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26.06.2017
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Martin Luther
Martin Luther.

Münster wird eine evangelische Stadt

Die Reformation im Bistum

Im Lauf des Mittelalters verlagerte sich das Augenmerk der Bischöfe auch in Münster immer mehr auf ihre Aufgabe als Landesfürsten. Sie wurden immer mehr zu Territorialherren und waren immer weniger geistliche Väter des Bistums.

So begab sich auch das Domkapitel zunehmend in die Rolle eines Verfassungsorgans: Bischofswahl, Rechtssprechung, beratendes Gremium des Bischofs - das Domkapitel widmete sich dabei immer weniger pastoralen Aufgaben. Diese Verweltlichung durchdrang schließlich auch die Pfarrstrukturen, in denen die Pfarrer zu den wichtigsten Ansprechpartnern der Gläubigen geworden waren.

Intensive Volksfrömmigkeit

Dagegen entwickelte sich in dieser Zeit eine intensive Volksfrömmigkeit. Im Passionskult, in der Heiligenverehrung, im Reliquienkult und im Wallfahrtswesen kam dies zum Ausdruck.

Die Pflege der Kirchengebäude und karitatives Engagement wurden zum größten Teil von Gilden und Bruderschaften übernommen. In Münster hatten sich 17 Einzelgilden zu einer übergeordneten Stadtgilde zusammengeschlossen, womit sie eingeschränktes politisches Mitspracherecht erlangten.

Kriege und Pest

Die Landbevölkerung hingegen war von dieser Mitsprache ausgeschlossen. Die wirtschaftliche Lage Ende des 14. Jahrhunderts, viele Kriege und die grassierende Pest setzten besonders dem bäuerlichen Volk stark zu, das im Brauchtum seine Frömmigkeit zum Ausdruck brachte.

Die Ordensgemeinschaften im Bistum entfernten sich hingegen Ende des 14. Jahrhunderts wieder von ihren christlichen Idealen. Der karitative und wissenschaftliche Einsatz schwand. Vielerorts legten die Klöster und Stifte größeres Augenmerk auf ihre Versorgung und finanzielle Ausstattung als auf ihre Gelöbnisse.

Reformbewegungen im 15. Jahrhundert

Die Folgen waren einige Reformbewegungen im 15. Jahrhundert: Geistliche Gemeinschaften wurden erneuert, Sorge um die Mitmenschen und die Frömmigkeit sollten wieder in den Vordergrund rücken. Mit einigem Erfolg auch im Bistum Münster: Für die Fürstbischöfe dieser Zeit trat das Hirtenamt wieder in den Fordergrund. Johann von Bayern (1429-1466), Heinrich von Schwarzburg (1466-1496) und Konrad von Rietberg (1497-1508) förderten insbesondere die Ordensreform im Bistum.

Einige Jahre nachdem Martin Luther 1517 die 95 Thesen zur Reform der Kirche verfasst hatte, begannen auch im Bistum Münster die Reformationsbewegungen. Erste Reaktionen auf die Thesen sind aus Everswinkel bekannt, wo sie von Domherr Rudolf von Langen 1519 als positiver Weg der Erneuerung bewertet wurden.

Kritik am höheren Klerus

Konkretere Aussagen kamen später von vier münsterschen Kaplänen, die sich 1524 zu den Sprechern der Gilden und des Bürgertums in Münster machten. Diese kritisierten vor allem die reiche Privilegierung des Klerus. Zunächst aber hielten die Bürger der Bischofsstadt noch an ihrem alten Glauben fest.

Offensiver noch ging 1530 Bernhard Rothmann, Kaplan in St. Mauritz vor den Toren, mit den reformatorischen Gedanken in die Öffentlichkeit. In feurigen Predigten gewann er zahlreiche Anhänger. Von den Gilden unterstützt formierte er die Opposition gegen den höheren Klerus und besetzte 1532 die Stadtkirche St. Lamberti. Auch der Stadtrat begab sich nach einiger Zeit auf die Seite der Lutheraner.

Offener Kampf mit dem Fürstbischof

Damit war der offene Kampf zwischen Fürstbischof Erich von Braunschweig-Grubenhagen sowie später seinem Nachfolger Franz von Waldeck und den Lutheranern entbrannt. Mit Wirkung über die Stadtgrenzen hinaus: Einige Ratsgremien anderer Orte wie Ahlen, Beckum, Rheine, Telgte und Werne stellten sich auf die Seite der Lutheraner. Andere, wie die von Coesfeld, Bocholt, Borken, Dülmen, Haltern und Vreden, stellten sich eindeutig auf die Seite des Bischofs.

Mit Hilfe von Verbündeten suchten beide Seite, die Oberhand im mächtigen Fürstbistum Münster zu behalten. Bischof Franz von Waldeck selbst aber sympathisierte immer mehr mit dem Luthertum und fand in dem evangelischen Landgrafen Philipp von Hessen einen starken Verbündeten.

Anerkennung des Augsburger Bekenntnisses

Nach langen Verhandlungen unterschrieben am 14. Februar 1533 eine Reihe von Adeligen, Geistlichen, Bürgermeistern und Ratsvertretern des Bistums einen Vertrag, der die Anerkennung des Augsburger Bekenntnisses durch die Landeshauptstadt Münster bestätigte. Münster war eine evangelische Stadt.

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Text: Michael Bönte | Foto: KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH
Mai 2002

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