
Das farbenfrohe, aber durch seine Aussage nachdenklich machende Bild hat der nigerianische Künstler geschaffen.
Tony Nwachukwu aus Nigeria war zu Gast in der Region
Sorgsam mit dem Rohstoff Erdöl umgehen
Recklinghausen. Wie die Bewahrung der Schöpfung und der Exodus zusammenpassen, darüber sprach der Nigerianer Tony Nwachukwu, Maler des diesjährigen Misereor-Hungertuchs.
Der Exodus auf der einen Seite und dagegengestellt die Bewahrung der Schöpfung, das ist der Tenor des von Tony Nwachukwu geschaffenen Hungertuchs für das Hilfswerk Misereor. "Im Mai 2008 war ich für einige Wochen in Aachen, um im Auftrag von Misereor das Hungertuch für die Fastenaktion 2009 zu malen", erzählt der aus dem Süden Nigerias stammende Künstler. Dort lebt er immer noch, mit seiner Frau und seinen vier Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren.
Der 50-Jährige ist für Misereor auf einer Rundreise durch Deutschland. Er will den Menschen die Aussage seines Kunstwerks näher bringen. Am vergangenen Wochenende machte er dies bei einem Gottesdienst in der Propsteikirche St. Peter in Recklinghausen. Im Altarraum hängt das farbenfrohe, aber nachdenklich stimmende Hungertuch. Menschen sind darauf zu sehen, sieben an der Zahl. Sechs davon in einer scheinbar friedlichen Welt. Grün ist es um sie herum, Tiere und Pflanzen leben in Harmonie mit dem Menschen.
Doch ganz anders auf der linken Seite des rund fünf Quadratmeter großen Tuchs. Zerstörung beherrscht die Szene, ein Kind treibt auf einem Giftfass durch eine Kloake. Fabriken stoßen ihren giftigen Rauch in die Umwelt. Der Künstler hat eine apokalyptische Landschaft geschaffen. "Damit will ich auf die rücksichtslose Zerstörung der Umwelt in meiner Heimat und in der ganzen Welt aufmerksam machen", erläutert er sein Werk.
Die Liebe zur Kunst und zur Umwelt entdeckte Nwachukwu bereits in der Schule. Ein Kunststudium schloss sich an. Dann wurde er Kunstlehrer an einer Schule, bis er schließlich den Schritt in die freischaffende Kunst wagte. Nach einer Vernissage mit seinen Werken in Neckarsulm wurde Misereor auf ihn aufmerksam. Alle zwei Jahre wird das Hungertuch von einem anderen Künstler gestaltet. Erst am Vormittag war Nwachukwu in Recklinghausen angekommen. "Von der Stadt habe ich noch nicht viel gesehen", erzählt er. Nur das schöne Rathaus war ihm aufgefallen.
In der Vorabendmesse in St. Peter wurden Künstler und Werk den Gläubigen vorgestellt. Bei der Gabenbereitung brachte Tony Nwachukwu einen Ölkanister als Sinnbild für die Energieverschwendung und den täglichen Verschmutzungswahnsinn an den Altar. "Das Öl wird weniger. Ersatz durch nachwachsende Energien aus Soja und Palmöl gefährdet die Ernährungssicherheit der Armen. Deshalb müssen wir überlegen, wie wir sorgsam und sparsam mit dem Rohstoff Erdöl umgehen", fordert er in seinem Gabentext. Im Anschluss an die Messe nutzten viele Gäste beim Empfang im Petrushaus die Gelegenheit, mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen. Am nächsten Tag begleitete Tony Nwachukwu einen Gottesdienst mit Pfarrer Clemens-August Holtermann in der Kirchengemeinde St. Peter und Paul, bevor es dann mit dem Zug weiter nach Aachen ging.
Am 15. März hat er den ersten Teil der Misereor-Aktion 2009 hinter sich gebracht. "Einen Tag später geht die Reise zurück in meine Heimat Nigeria", freut sich der Künstler. Dann kann er seine Kinder wieder in die Arme schließen und seinen Appell gegen Naturzerstörung und für eine lebensfreundliche Umwelt weiter auf die Leinwand bringen.
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Text: Dirk Bauer | Foto: Dirk Bauer in
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