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Seite: Bistumshandbuch  >  B  >  Bistumshandbuch: Bistumsgeschichte: Säkularisierung und Kulturkampf
30.08.2016
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Boom in der religiösen Andachtsgrafik.
Etwa seit dem Jahr 1870 gab es einen regelrechten Boom in der religiösen Andachtsgrafik. Zahlreich waren die Bilder, die die Kommunion thematisieren.

"Kein schwärzerer Fleck auf Erden"

Säkularisierung und Kulturkampf im Bistum

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Besitztümer zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich neu verteilt. Adelige, deren Besitztümer Frankreich zufielen, wurden mit der Übernahme von Eigentum der Fürstbischöfe und Äbte entschädigt. Diese Säkularisierung bedeutete das Ende der Fürstbistümer; eine Trennung von staatlicher und kirchlicher Gewalt war die Folge.

Durch die Verschiebung der französischen Ostgrenze mussten deutsche Staaten ihre linksrheinischen Gebiete abgeben. Als Entschädigung dafür wurden ihnen im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 die kirchlichen Reichsstände zugeschlagen.

Was weitreichende finanzielle Folgen auch für das Bistum Münster hatte: Kirchlicher Besitz musste veräußert werden, Klöster und Kirchen wurden als Lagerhallen, Pferdeställe, Kasernen oder Heuschober genutzt. Kostbare Kunstwerke wurden abgebaut und verschwanden in Privatbesitz.

Neue Bistumsgrenzen innerhalb Preußens

Auch die Grenzen des Bistums Münster mussten neu gezogen werden. Nach Verhandlungen zwischen Papst und Preußen wurden sie den neuen politischen Grenzen angepasst. Mit kleineren späteren Veränderungen entstanden die heutigen Bistumsausmaße. Die Menschen im Bistum reagierten jedoch mit Niedergeschlagenheit auf den Einmarsch der preußischen Truppen.

Die Zuordnung zu Preußen bedeutete, dass die Katholiken lernen mussten, in einem mehrheitlich protestantischen Staat zu leben. Auch die Staatsordnung Preußens war eine andere. Die allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt, die Steuer angehoben, die straffe Organisation des Militärstaats hielt Einzug.

Wirtschaftlich rückständig

Zuständig für die Anpassung des vielerorts als wirtschaftlich und bürokratisch rückständig geltenden Fürstbistums Münster war Freiherr vom Stein. Auch wenn sich die Bevölkerung nach und nach mit den neuen Verhältnissen anfreundete, blieben einige grundsätzliche Probleme. Das Mitspracherecht der protestantischen Staatsmacht auch in kirchlichen Fragen führte immer wieder zu Irritationen.

Als 1837 der Erzbischof von Köln und frühere münstersche Weihbischof, Clemens August Droste zu Vischering, wegen seiner kompromisslosen Stellungnahmen in Fragen konfessionsverschiedener Ehen inhaftiert wurde, brachen auch im Bistum Münster Unruhen aus. Erst 1840 entschärfte König Friedrich Wilhelm IV. das angespannte Verhältnis der Bürger gegenüber der preußischen Staatsmacht mit Zugeständnissen an die katholische Kirche.

Preußische Verfassung von 1850

Die Preußische Verfassung von 1850 brachte den Kirchen die Freiheit, ihre Angelegenheiten ohne staatlichen Eingriff selbst zu regeln. Zudem wurde die Vereinsfreiheit garantiert. Das hatte auch intensive Folgen für die kirchlichen Strukturen. Durch den Wegfall der rechtlichen Beschränkungen entstanden schnell eine Reihe von Ordensniederlassungen.

Insbesondere die Schwesterngemeinschaften spannten in dieser Zeit ein dichtes Netz von sozialen und karitativen Einrichtungen im ganzen Bistum. Unterstützt wurden sie von Bischof Johann Georg Müller (1847-1870). Parallel entstanden eine Reihe von Vereinen und Verbänden, die sich ebenfalls religiösen, karitativen und sozialen Aufgaben widmeten.

Selbstbewusste Entwicklung der Katholiken

Doch 1871 wurde diese selbstbewusste Entwicklung der Katholiken im Bistum Münster durch den Kulturkampf hart auf die Probe gestellt. Reichskanzler Bismarck machte die Selbstständigkeit der Kirche zum größten Teil wieder rückgängig - staatliche Kontrolle war wieder an der Tagesordnung. Die Katholiken im Bistum Münster reagierten darauf jedoch mehr trotzig als eingeschüchtert. Der Widerstand gegen die Regierung wuchs.

Inhaftierter Bischof

Auch Bischof Johann Bernhard (1870-1889) ignorierte die preußischen Verordnungen und wurde deshalb im März 1875 von preußischen Soldaten in Warendorf inhaftiert. Nach 40 Tagen Haft ging er ins Exil in die Niederlande. Die Regierung versuchte mit immer härteren Mitteln gegen die Kirche im Bistum anzugehen. 1881 waren 123 von 325 Pfarreien im rheinisch-westfälischen Teil nicht mehr besetzt.

Passiver Widerstand

Katholische Beamte wurden aus dem Dienst entfernt. Doch die Katholiken im Bistum setzten ihren passiven Widerstand fort. 1884 schließlich sah Bismarck ein, dass er gegen diese Volksopposition keine Mittel besaß und baute die Kulturkampf-Gesetze nach und nach ab. Bischof Bernhard kam 1884 zurück nach Münster, wo ihm ein triumphaler Empfang bereitet wurde.

Dieses Selbstbewusstsein aus dem Kulturkampf gab den Katholiken im Bistum Münster einen Zusammenhalt, der lange vorhielt. Das Gefühl, eine benachteiligte katholische Minderheit im Deutschen Reich zu sein, machte die Katholiken zu einer geschlossenen Einheit in der Gesellschaft - in Parteien, Verbänden, Vereinen und fast allen Lebensbereichen.

Bollwerk des Katholizismus

Das Bistum Münster hatte nun endgültig den Ruf, ein Bollwerk des Katholizismus zu sein. Ludwig Windthorst erklärte 1885 auf dem Katholikentag in Münster: "Ich kenne keinen schwärzeren Fleck Erde als das Münsterland."

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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
Mai 2002

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