
- Treibende Kraft der katholischen Aufklärung in Münster: Franz Freiherr von Fürstenberg.
Franz von Fürstenberg und der "Kreis von Münster"
Das Bistum zur Zeit der Aufklärung
Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Gedanken der Aufklärung auch in Deutschland zur bestimmenden Strömung. Die Menschen verlangten jetzt nach Klarheit und Nützlichkeit ihres Denkens für das alltägliche Leben.
Naturwissenschaftliche Erkenntnisse, philosophisches Umdenken und der Menschen als treibende Kraft seines Handelns bewirkten eine kritische Grundhaltung gegenüber Traditionen und Autoritäten. Das bedeutete auch für die Kirche ein Umdenken.
Glauben mit Tendenzen der Zeit in Einklang bringen
Die katholische Aufklärung, wie auch die weitere Entwicklung zur christlichen Romantik versuchten, den Glauben mit den Tendenzen dieser Zeit in Einklang zu bringen. Etwa 1770 formierte sich um Franz von Fürstenberg und die Fürstin Amalie von Gallitzin der "Kreis von Münster", der auch "Gallitzin-Kreis" genannt wird.
Dort trafen sich Männer aus dem Adel sowie dem weltlichen und geistlichen Bürgertum. Ihr Ziel war es, Anschluss zu finden an die geistige Entwicklung im übrigen Deutschland.
Die christlichen Wurzeln blieben ihnen aber dabei wichtig. Sie suchten nach der Synthese ihres Glaubens mit den neuen philosophisch-pädagogischen Strömungen der Zeit. In den Vorstellungen des "Kreises von Münster" bildeten traditioneller Katholizismus, aufgeklärter Weltverbesserungsgeist und frühromantische Sensibilität eine einzigartige Verbindung.
Der große Vorteil dieser Synthese war, dass es in dieser Zeit in Münster zu keiner starken Polarisierung zwischen Religion und Aufklärung kam. Dialog, Öffnung und politische, persönliche sowie religiöse Toleranz waren die Ideen des Kreises.
Neue Ideen für das Schulwesen
Treibende Kraft des Kreises war Franz Freiherr von Fürstenberg (1729-1810). Er saß im Domkapitel von Münster und Paderborn und übernahm 1763 das Ministeramt, das er nach 17 Jahren wieder abtreten musste. Er behielt jedoch das Amt als Generalvikar und die Direktion des Schulwesens.
In der Zeit nach dem siebenjährigen Krieg engagierte er sich stark im Wiederaufbau der Stadt, schuf neue Verwaltungsstrukturen und führte eine Reform des Gesundheitswesens durch. Der Ausbau des Bibliotheks-, Druckerei- und Verlagswesens war ebenso ein Verdienst von Fürstenberg.
Gründung der Universität
Als Mitglied des "Kreises von Münster" galt sein erstes Interesse aber dem Bildungswesen. 1776 erschienen seine Schulordnung, eine Philosophie der Erziehung sowie ein Plan für einzelne Fächer.
Diese Schulordnung machte ihn in ganz Deutschland bekannt. Zudem bemühte er sich um die Ausbildung der Lehrer. Seine herausragenden Werke waren die Gründung der Universität (1780) und des Priesterseminars (1776).
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Text: Michael Bönte | Foto: Michael Bönte
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