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29.04.2017
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Liudger
Als erste Missionare fassten Willibrord und seine Gefährten in Friesland Fuß.

Die Ursprünge des Bistums

Die Missionsgeschichte

"Schwertapostolat" nennt der münstersche Kirchengeschichtler Alois Schröer die Zwangstaufen der Franken im 8. Jahrhundert. Willibrord und Suitbert erleben ein erster Aufflackern christlichen Lebens – aber eben auch die Mühe des missionarischen Arbeitens. kirchensite.de dokumentiert Schröers Beitrag "Die Missionsgeschichte".

Die erste Berührung unserer sächsischen Vorfahren mit dem Christentum reicht in das sechste Jahrhundert zurück. Als unter Chlodwigs Söhnen das christianisierte Frankenreich seine Grenzen mehr und mehr verschob, erkannten auch die Sachsen vorübergehend die Oberherrschaft des mächtigen Nachbarn an.

Aber schon bald sahen sich die fränkischen Majordome genötigt, um die Anerkennung ihrer Herrschaft zu kämpfen. Etwa seit Pippin (751 – 768) und Karlmann (768 – 770) hatten diese Kämpfe insofern auch eine religiöse Seite, als nach fränkischen Siegen die Geschlagenen zur Annahme der Taufe gezwungen wurden. Konnte dieses Schwertapostolat auch einen dauernden Erfolg nicht erzielen, so hätte sich das 753 erteilte Zugeständnis der Sachsen, den fränkischen Bischöfen Predigtfreiheit und den Stammesgenossen Bekenntnisfreiheit zu gewähren, doch erheblich günstiger auswirken können. Da aber die Feindseligkeiten im Grenzgebiet kein Ende nahmen, war von einer nachhaltigen Wirkung der christlichen Predigt nicht die Rede.

Während die Franken vorwiegend durch politische Gründe bestimmt wurden, dem Christentum einen Weg in das Sachsenland zu öffnen, wurden angelsächsische Missionare durch die Erinnerung an die Stammesverwandtschaft beider Völker dorthin geführt. Ausgangspunkt ihrer Missionsbestrebungen war Friesland, wo schon 678 der angelsächsische Bischof Wilfrith von York einen Winteraufenthalt zur Verkündigung des Kreuzes benutzt hatte. Aber auch er zog nicht mehr erste Furchen. Fränkische Missionare, namentlich Eligius († 660) und Amandus († 676), hatten, wenngleich mit geringem Erfolg, bereits unter dem Merowinger Dagobert I. (623 – 639) den Samen des Evangeliums gestreut. Nicht viel später gründete Bischof Kunibert von Köln († um 663) die erste Kirche in Utrecht. Auf dieser bescheidenen Tradition baute Wilfrith auf. Ihm folgte Wichert, der jedoch nach zweijährigem, fast ergebnislosem Wirken wegen der feindseligen Haltung des Friesenfürsten Radbod in die Heimat zurückkehren musste. Erst Willibrord († 739) und seine zwölf Gefährten konnten 690 in Friesland Fuß fassen. Sie predigten in enger Bindung an die Karolinger namentlich in dem fränkischen Teil des Landes südlich des Rheins.

Willibrord und Suitbert

Dem Kreise um Willibrord gehörte auch Suitbert an, der erste Missionar unserer engeren Heimat, von dem wir sichere Kunde haben. Da die wachsende friesische Kirche den Wunsch nach einem Träger der Weihegewalt aufkommen ließ, hatten ihn seine Gefährten 693 zum Bischof gewählt. Ohne um die Anerkennung Pippins des Mittleren († 714) nachzusuchen – die fränkische Kirche war Staatskirche – ließ man Suitbert von Wilfrith von York zum Bischof weihen. Der Neugeweihte kehrte von der Insel zurück, sah sich aber gezwungen, kurz darauf die friesische Mission zu verlassen, da der Majordom ihn wegen des eigenmächtigen Vorgehens der Missionare nicht länger dulden wollte.

