Bayern (1612-1650)

1612 folgte im Amt des Fürstbischofs Ferdinand von Bayern (1612-1650). Er rekatholisierte das Emsland, die Ämter Cloppenburg, Vechta und Wildeshausen und engagierte sich intensiv in der katholischen Erneuerung seines Bistums. Er löste den Geistlichen Rat auf und setzte als seine stellvertretende Gewalt den Generalvikar ein.

Nach einer Visitation sämtlicher Pfarreien des Bistums 1616 verfasste er vier große Reformdekrete, die sich an die Orden, Stiftsherren, Stiftsfrauen und Pfarrgeistlichen wandten.

Dreißigjähriger Krieg

Während des Dreißigjährigen Kriegs unterwarf er mit Hilfe der kaiserlichen Truppen die calvinistischen Landstädte des Münsterlands. Bei seinen Reformbemühungen unterstützten ihn in allen Teilen des Bistums die neuangesiedelten Orden der Klarissen, Kapuziner, Observanten, Franziskaner, Dominikaner und Minoriten.

Der Nachfolger Ferdinands von Bayern war Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen (1650-1678). Als "Kanonenbischof" bekannt, widmete er sich vor allem der Reichs- und Außenpolitik und holte mit großem militärischen Potenzial viele ehemalige Besitzstände aus den Niederlanden und dem Emsland zurück in den Bistumsbesitz.

Intensive Reformbemühungen

Gerade den katholischen Minderheiten in den calvinistischen Gebieten stand er mit Grenz-Notkirchen und Seelsorgern zur Seite. Auch die Reformbemühungen seines Vorgängers setzte von Galen mit Erfolg fort.

Viele Geistliche aus Münster wurden in dieser Zeit im Collegium Germanicum in Rom ausgebildet und hatten intensiven Einfluss auf das kirchlich-religiöse Leben im Bistum. Galen errichtete zudem viele Krichen neu, renovierte zerstörte Gotteshäuser und gab 1677 das erste "Münsterich Gesangbuch" heraus.

Niels Stensen

Unter seinem Nachfolger Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg (1678-1683) war es vor allem der dänische Konvertit Niels Stensen, der als Weihbischof die nordischen Gebiete missionierte. Der Gelehrte widmete sich mit großem Eifer und ebenso großem Erfolg der pastoralen Erneuerung des Bistums. Aber auch Ferdinand von Fürstenberg gründete zwei Missionsstationen: im Emsland für die friesischen Gebiete und in Warendorf für das Hochstift Münster.

Die Zeit nach dem Trienter Konzil bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war geprägt von Bischöfen, die auf unterschiedlichen Wegen die Erneuerungen der Kirche im Bistum vorantrieben. Mit einigen Erfolgen: Die Fürstbischöfe verstanden sich wieder als Oberhirten des Kirchenvolks, der Klerus widmete sich wieder mit Eifer seinen pastoralen Aufgaben, und die Kirche war wieder zu einer Kirche der Seelsorge geworden.

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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
Mai 2002

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