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30.08.2016
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Genn
Bischof Genn bewahrt sich einen wachen Blick für neue Aufbrüche im Glauben.

Bischof Dr. Felix Genn:

Vom Aufbruch eines Verwurzelten

Ein Sanierer. Und ein Sinnierer. Der personelle, finanzielle und strukturelle Rückbau im Bistum Essen hat Dr. Felix Genn fünf Jahre lang als Ruhr­bischof viel abverlangt. Aber als tiefgläubiger Seelsorger hat der 58-Jährige dem unvermeidlichen Abbruch jederzeit den Aufbruch entgegengesetzt - das mitreißende Werben um entschiedenes Christsein in einer atmosphärisch kälter werdenden Welt.

Ein Sanierer aus seelsorge-praktischer Einsicht - ein Sinnierer aus theologischer Leidenschaft. Beides speist sich bei ihm aus einer tiefen Quelle gelebter Frömmigkeit und geistlicher Erkenntnisse. Die unter Vorgänger Reinhard Lettmann noch vollzogenen Strukturveränderungen im Bistum Münster eröffnen dem 75. Nachfolger des heiligen Liudger die Chance, künftig vorrangig als Missionar zu wirken, beim Aufbruch voranzuschreiten.

Erfahren in der Leitung eines Bistums, im Alter der Gruppe treuer Kirchgänger nahe, gleichermaßen sensibel für Glaubensfragen wie für Gesellschaftsprobleme, aktiv mitgestaltend in der Deutschen Bischofskonferenz, erscheint Felix Genn hervorragend geeignet, als 76. Bischof von Münster zusammen mit den zwei Millionen Katholiken zwischen Werne und Wangerooge, Wachtendonk und Wadersloh das zu leben, was Augustinus so beschrieben hat: "Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ."

Aufgewachsen auf dem Bauernhof 

Geboren im rheinland-pfälzischen Burgbrohl, aufgewachsen im bäuer­lichen Elternhaus in Wassenach unweit der Benediktinerabtei Maria Laach, vermag Genn den volkskirchlichen Glauben der Borkener, Oldenburger, Coesfelder und Warendorfer aus eigenem Erleben nachzufühlen.

Seit Essener Zeiten weiß er zudem das Minderheiten-Bekenntnis von Gläubigen industriell oder großstädtisch geprägter Regionen wie Duisburg, Recklinghausen, Wilhelmshaven und Münster zu schätzen - und die ­Bischofsstadt liegt nicht allzu weit entfernt vom Benediktinerkloster Gerleve. Mehrfach hat er Wallfahrten nach Telgte unternommen, regelmäßig ist er mit Erzbischof Werner Thissen und Weihbischof Heinrich Janssen von Xanten nach Kevelaer gepilgert.

Der Begriff Aufbruch hat sich auf sehr persönliche Weise mit Felix Genn verbunden, nachdem er als Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt im Jahr 1996 mit seinen geistlichen Inspirationen fast eine Dreiviertel Million Menschen auf den Pilgerweg nach Trier lockte.  Niemanden hat dieser enorme Zuspruch mehr überrascht und gefreut als seinen damaligen Bischof Hermann-Josef Spital.

Lehrauftrag für Christliche Spiritua­lität

Deutschlands größte katholische ­Fakultät in Münster dürfte ihn nicht fremdeln lassen. Felix Genn hat nach dem Abitur in Andernach in Trier und Regensburg studiert, seine Doktor­arbeit über den heiligen Augustinus geschrieben und drei Jahre lang einen Lehrauftrag für Christliche Spiritua­lität an der Theologischen Fakultät Trier wahrgenommen.

Priester liegen Felix Genn buchstäblich am Herzen - das beweist sein Brustkreuz, ein Geschenk von Priesteramtskandidaten aus dem Studienhaus in Lantershofen, wo er zwei Jahre lang Spätberufene ausbildete. Junge Männer auf dem Weg zur Weihe zu stärken, das war ihm bereits zuvor sieben Jahre lang eine spirituelle Herausforderung als Subregens und später als Spiritual des Trierer Priesterseminars. Inzwischen leitet Genn die Kommission IV der Deutschen Bischofskon­ferenz für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste. Dort begeistert er die Mitglieder durch seinen motivierenden Arbeitsstil: offen, inspirierend, zusammenführend.

"Mein Gott ..." - nach Essen

Einen persönlichen Aufbruch für Genn bedeutete die Ernennung zum Weihbischof in Trier im April 1999. Mit seiner Herzlichkeit, seiner Natürlichkeit, Grundehrlichkeit und spirituellen Tiefe gewann er rasch die Menschen. Seine einfache Lebensweise und seine natürliche Lebensfreude drückt auch sein Bischofs-Motto aus: "Wir verkünden euch das Leben" (vgl. 1 Joh 1-4).

"Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ."

Sein Visitationsbezirk an der Saar machte den Bauernsohn mit der einschneidenden Krise der Montanindustrie bekannt - eine hilfreiche Erfahrung, als er vier Jahre später als Nachfolger von Hubert Luthe Bischof von Essen wurde. Ruhrbischof in der flächenmäßig kleinsten deutschen Diözese, aber in einem von Arbeitslosigkeit, Ausländerproblemen und Abwanderung geplagten Gebiet.

"Mein Gott ...", hatte er gedacht, als ihn die Nachricht von der Ernennung erreichte. Ausgerechnet Essen, wo existenzielle Probleme alle geistlichen Impulse zu überlagern drohten. Doch das hieße die Beharrlichkeit und den Missionarseifer des Bauernsohnes aus der Eifel unterschätzen.

Ganze eineinhalb Jahre Einarbeitungszeit gönnte sich Genn, bevor er seinen Diözesanen eine beispiellose Schrumpfkur verordnete: Personal­abbau im Generalvikariat, das Auflösen der mittleren Ebene, die Fusion von 259 Pfarreien zu 43 Pfarrgemeinden und das Aufgeben von 96 Kirchengebäuden.

"Der Welt nicht die Hoffnung vorenthalten"

Schock, Wut, Unverständnis, Verzweiflung - alles schlug ihm entgegen. Für Felix Genn gab es nur Aufbruch, damit die Verkündung der Frohen Botschaft weiterhin möglich blieb. "Wir können der Welt nicht die Hoffnung vorenthalten, dass der, der Jesu Worte hört und in diesem Wort bleibt, den Tod nicht schauen wird - und zwar für immer", beschrieb er seine Vision einer Kirche im 21. Jahrhundert.

Und als bedürfe es noch eines letzten Rucks für den beschwerlichen Aufbruch, erinnerte er seine Diözesanen daran, "wie oft wir über Abraham und seinen Aufbruch, wie oft wir über den Exodus des Volkes Israel gepredigt ­haben". Um selbstermutigend anzu­fügen: "Jetzt wird es konkret."

So beharrlich er zuhören kann, so ernst er unterschiedliche Einschätzungen nimmt - seine Entscheidungen gründen auf eigenen Einsichten. Das erklärt seine für manche Begleiter überraschende Entschiedenheit.

Illo­yalität dem Bischof gegenüber?

Eine schwierige Zeit des Wandels im Bistum Essen, die Genn viel Führungskraft kostete und die der vollen Rücken­deckung seines agilen Generalvikars Dr. Hans-Werner Thönnes bedurfte. Wahrnehmen war Bischof Genn wichtig, wahr sprechen nicht weniger. Offen gestand er den Priestern: "Mir ­persönlich tut es weh, uns das alles zumuten zu müssen." Auch er "liebe mehr den festen Platz" und "zelte nicht gerne".

Aber er warnte die Kleriker empört vor dem verheerenden Eindruck bei Laien, "als könnten Priester sich Illo­yalität dem Bischof gegenüber erlauben, die bei ihnen umgekehrt zu einer Abmahnung führen würde". Und redete den Laien nicht weniger eindringlich ins Gewissen, angesichts drohender Schließungen von katholischen Kindergärten nicht solche Kinder für Demonstrationen zu verzwecken, deren Kindergartenplatz überhaupt nicht verloren zu gehen drohe: "Welches Gedankengut wird in die Herzen der Kinder gesenkt, wenn Kirche als Service-Unternehmen und der Bischof als Buhmann dargestellt werden?"

Als Prophet in die Gesellschaft

Selbst die schwierigsten Finanzprob­leme seines Bistums aber ließen ihn nicht zum verbissenen Kirchenbeamten verkümmern. Letzten August haben es die Beteiligten am "Tag der Laien" in Mülheim eindrucksvoll miterlebt, als ihr Bischof ihnen verriet: "Am liebsten hätte ich Sie heute nachmittag so begrüßt: Herzlich grüße ich die Propheten." Vielleicht aber hätten sie dann gedacht: "Jetzt hebt er ab."

Doch das passiert einem Bauernsohn aus der Eifel so schnell nicht. Aber es ändert nichts an der Felix Genn be­flügelnden Tatsache, dass Christen "Anteil haben am prophetischen Dienst Jesu Christi", dass sie "wie Propheten eine Ansage in die Zeit und die Gesellschaft hineingeben".