So kam Suitbert zu den Boruktuarern, den Nachkommen der alten Brukterer, deren Gebiete an Lippe und Ruhr lagen. Dieser kleine Volksstamm war damals noch völlig unabhängig und gewährte dem Bischof und seinen Helfern uneingeschränkte Wirkungsfreiheit. Es ist daher durchaus glaubhaft, wenn Beda († 735) in seiner englischen Kirchengeschichte schreibt, Suitbert habe reichen Erfolg geerntet. Jedoch sollte seine Wirksamkeit einige wenige Monate oder höchstens ein Jahr nicht überdauern. Der Stamm erlag dem Angriff der vordringenden Sachsen, und mit ihm ging auch das junge Christentum unter, das Suitbert soeben ins Leben gerufen hatte. Dass der Bischof etwa versucht habe, auch den Sachsen zu predigen, hören wir nirgends. Er zog sich vielmehr auf die Rheininsel Wörth zurück, die ihm Pippin auf Fürsprache seiner Gattin Plektrud als Bleibe angewiesen hatte. Hier gründete der Bischof 710 ein Kloster, das spätere Stift Kaiserswerth, und beschloss 713 sein Leben in aller Stille.

Die heiligen Brüder Ewald.

Ohne jede Bedeutung blieb der Missionsversuch der beiden Ewalde, die ebenfalls der Missionsgesellschaft um Willibrord angehörten und gleichzeitig mit Suitbert das fränkische Friesland verließen. Nach der Farbe des Haares wurden sie der schwarze und der weiße genannt. Vor ihrer Abreise nach dem Festland hatten beide Jahre hindurch unter den Mönchen Irlands ein Leben der Buße und Abtötung geführt. Die Nachrichten bei Beda lassen erkennen, dass sie wahrscheinlich Ende 693 im Gebiet der unteren Lippe einen wohlvorbereiteten Vorstoß in das Sachsenland unternahmen. "Als sie in das Land gekommen waren, kehrten sie bei einem Meier ein und baten ihn, er möge sie zu seinem Fürsten bringen; denn sie hätten eine Botschaft an ihn und müssten ihm eine nützliche Sache berichten. Jene alten Sachsen haben nämlich keinen König, sondern an der Spitze des Volkes stehen sehr viele Fürsten, die beim Ausbruch eines Krieges das Los ziehen, und wen es trifft, dem folgen alle für die Zeit des Krieges als ihrem Herzog und sind ihm gehorsam. Ist aber der Krieg vorbei, so erhalten alle Fürsten wieder dieselbe Macht. Der Meier nahm sie auf und versprach. sie zum Fürsten zu senden, wie sie es erbeten hatten, behielt sie aber einige Tage bei sich. Als die heidnische Bevölkerung sie als Bekenner einer anderen Religion erkannte – denn sie beteten und sangen und brachten Gott täglich das Opfer des Heiles dar, da sie die heiligen Gefäße und einen zum Altar geweihten Tisch bei sich hatten –, kamen sie auf den Verdacht, sie würden den Fürsten, wenn sie mit ihm redeten, seinen Göttern abwendig machen und zu der neuen Religion hinüberziehen; sie fürchteten, dass so allmählich ihr ganzes Land gezwungen würde, den alten Gottesdienst zu verlassen und den neuen anzunehmen. Deshalb ergriffen sie beide plötzlich und töteten sie. Der weiße Ewald fand einen raschen Tod durch das Schwert, der schwarze hingegen wurde langsam zu Tode gepeinigt (693?), und alle seine Glieder wurden schrecklich verstümmelt. Ihre Leichname wurden in den Rhein geworfen. Als das der Fürst, den sie hatten sehen wollen, vernahm, erzürnte er sehr, dass Fremde, die zu ihm kommen wollten, nicht zu ihm gelassen worden seien. Er schickte deshalb hin, ließ alle Bewohner jenes Dorfes töten und das Dorf selbst in Brand stecken. Die genannten Priester und Diener Gottes erlitten den Martertod am dritten Oktober (um 695)." Beda fügt seiner Erzählung hinzu, der Frankenherzog Pippin habe sie unter hohen Ehren beisetzen lassen.

So war auch dieser Missionsversuch gescheitert, ehe er begonnen hatte. Er bewies, mit welchen unvorhergesehenen Schwierigkeiten jeder Glaubensbote bei den Sachsen rechnen musste. Das Schicksal der beiden Ewalde vermochte die angelsächsischen Priester nicht zu schrecken. "Immer neue Diener des Wortes", schreibt Alkuin in seinem Gedicht über die Heiligen der Yorker Kirche, "kamen aus Northumberland zu den Sachsen" Er nennt jedoch nur noch einen Namen. den Priester Vira, über den wir sonst nichts Sicheres wissen. In der abgeleiteten Form Wiro hat sich sein Name in der Roermonder Tradition erhalten.

