
Ökumenische Mutprobe: sechs katholische und evangelische Gemeinden im Südosten von Münster haben ein Brevier für die Fastenzeit angelegt.
Ökumenische Passionszeit im Südosten Münsters
"Mut tut gut"
Münster. Im Südosten Münsters begehen vier katholische und zwei evangelische Gemeinden die Passionszeit ökumenisch. Dazu haben Gemeindemitglieder ein Fastenbrevier erstellt.
Eigentlich ist das recht nahe liegend, denn Katholiken und Protestanten bereiten sich auf dieselbe Karwoche und dasselbe Osterfest vor. Dass sie es über sechs Gemeindegrenzen hinweg gemeinsam tun, zeigt aber doch Mut. Und: "Mut tut gut!" Dies ist auch das Motto für die ökumenische Passionszeit in den Gemeinden St. Agatha, St. Bernhard, St. Ida, in St. Nikolaus, der Evangelischen Friedenskirchen-Gemeinde und der Evangelischen Kirchengemeinde Wolbeck.
Leitfaden durch die gemeinsam gestalteten Wochen ist ein Fastenbrevier, das sechs Farben des Regenbogens zeigt. Sie waren auch schon Leitmotiv für einen Ökumenischen Kirchentag von vier der sechs Gemeinden im Südosten Münsters im vergangenen Jahr. Aber erst in diesem Jahr ist der Regenbogen sozusagen vollständig, weil seine Farben alle sechs Kirchengemeinden aus dem Südosten Münsters repräsentieren.
850 Exemplare des Fastenbreviers sind gedruckt worden und liegen in den Gemeinden aus - als Anregung für den eigenen Mut, als Ermutigung im Alltag und als handgreifliches Ergebnis einer ökumenischen Mutprobe. Für jeden Sonntag gibt es eine Bibelstelle aus einer jeweils anderen Bibelübersetzung, die auch Grundlage für die Predigten in den sechs Gemeinden ist. Auf dem Programm stehen zum Beispiel Vortragsabende, aber auch ökumenische Gottesdienste wie Spätschichten, Taizé-Andachten und ein gemeinsamer Kreuzweg.
Für jede Fastenwoche wird im Fastenbrevier, das auch im Internet gelesen werden kann, ein Aspekt des Themas aufgenommen und wiederum an jedem Tag vertieft. Junge und alte Menschen, Frauen und Männer aus den Gemeinden stellen ihre Gedanken zu Stichworten wie Mutprobe(n), Zivilcourage, Lebensmut, Mut zur Trennung, Mut zur Ökumene und Mut zum Glauben vor: Mut, das ist, wenn man Angst hat, vor allen Leuten im Gottesdienst einen Text vorzulesen, es dann aber doch tut. Mutig ist man, wenn man Mutproben verweigert, auch wenn man sich dadurch aus einer Gruppe ausschließt: "In diesem Fall hat man die falschen Freunde erwischt", meinen eine Zwölfjährige und ein Zehnjähriger.
Lebensaufgabe
Mut zur Trennung, das heißt auch, sich mit dem Tod von lieben Menschen auseinander zu setzen, berichtet ein 70-Jähriger. Mut zur Ökumene ruft Erinnerungen wach an Zeiten, in denen Ökumene verpönt war. - "Mut tut gut!", auf allen Seiten. In diesem Sinn zitieren Marita Nover, die Presbyteriumsvorsitzende der Evangelischen Kirchengemeinde Wolbeck, und St. Agathas Pfarrer Johannes Werges im Vorwort des Fastenbreviers auch den Theologen Zwingli: "Lasst uns um Gottes Willen etwas Mutiges tun!" Mut tut gut und ist hier nicht einfach nur Programm, sondern auch Lebensaufgabe.
Die ökumenische Zusammenarbeit ist in den sechs Gemeinden nichts Neues. "Das hat Tradition", erinnert sich Pfarrer Klaus Wirth aus St. Bernhard, der selbst seit langem maßgeblich am ökumenischen Austausch beteiligt ist. Wilfried Renk, Pastoralreferent der St.-Bernhard-Gemeinde und für das Layout des Fastenbreviers verantwortlich, bestätigt dies. Das, was in diesen Jahren alles erreicht werden konnte, begeistert Renk: "Das Beeindruckendste ist für mich, mit welch großer Gelassenheit wir hier mittlerweile miteinander umgehen." Er spricht von den Erfahrungen im ökumenischen Zusammenleben, "bei dem sich aus dem Geist Ideen und Kreativitäten entwickeln, die alle staunen lassen. Das ist überwältigend".
Mehrere Mitglieder jeder Gemeinde hatten sich schon im Spätsommer des vergangenen Jahrs getroffen, um die ökumenische Passionszeit 2009 vorzubereiten. Mit dabei war auch Ulla Grevenbrock aus der Gemeinde St. Ida. Auch sie ist begeistert von der Planung, der Zusammenarbeit und besonders vom gemeinsamen Eröffnungsgottesdienst zu Beginn der Fastenzeit. Da gab es Stationen, um mit allen Sinnen Glauben erfahren zu können in Bildern, Gerüchen und Gesten, im Tasten und Schmecken, erzählt sie. "Das war richtig toll."
Der Tagesimpuls des Fastenbreviers der sechs Gemeinden ist zum Beispiel über den Internet-Auftritt der Kirchengemeinde St. Agatha unter www.st-agatha.de abrufbar. Das Fastenbrevier liegt in den Kirchen zum Preis von 1,50 Euro aus.
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Text und Foto: Claudia Maria Korsmeier in
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