
Die KFD-Frauen Gitti Wermuth, Marga Stasik, Margitta Kielhorn und Manuela Kühnen (v.l.) bereiteten die Fastenaktion vor.
Schokoladen-Fastenaktion der KFD-Frauen
Fasten bedeutet, einen Vertrag mit Gott zu schließen
Neukirchen-Vluyn. Die dampfenden Kartoffeln mit Kräuterquark finden reißenden Absatz im Neukirchener Pfarrheim St. Quirinus. Das Team der katholischen Frauengemeinschaft hat wieder ganze Arbeit geleistet. 15 Kilo Kartoffeln und zehn Pfund Quark wurden vorbereitet: der Auftakt zur Fastenzeit ist für viele in der Gemeinde bereits eine "liebgewordene Tradition".
Bereits zum sechsten Mal setzt die Pfarrgemeinde St. Quirinus Akzente, wie Christen die Fastenzeit begehen können. In diesem Jahr ist es die Schokolade, auf die das Augenmerk fiel; ein generationenübergreifendes Produkt. "Schokoladenfasten - festlich und solidarisch" lautet 40 Tage lang die Devise in Neukirchen-Vluyn. Das Ökumenische Forum hat sich für diesen Verzicht ausgesprochen. Zwei Fliegen will man mit diesem Motto schlagen: einerseits auf Schokolade verzichten und andererseits auf Produkte aus Fairem Handel aufmerksam machen, um das eigene Kaufverhalten kritisch zu hinterfragen.
Sechs Wochen lang ohne Schokolade können hart werden. Eine Erfahrung, die Einzelne jetzt machen werden. Die Konfirmandengruppe weiß dank ihrer Recherche für die laufende ökumenische Fastenaktion, wo überall die schokoladige Versuchung im Alltag versteckt ist. Deutschland und Amerika liegen im Verbrauch an der Spitze. Verzicht kann also zur persönlichen Herausforderung werden. "Wer fastet, der lässt sich nicht manipulieren. Der lebt und denkt nach vor Gott", sagt der evangelische Pfarrer Helmut Keiner. Fasten ist für ihn eine geistliche Übung, die ermahnt: "Du hast einen Vertrag mit dir und Gott gemacht. Du darfst dich nicht treiben lassen."
Sich nicht treiben lassen, stark sein gegen die Verlockung der Zeit wie zum Beispiel Computer oder Fernseher will die zehnjährige Janne Holtermann aus Moers. Sie nimmt bewusst zum ersten Mal an dieser Fastenaktion teil. Ihre Mutter Annette hat bereits Erfahrung. "Fastenzeit bedeutet für mich, am Tag innehalten zu können, etwas nicht zu tun und meine Gedanken freizubekommen. Ich lasse mich in diesem Jahr bewusst darauf ein und hoffe, dass ich es schaffe. Der berühmte Griff nach der Schokolade ist ja beinahe automatisch", meint die Moerserin. Fasten hat für sie auch mit Bestätigung zu tun, mit persönlichem Erfolg, den sie auskosten will.
Versuchung im Alltag
Das Motto "Schokoladenfasten" sei gut gewählt, denkt auch Markus Mönter. Der 35-Jährige beteiligt sich regelmäßig an den Fastenaktionen. "Ich möchte die Fastenzeit nutzen und mich auf den Weg machen, mich neu zu orientieren." Die Gespräche bei Pellkartoffeln und Quark drehen sich buchstäblich um Gott und die Welt. Pastoralreferent Martin Wichern empfindet die Fastenzeit als heilsame Unterbrechung des normalen Alltags. "Ich bin offen für neue Impulse und neue Gedanken." Er ist ein Freund des Heilfastens. "Das lässt sich am besten in einer Gruppe machen." Aber anders als im Ramadan "kennt der Christ keine gemeinsamen verbindenden Fastenrituale", sagt Wichern. Er weiß jedoch: "Gemeinsames Fasten macht solidarisch mit anderen."
Die Gedanken sortieren, sich stärker um das eigene religiöse Leben kümmern und sich gleichzeitig auf andere Menschen und ihre bescheidenen Lebensverhältnisse besinnen, mehr in der Bibel lesen und sich mit dem Wort Gottes neu ausrichten - die Gespräche kreisen um die Erfahrungen aus vergangenen Fastenzeiten. Die spirituelle Komponente ist stark vertreten. Theo Jablonski vertritt einen weiteren Aspekt beim Schokoladenfasten: die Solidarität mit den Kakaobauern und ihren fair gehandelten Produkten. "Ich erlebe ein spirituelles wie körperliches Wohlbefinden, das bei mir zu einer Leistungssteigerung führt", freut sich der Neukirchener.
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Text: Sabine Hannemann | Foto: Sabine Hannemann in
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