Bonifatius in Friesland

Im Frühjahr 716 traf auch Wynfrith (Bonifatius). der größte der angelsächsischen Missionare, mit einigen Freunden in Friesland ein. Seit seiner Bischofsweihe 722 hatte er wiederholt den Papst gebeten, ihn unter Entbindung von seinen bisherigen Aufgaben zu den blutsverwandten Sachsen zu entsenden. Gregor III. stellte ihm auch 738 ein Empfehlungsschreiben an die Sachsen aus, konnte sich jedoch später nicht entschließen, ihn aus seinem bisherigen Wirkungsfeld zu entlassen, da er nicht sichere Erfolge gegen unsichere Hoffnungen eintauschen wollte. Somit hat Bonifatius als Missionar sächsischen Boden niemals betreten. Und doch will die Volkssage von der christlichen Lehrtätigkeit des Apostels der Deutschen in den münsterländischen Gemeinden Freckenhorst und Schapdetten wissen. Der Grund zu dieser Annahme liegt offenbar in dem Bonifatiuspatrozinium der genannten Kirchen, das in beiden Fällen bereits im frühen Mittelalter nachweisbar ist. Eine örtliche Missionstätigkeit des Heiligen, wie das Volk sie annimmt, widerspricht den geschichtlichen Tatsachen. Eine andere befriedigende Lösung der Frage aber fand sich nicht. Erst 1927 erbrachte Johannes Bauermann den Nachweis, dass die Kirche in Schapdetten auf Eigenbesitz des von Bonifatius gegründeten Klosters Fulda errichtet und von dem dortigen Abt mit Bonifatiusreliquien begabt worden ist. Es bleibt jedoch die Frage, was Fulda veranlasste, das Schapdettener Klostergut, das einzige sicher nachweisbare in Westfalen, zu erwerben.

Der heilige Bonifatius.

Während die münsterländische Bonifatiustradition somit der Grundlage entbehrt, ist die apostolische Wirksamkeit eines anderen Glaubensboten im Sachsenland einwandfrei verbürgt: die des Angelsachsen Lebuin.

Wirken des heiligen Lebuin

Lebuin traf wohl nicht vor 768 in Utrecht ein, wo ihm Abt Gregor auf seinen Wunsch das Missionsgebiet an der Issel übertrug. Es wird uns berichtet, dass seine dortige Arbeit von solchem Erfolg begleitet war, dass er sich schon bald genötigt sah, in Deventer eine Kirche zu errichten, die der Mittelpunkt seines ferneren Wirkens wurde. Von hier aus unternahm der Heilige einen Missionsvorstoß in das Sachsenland. Es zeugt von dem Glaubensmut Lebuins, wenn er 772 die sächsische Landesversammlung in Marklo a. d. Weser zum Schauplatz seiner Missionspredigt ausersah. Die Vita Lebuini, deren geschichtliche Zuverlässigkeit nach den neuesten Handschriftenfunden im einzelnen festgestellt werden konnte, schildert dramatisch das Auftreten des Glaubensboten auf dieser sächsischen Stammestagung. Der Heilige war zuvor von seinen beiden Freunden im Münsterland (Sudergo), Folkbert und dessen Sohn Heiko, Mitgliedern des sächsischen Adels, vor dem Besuch der Versammlung gewarnt worden. Folkbert mahnte: "Du bist vielen von uns teuer, mein geliebter Wine; auch mir ist sehr anziehend, was du zu erzählen pflegst; aber ich höre, dass dich alle verwegenen jungen Männer verwünschen und dir drohen." Lebuin erwiderte: "Ich kann nicht anders, ich muss zu dieser Versammlung gehen, da Jesus Christus selbst mir aufgetragen hat, dort den Sachsen seine Botschaft zu verkünden."

