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27.03.2017
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Wahlspruch von Bischof Genn
Das Leitwort von Bischof Felix Genn.

Professor Thomas Söding über den Wahlspruch von Bischof Felix Genn:

"Wir verkünden euch das Leben"

Bistum. "Wir verkünden euch das Leben" - das ist der Wahlspruch von Bischof Felix Genn. Der Neutestamentler Professor Thomas Söding, der auch Vorsitzender des Katholischen Bibelwerkes im Bistum Münster ist, erläutert dieses Bibelwort:

Die Liebe Gottes

Zweimal steht im Ersten Johannesbrief der Spitzensatz biblischer Theologie: "Gott ist Liebe" (1 Joh 4,8.18). Dass Gott liebt, gehört zur Grundbotschaft der Bibel Israels. Aber erst im Neuen Testament kann nicht nur gesagt werden, dass Gott liebt, sondern dass er Liebe ist. Dazu muss man den einen Gott als Vater, als Sohn und als Heiligen Geist sehen können.

Dass Jesus Gott, den Vater, über alles liebt, ist der rote Faden aller Evangelien. Dass Gott, der Vater, Jesus liebt, seinen Sohn, ist das große Vorzeichen der gesamten Jesusgeschichte, am Jordan gesetzt: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden" (Mk 1,11). Der Heilige Geist ist das Feuer dieser Liebe.

In den johanneischen Schriften wird die Linie weiter ausgezogen. Die Liebesgeschichte zwischen Jesus und Gott ist eine unendliche Geschichte. Ihre Liebe hat kein Ende, sie hat auch keinen Anfang. Sie ist ewig. Das hohepriesterliche Gebet beschließt Jesus mit einem Ausdruck unerschütterlichen Vertrauens: "Du hast mich geliebt vor Erschaffung der Welt" (Joh 17,24). Jesus kann im Johannesevangelium so beten, weil er, wie der Prolog sagt, Gottes ewiges Wort ist, durch das die Welt erschaffen ist, und weil dieses Wort Fleisch geworden ist, um Gottes Herrlichkeit, den Glanz seiner Liebe, auf der Welt zu offenbaren (Joh 1,1-18). Diese Liebe ist die Kraftquelle der Sendung Jesu: "Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt" (Joh 15,9), sagt Jesus der Jüngern im Abendmahlssaal.

Das Licht des Lebens

"Gott ist Licht, und Finsternis ist nicht in ihm" (1Joh 1,5), so liest man gleichfalls im Ersten Johannesbrief. Der Satz steht auf einer Stufe mit dem Grundsatz "Gott ist Liebe". Die Genesis steht vor Augen: "Gott sprach: Es werde Licht, und es wurde Licht" (Gen 1,3) – das ist der erste Schöpfungsakt, der alles weitere bestimmt. "In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen" (Joh 1,5) – so nimmt der Johannesprolog das Schöpfungsmotiv auf und bezieht es auf den Logos, das Wort Gottes, das Fleisch geworden ist in Jesus von Nazaret.

Dieser Jesus bringt das Leben. "Ich will, dass sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10,10), so spricht der Gute Hirte, der sein Leben einsetzt für die Schafe – für diejenigen, die schon zu seiner Herde gehören, und jene, mit denen er sie noch zusammen auf die Weide führen wird (Joh 10,1-21). Das Leben ist das ewige Leben: das neue Leben aus dem Tod, das durch Gottes Liebe erfüllt wird und deshalb kein Ende haben wird.

Jesus, der das Leben bringt, ist selbst das Leben (Joh 14,6) – so wie er nach dem Johannesevangelium nicht nur dem Blindgeborenen das Augenlicht schenkt (Joh 9), sondern selbst das  "Licht der Welt" ist (Joh 8,12). Anders kann es nicht sein, weil Jesus nicht nur ein paar wichtige Informationen über Gott vermittelt, sondern Gott selbst den Menschen  bringt, und nicht nur mit hohem Einsatz spielt, sondern ganz und gar in seiner Rolle aufgeht, Gottes Wort an die Menschen zu sein.

Die Verkündigung des Glaubens

Der Erste Johannesbrief sagt ganz zu Beginn, wer diese unerhörte Botschaft Jesu in den Mund nehmen und weitertragen kann, obwohl der ständige Tod, das unschuldige Leid, die dauernde Ohnmacht gegen sie sprechen. Es sind ursprünglich diejenigen, die Jesus ganz nahe gestanden haben, weil Jesus sie ganz nahe an sich herangelassen hat. Zu Beginn des Briefs stellen sie sich vor: "Was von Anfang an war, das haben wir gehört, das haben wir gesehen mit eigenen Augen, das haben wir geschaut und mit eigenen Händen berührt: das Wort des Lebens. Und das Leben ist erschienen, und wir haben es gesehen, und wir bezeugen es, und wir verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart worden ist. Was wir gesehen und gehört haben, verkünden wir euch auch, damit ihr mit uns Gemeinschaft habt; es ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei" (1 Joh 1,1-4).

Die Verse knüpfen an den Prolog des Evangeliums an: an das Bekenntnis zum Wort Gottes, das Fleisch geworden ist, und zum Licht des Lebens, das die Welt zum Heil führt. Aber die Perspektive hat sich verschoben. In Joh 1,14 hieß es: "Wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des eingeborenen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit" (Joh 1,14). Es ist das "Wir" derer, die glauben, was Jesus von Gott sagt und dass sich Gott selbst ihnen in Jesus zeigt.

Der Erste Johannesbrief führt einen Schritt zurück. Er nimmt die Thomasfrage auf: Wie ist es denn möglich, nicht zu sehen und doch zu glauben? Der Brief antwortet: nur durch qualifizierte Verkündigung. Qualifiziert ist diese Verkündigung durch dreierlei. Erstens: Sie wurzelt im Zeugnis derer, die Jesus selbst gehört und gesehen und berührt haben. Zweitens: Sie sagt genau das, was Jesus gesagt und gezeigt hat. Drittens: Sie schafft Gemeinschaft mit denen, die zu Hörern des Wortes werden, und zwar eine Gemeinschaft untereinander, die in der Gemeinschaft mit Gott besteht.

Wer als Bischof 1 Joh 1,2 zum Wahlspruch nimmt, stellt sich in die Nachfolge derer, die mit der Verkündigung Jesu, der Verkündigung des Lebens, begonnen haben. Er stellt sich in die Gemeinschaft all derjenigen, die von Generation zu Generation und von Ort zu Ort diesen Verkündigungsdienst übernommen haben; er stellt sich auch in die Gemeinschaft aller Gläubigen, denen die Verheißung gegeben ist. Vor allem stellt er sich auf die Seite Jesu selbst und damit auf die Seite des Lebens. Es gibt ein Kriterium, an dem die Erfüllung dieses Auftrags gemessen werden kann; dass die Freude an Gott, die Freude am Glauben, die Freude am Leben ausstrahlt und ansteckt.

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Text: Thomas Söding
März 2009

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