Ein neuer Aufbruch in der Christus-Nachfolge erscheint Genn zwingend, weil Kirche "wesentlicher" werden müsse. Erst eine nötige Besinnung "auf den innersten Kern" könne zeigen, "wie provokant das Christentum ist". Was das für ihn meint, schreibt sich so einfach, wie es schwer zu tun ist: Intensiver beten, sich mehr um die Ärmsten der Armen kümmern, häu­figer über den Glauben sprechen.

"Jesus noch mehr kennen lernen"

Das Schwinden des Glaubenswissens besorgt ihn. "In die Tiefe zu steigen", um "Jesus noch mehr kennen zu lernen, das Geschenk des Glaubens noch mehr zu entdecken" - das sei dran, das treibt ihn um.

Neben der "Tiefe" im Glauben betont Genn ebenso die "Weite" im christlichen Engagement, gemeint ist "das Gespräch mit allen gesellschaft­lichen Kräften und Gruppen". Christen sollen sich einmischen, wenn poli­tische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Entwicklungen "dem Geist unseres Glaubens widersprechen". Seit kurzem Adveniat-Bischof, verlängert Genn diesen Weitblick über die soziale Wirklichkeit eines deutschen Bistums hinaus in die Welt­kirche.

Freundschaften schätzt Genn als stärkende Oasen auf der ihm ab­geforderten Wanderschaft in seinem ­Hirtenamt.

Soziale Missstände wühlen ihn auf.  Mit offenen Augen beobachtet er in der Kettwiger Straße, der Essener ­Einkaufsmeile vor seiner bisherigen Bischofskirche, wie arme Familien an den prallvollen Auslagen vorbeiziehen, ohne sich nötige Anschaffungen leisten zu können, und wie verwahrloste drogenabhängige Jugendliche im Schatten der Weihnachtsbeleuchtung abhängen. Solche Gewöhnungen im Alltag empfindet er als Missstände, "die in vielfältiger Weise nach Barmherzigkeit schreien".

Blick für neue Aufbrüche im Glauben

Zugleich bewahrt er sich den wachen Blick für neue Aufbrüche im Glauben. Bei der Visitation in Duisburg-Marxloh, dem Standort von Deutschlands größter Moschee, trifft Genn zwar nur noch auf wenige Christen, begegnet aber tief bewegt "ihrem lebendigen Zeugnis". Getröstet fährt er zurück ins Bischofshaus, in der Zuversicht, "dass gerade hier Neues beginnen kann".

Die Marxloh-Episode erinnert ihn an ein kürzliches Erlebnis im römischen Petersdom. Dort hat ihn eine Statue des heiligen Petrus geradezu erschrocken, weil er einen Moment lang an­genommen hatte, Petrus trage eine Keule in der Hand. Bei näherem Hinsehen aber erwies sich die vermeint­liche Keule als Fackel. Genau das wünscht sich Genn von den Christen in der Minderheiten-Situation - in Marxloh und anderswo: "Niemals Keule, aber immer Flamme."

Dazu möchte er beharrlicher Impulsgeber sein. Die Frohe Botschaft zu verkünden ist ihm die "Mitte des bischöflichen Dienstes". Die Gläubigen im Bistum Münster dürfen sich auf seine Stärkung im Glauben freuen; Stärkung scheint ihm nötig, denn "Nachfolge Jesu ist kein Spaziergang". Zumal christliches Leben grundsätzlich "Aufbruch" bedeute.

Gemeinden geistlich aufbauen

Aus der Großstadt in die Landschaft: Diese Aussicht weitet bei allem Essener Abschiedsschmerz Genns Herz. Unvergessen sind ihm die Spaziergänge mit Weihbischof Heinrich Timmerevers durch die weite Oldenburger Natur. Freundschaften schätzt Genn als stärkende Oasen auf der ihm ab­geforderten Wanderschaft in seinem ­Hirtenamt.

Schon bald wird Bischof Felix Genn im Bistum Münster aufbrechen, um die Gemeinden geistlich aufzubauen, um die Menschen zur bewussten Entscheidung aufzufordern - gewinnend, lebensfroh, aber unmissverständlich: "Will ich bei der Gruppe der Christen mitmachen? Traue ich der Kraft des Auferstandenen zu, auch im Heute und Morgen für diese Welt Zeichen des Lebens zu sein, Versöhnung und Frieden zu bringen, das Antlitz der Erde zu erneuern?"

Wer darauf ja sagt, darf sicher sein: Er hat den Bischof fortan an seiner Seite.

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    Text: Hans-Josef Joest | Foto: Michael Bönte
    28.12.2008

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