In geistlichem Gewand, das Kreuz in der einen, das Evangelium in der anderen Hand – so malt die Vita diese Szene – trat Lebuin auf. Er rief mit lauter Stimme: "Hört, hört, ich bin der Bote des allmächtigen Gottes; seine Botschaft bringe ich euch Sachsen." Alle verstummten und wunderten sich über die Worte und die ungewohnte Erscheinung des Mannes. Der Mann Gottes aber fuhr fort: "Der Herr des Himmels und der Erde mit Jesus Christus, seinem Sohn, lässt euch sagen, dass er euch, wenn ihr ihm angehören und tun wollt, was er euch durch seine Diener aufträgt, unerhört viel Gutes gewähren wird. Wie ihr Sachsen bisher keinen König über euch gehabt habt, so wird es keinen König gehen, der euch überwältigen und seiner Herrschaft unterwerfen kann. Wenn ihr ihm aber nicht angehören wollt, dann lässt er euch sagen: in einem benachbarten Lande ist ein König bereit, der wird in euer Land einrücken, es plündern und verwüsten, er wird euch in verschiedenen Kriegen schwächen. euch in die Verbannung führen, euch enterben oder töten und euer Erbe geben. wem er will. Ihm und seinen Nachfolgern werdet ihr später untertan sein." Weiter kam er nicht. Die Sachsen schrien: "Das ist der Landstreicher und Spottvogel, der mit seinen Narrheiten und Phantasien im Land umherzieht, nehmt ihn fest und steinigt ihn!" Sie rissen Spitzpfähle aus der Hecke, die den Versammlungsplatz umgab, und suchten ihn damit unter Wutgeschrei zu töten. Aber ehe die Masse ihn erreichte, erhob ein angesehener Mann des sächsischen Adels namens Buto seine Stimme: "Vernehmt erst, was ich euch zu sagen habe, und dann urteilt! Wenn die Normannen, Slaven, Friesen oder andere Völker Abgesandte zu uns schicken, dann nehmen wir sie in Frieden auf und schenken ihnen willig Gehör. Und nun kommt gar der Bote Gottes Selbst zu uns, und siehe, wir überhäufen ihn mit Unbilden! Als er uns soeben die Wahrheiten verkündete, wurde er unserem Ansturm mit Leichtigkeit entzogen. Glaubt nur, ebenso leicht könnte das, was er uns angedroht, ohne Zögern in Erfüllung Gehen!" Die eindringlichen Worte Butos verfehlten nicht ihren Zweck. Man wurde Einig, den Boten des himmlischen Königs in Frieden zu entlassen.

Die Mahnung Butos und ihr Erfolg bei den Sachsen, sowie die obigen Worte Folkberts an Lebuin lassen erkennen, dass man damals, also vor den Sachsenkriegen, in der sächsischen Führungsschicht dem Christentum nicht mehr überall mit solcher Schärfe und Gehässigkeit gegenüberstand, wie man vielfach angenommen hat.

Keine planmäßige Bekehrung

Wenn wir die ersten Bekehrungsversuche in Sachsenland überblicken, fällt uns auf, dass ihnen Planmäßigkeit und Linie fehlten, und es wundert uns nicht, dass ihnen kein durchgreifender Erfolg beschieden war. Der Widerstand, auf den die Glaubensboten im allgemeinen stießen, ließ keinen Zweifel darüber, dass das Heidentum noch nicht tot war. Allerdings wurde die Abneigung der Sachsen gegen das Christentum dadurch verschärft, dass die Verehrung des fremden Gottes die Unterwerfung unter die fremde Herrschaft besiegelt sollte. Daher gab man sich auch in Friesland, dem Ausgangspunkt der sächsischen Mission, keinem Zweifel darüber hin, dass der Zugang zu diesem Stamm zunächst noch verschlossen war.

Karl der Große hat ihn mit dem Schwert geöffnet. In den ersten Jahren der Sachsenkriege (722 – 804) hören wir nichts von der Annahme des Christentums oder von Bedingungen, die die Religion betrafen. Erst nach dem sächsischen Aufstand von 776, an dem namentlich die Westfalen beteiligt waren, erboten sich die Sachsen freiwillig zur Taufe, offenbar, um dadurch eine Bürgschaft für die Aufrichtigkeit ihrer Unterwerfung zu geben. Das Angebot bildete den Auftakt zu weiteren Verhandlungen, die noch 776 zu dem Ergebnis führten, dass das Volk geschlossen zum Christentum übertrat und in feierlicher Weise dem fränkischen König und dem christlichen Glauben Treue schwor. Hart an der Grenze des späteren Bistums, bei der Karlsburg a. d. Lippe, fand eine Massentaufe statt, die ohne Zweifel auch einen Großteil der münsterländischen Bevölkerung erfasst hat.

