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Seite: Bistumshandbuch  >  B  >  Bistumshandbuch: Bistumsgeschichte: Weimarer Republik und Nazi-Herrschaft
25.05.2012
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Kardinal Graf von Galen
Kardinal von Galen ist durch seinen Widerstand in der Nazi-Zeit als "Löwe von Münster" bekannt geworden.

Volksopposition und Selbstbewusstsein

Weimarer Republik und Nazi-Herrschaft

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie 1918 bedeuteten die neuen demokratischen Verhältnisse der Weimarer Republik auch für die Christen im Bistum eine neue Herausforderung.

Mit ihren Interessen waren sie eingebunden in den Kampf der Parteien. Sie sahen in der Zentrumspartei den wichtigsten Verbündeten gegen die zum Teil religionsfeindlichen Bestrebungen nationalistischer oder sozialistischer Parteien.

"Modernes Heidentum"

"Wir leben (…) in einem religiös und politisch zerissenen Land, in sturmbewegter Zeit", mahnte Bischof Johannes Poggenburg (1913-1933). "…modernes Heidentum breitet sich immer mehr aus. Wir beklagen heute mancherorts eine große Glaubensgleichgültigkeit (…), wir beklagen den religiösen und sittlichen Niedergang in weiten Schichten des Volkes."

Im westfälischen, niederrheinischen und besonders im oldenburgischen Teil des Bistums erzielten die Nationalsozialisten auch bei ihrem Wahlsieg 1933 noch ihre schlechtesten Wahlergebnisse im Deutschen Reich. Hier war die Zentrumspartei die stärkste politische Kraft.

Graf von Galen wird Bischof von Münster

Die neuen Machthaber der NSDAP propagierten zunächst eine Verständigung mit dem katholischen Glauben. Sie nahmen an Prozessionen im Bistum teil und waren bei der Inthronisierung von Bischof Clemens August Graf von Galen (1933-1946) anwesend.

Doch schon bald war die Unvereinbarkeit der nationalsozialistischen Propaganda mit den Grundwerten des christlichen Glaubens nicht mehr zu übersehen. Bischof von Galen bezog 1934 in einem Hirtenbrief deutlich Stellung gegen Rassismus, Antisemitismus und Gewalt.

Einschüchterungen und Verfolgungen von Katholiken

Die NS-Regierung hingegen drängte die Möglichkeiten der Katholiken immer weiter zurück. Versammlungen wurden verboten, katholische Schulen aufgehoben, Vereine aufgelöst. Einschüchterungen und Verfolgungen von Katholiken waren an der Tagesordnung.

Die Katholiken im Bistum reagierten mit einem Widerstand, der sich vor allem in der Teilnahme an den großen Prozessionen widerspiegelte. Sie wurden zu Demonstrationen des katholischen Selbstbewusstseins. In Vereinen und Verbänden führte man die Tätigkeiten im Geheimen weiter.

Oldenburger Kreuzkampf

Höhepunkt dieser Volksopposition im Bistum Münster war der so genannte Oldenburger Kreuzkampf 1936, nachdem die dortige Landesregierung die Entfernung der Kreuze aus den Schulen angeordnet hatte. Die katholische Bevölkerung im Offizialatsbezirk Oldenburg stellte sich vehement gegen diesen Erlass. Proteste, Androhungen, aus der NSDAP auszutreten und Boykotts des nationalsozialistischen Gemeinschaftslebens führten schließlich zur Zurücknahme des Beschlusses.

Doch das Gemeinschaftsleben und somit auch die Opposition der Katholiken wurden immer weiter zurückgedrängt, bis sie nur noch in der Kirche und Sakristei stattfinden konnten. Bischof Clemens August von Galen stellte sich weiter an die Spitze dieses Widerstands. Seine häufigen Beschwerden über das Regime und die Ideologie der Nationalsozialisten gingen bis zu Adolf Hitler.

Protest gegen die Unterdrückung der Kirche

In Hirtenbriefen und Predigten verteidigte er den Glauben und lehnte sich gegen die Unterdrückung der Kirche auf. 1941 kam es zu den berühmten Predigten des Bischofs gegen den Gestapo-Terror und die so genannte Euthanasie. Die Popularität des Bischofs zeigte sich auf den zahlreichen Firmreisen, die er im Bistum unternahm. Sie wurden immer von einer großen Zahl von Radfahrern und Reitern begleitet.

Zudem gab es eine Reihe von Geistlichen, die sich unter Einsatz ihres Lebens gegen die Propaganda der Nationalsozialisten stellten. Ein Beispiel war der Franziskanerbruder Pater Elpidius Markötter aus Südlohn, der sich 1940 in einer Predigt in Warendorf zur Nächstenliebe auch gegenüber den jüdischen Mitbürgern aussprach. Er kam in das Konzentrationslager Dachau, wo er 1942 starb.

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Text: Michael Bönte | Foto: Archiv
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