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21.10.2017
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Bischof Hermann Dingelstad.
Während der Amtszeit von Bischof Dingelstad wuchs das Bistum Münster von 850.000 auf 1,4 Millionen Katholiken.

Die münsterschen Bischöfe im 20. Jahrhundert

1889 bis 1911: Bischof Hermann Dingelstad

Es war eine Überraschung, als das Domkapitel am 15. August 1889 Hermann Dingelstad zum Bischof von Münster wählte. Der 54-jährige Lehrer für Deutsch, Französisch, Griechisch,  Hebräisch und Mathematik war nämlich nicht Mitglied des Domkapitels.

Nach seiner Priesterweihe 1859 hatte er zunächst zum "Dr. phil." promoviert. Danach arbeitete der 1835 geborene Niederrheiner an der "Bischöflichen Lehranstalt" Gaesdonck bei Goch. Infolge des von Bismarck angezettelten Kulturkampfs gegen die katholische Kirche und der damit verbundenen Schließung des Gymnasiums, wechselte er 1876 ins Oldenburger Land, wo er in Vechta am Antonianum unterrichtete. Oberlehrer Dingelstad wurde als "tüchtige Lehrkraft von großer Sprachkenntnis" eingeschätzt.

Das Ende des 19. und der Beginn des 20. Jahrhunderts war im Bistum Münster geprägt von großen sozialen Veränderungen. Bergbau und Eisenindustrie wanderten vom Ruhrgebiet nordwärts, die Textilindustrie in weiten Teilen des Münsterlandes blühte auf. Die Diözese wuchs innerhalb von 20 Jahren von 850.000 auf 1,4 Millionen Katholiken. Die Zahl der Seelsorger konnte nicht damit Schritt halten.

Papst Leo XIII. hatte die deutschen Bischöfe aufgefordert, sich der sozialen Frage zu stellen. Bischof Hermann drängte die Geistlichen, vor dem Vordringen sozialistischer Ideen zu warnen und über ihre Ziele aufzuklären. Papst und Bischöfe wiesen aber schon damals auch auf einen Grundsatz hin, der heute allgemein akzeptiert ist: Eigentum verpflichtet. Dingelstad beließ es nicht bei Appellen. Die noch heute in Münster wohltätige Bischof-Hermann-Stiftung hat ihren Ursprung in einer Zuwendung des Oberhirten. Überdies förderte er maßgeblich das katholische Vereinswesen.

Beherrschendes Thema seiner Hirtenbriefe war die heilige Eucharistie. 1891 verkündete er den Diözesanen, er beabsichtige die "Ewige Anbetung" für das Bistum Münster einzuführen, so wie es in den Nachbardiözesen schon länger praktiziert wurde. Das Vorhaben wurde bei Gläubigen und Klerikern begeistert aufgenommen. Ein Kalendarium legte fest, dass ununterbrochen in den einzelnen Kirchen des Bistums die eucharistische Anbetung gepflegt wurde; nachts übernahmen dies Ordensgemeinschaften.

Groß gefeiert wurde während der Amtszeit Dingelstads das 250-jährige Jubiläum der Kevelaerer Wallfahrt, deren Höhepunkt die Krönung des kleinen Marienbilds durch Bischof Hermann war.

Kirchenpolitisch gehörte Dingelstad den "Ultramontanisten" an, die Wert auf die enge Bindung an Rom legten. Dies wurde vor allem deutlich bei der Errichtung der seit 1902 staatlichen Universität in Münster. Streitpunkt war vor allem das Berufungsrecht der Professoren für katholische Theologie; dem Bischof blieb nur ein Einspruchsrecht. Vorherrschend war die "Furcht vor einer modernistischen Infiltration der Theologie", wie der münstersche Kirchenhistoriker Alois Schröer schrieb.

Dingelstad leitete den Seligsprechungsprozess für Anna Katharina Emmerick ein, er gründete 53 neue Pfarreien, 130 Kirchen wurden erbaut oder erweitert und viele karitative Einrichtungen ins Leben gerufen. Auf seinen Visitations- und Firmreisen "erlebte der Bischof beglückend die Glaubenstreue des Kirchenvolks", wie Schröer erläuterte.

Dingelstad, der 1911 starb, schrieb einmal: "Es hat mich oft in tiefster Seele ergriffen, wenn einhellig, tausendstimmig, aus treuen Herzen das Gelöbnis durch die weiten Hallen der Kirchen erklang: 'Fest soll mein Taufbund immer stehen, ich will die Kirche hören: nie will ich von ihr weichen', so ist dann meiner Seele erklungen 'Gott Dank!' der Glaube ist in unserem Volke noch nicht erstorben."

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Text: Norbert Göckener | Foto: Archiv
März 2009

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