Missionsplan von 777

Der Paderborner Reichtag im Frühjahr 777 legte den Missionsplan in seinen Einzelheiten fest. Zu diesem Ziel wurde das Land in Missionsbezirke aufgeteilt und den Grenzbistümern zugewiesen. Dabei kam das Münsterland wahrscheinlich an das Bistum Utrecht. Für die christliche Durchdringung des Landes wurde es verhängnisvoll, dass fast alle Missionare es als ihre Aufgabe betrachteten, die heidnischen Heiligtümer zu zerstören. Dieses Vorgehen, das sehr von den Missionsanweisungen Gregors des Großen abwich, führte 778 zu offenem Aufruhr namentlich der Westfalen und zu einem Rachefeldzug in fränkisches Gebiet. Von Widukind aufgewiegelt, verheerten die Sachsen in einem furchtbaren Verwüstungszug die Gegend zwischen Köln und Koblenz, wobei sie sich namentlich gegen die christlichen Priester und Kirchen wandten. Sie wollten nicht mehr Beute, sondern Rache. Im Jahr darauf wurden die Westfalen bei Bocholt entscheidend geschlagen. Wiederum folgte eine Zeit der Ruhe und des kirchlichen Aufbaues, bis die Empörung des Jahres 782 alles aus dem Gleis warf. Während es Widukind gelang, eine gleichzeitige Erhebung der Sachsen und Wenden hervorzurufen, zerstörte er die christliche Missionsarbeit im nördlichen Sachsen und ließ dort christliche Priester und vornehme christliche Sachsen töten. Am Süntel vernichtete er ein gegen die Wenden eilendes fränkisches Heer.

Widukinds Auftreten als Verfolger im eigenen Land beweist, dass das Christentum unterdessen in den Kreisen des sächsischen Adels kräftige Wurzeln geschlagen hatte und dass dem Sachsenherzog nicht mehr die Gesamtheit des Volkes anhing. Widukind war lediglich der Führer einer Partei. Um sich zu behaupten, musste er alles daran setzen, die inneren Gegner niederzuhalten; daher die Hinrichtungen, die naturgemäß den Gegensatz nur noch verschärften.

Bei Verden a. d. Aller hielt Karl 782 Gericht. Nach Widukinds Flucht lieferte ihm die fränkische Partei unter den Sachsen die Teilnehmer an der Empörung – nach der umstrittenen Angabe der fränkischen Reichsannalen waren es 4500 – aus, die der König angeblich noch am gleichen Tag hinrichten ließ. Das angegebene Ausmaß der Hinrichtungen gilt heute als weit übertrieben (E. Freise). Widukind setzte den Kampf fort, musste sich jedoch schließlich der fränkischen Übermacht beugen. Irre geworden an der Macht der Götter, ließ er sich 785 zu Attigny mit seinem Kampfgenossen taufen.

Entsendung des Abtes Bernrad

Diese Karte aus der Diözesanbibliothek Münster zeigt das münsterländische Missionsgebiet zur Zeit des heiligen Liudger.

 Nachdem Karl der Große nunmehr das erstrebte Ziel erreicht hatte, war er darauf bedacht, neue Männer für die Sachsenmission zu gewinnen. Damals entsandte er den Abt Bernrad ins Münsterland. Außer der zweiten Lebensbeschreibung des heiligen Liudger, in der von Bernrad nur beiläufig, aber bestimmt die Rede ist, gibt keine Quelle über ihn Aufschluss. Im Schatten seines großen Nachfolgers scheint er früh in Vergessenheit geraten zu sein. Da der Tod Bernrads in die Zeit einer Erledigung des Trierer Bischofsstuhles fiel, für den sein Nachfolger Liudger von Karl d. Gr. in Aussicht genommen war, hat seine Wirksamkeit im Münsterland frühestens 791, spätestens 792 ihr Ende gefunden. Bernrad war nur einer von mehreren fränkischen Glaubensboten, die im Auftrag Karls d. Gr. seit 780 bzw. 785 im westlichen Sachsen missionierten.

Den notwendigen Rückhalt erhielt die Mission durch die Capitulatio de partibus Saxoniae, die Karl d. Gr. um 782/85 erließ. Dieses harte Gesetz ist kennzeichnend für die Unsicherheit der Lage. Das Land galt zwar als christlich, war es aber nicht. Während der sächsische Adel im allgemeinen der Annahme der christliche Lehre zuneigte, stand das Volk in weiten Kreisen dem Christentum innerlich fremd, zum Teil gar feindselig gegenüber. Man hasste die Priester, brach den kirchlichen Frieden, verstieß gegen christliche Sitten und brachte insgeheim heidnische Opfer dar. Demgegenüber erließ Karl ein absolutes Verbot des Heidentums und aller heidnischen Gebräuche. Wer Kirchraub beging, trotz eidlicher Abschwörung in Feindschaft gegen Christen verharrte, sich der Taufe entzog, heidnische Opfer darbrachte, Leichen verbrannte, eine angebliche Hexe tötete – der sei des Todes. Die Beobachtung der kirchlichen Gebote sollte erzwungen werden. Die Beobachtung der kirchlichen Ehegesetze wurde verlangt. Wer eine christliche Einrichtung verhöhnte, eine geistlich Person oder kirchliches Besitztum verletzte, wurde mit dem Tode bestraft. Bei der Beurteilung dieser strengen Bestimmungen ist zu beachten, dass das sächsische Stammesrecht bei Verbrechen, die uns noch geringfügiger erscheinen, die Todesstrafe vorsah. Zudem waren Milderungen durch Asylrecht und Kirchenbuße leicht erreichbar.

König schützt Kirche

War damit die christliche Kirche samt ihren Einrichtungen und Dienern unter den Schutz des Königs gestellt, so war der nächste Gedanke, die einzelnen kirchlichen Gründungen wirtschaftlich zu sichern. Die Ausführung war nicht leicht, da in Sachsen die großen Königshöfe Ostfrankens und die Abgaben an den König, die man der Kirche teilweise hätte überlassen können, fehlten. So blieb kein anderer Weg, als die Unterhaltung der Kirchen den Gemeindemitgliedern aufzuerlegen. Das Capitulare bestimmte daher, dass jede Kirche einen Haupthof und zwei Bauerngüter erhalten müsse, dazu auf je 120 Seelen einen Knecht und eine Magd. Zudem wurde die Zehntpflicht eingeführt, jedermann, Adelige, Freie und Liten, sollte von den Erträgen seines Grundbesitzes und von allem Erwerb den Zehnten an die Kirche geben.

Es leuchtet ein, dass diese Bestimmungen bei dem ausgeprägten Eigentumsbegriff der Sachsen bedenklich waren, da sie einen empfindlichen Eingriff in den Privatbesitz bedeuteten. Welche tiefgehende Unzufriedenheit ihre Durchführung zur Folge hatte, zeigt ein späterer Brief Alkuins, in dem er Karl ermahnt, bei der Auferlegung des Zehnten Vorsicht walten zu lassen, da es besser sei, den Zehnten zu verlieren als den Glauben.

Quellen:

Über die Anfänge und die Frühzeit es sächsischen Christentum unterrichten F. Flaskamp, Die Anfänge frisieschen und sächsischen Christentums (1929). Ders., Die beiden Ewalde: WL 1 (1930) 325 ff. F. Philippi, Geschichte Westfalens = Westfalenland. Eine Landes- und Volkskunde Westfalens, hg.von Th. Wegner, Bd. 3 (1926). H Wiedemann, Die Sachsenbekehrung (1932). H. Rademacher, Die Anfänge der Sachsenmission südlich der Lippe: WS 2 (1950) 133 ff. E. Freise, Das Frühmittelalter bis zum Vertrag von Verdun (843): Westfälische Geschichte 1 (1983) 289 ff. M. Zender, Ewalde: Lexikon des Mittelalters Bd. 4 (1989) Sp. 148. A. Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands, Bd. 1 (1922) u. 2 (1935). K. Hauck, Ein Utrechter Missionar auf der altsächsischen Stammesversammlung: Das Erste Jahrhundert 2 (1964) 734 ff. Ders., Die Herkunft der Liudger-, Lebuin- und Marklo-Überlieferung: Festschrift J. Trier (1964). A. Angenendt, Willibrord im Dienst der Karolinger: Annalen 175 (1973) 63-113. Ders., Kaiserherrschaft und Königstaufe = Arbeiten zur Frühmittelalterforschung Bd. 15 (1984) 1996 ff. 203 ff. Ders., Das Frühmittelalter. Die abendländische Christenheit von 400-900 (1990) 204-223.

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Text: Alois Schröer, in: Werner Thissen (Hrsg.): "Das Bistum Münster, Band 1: Die Bischöfe von Münster", Münster 1993, Verlag Regensberg | Fotos: Archiv
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