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08.12.2016
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Ostergarten.

Im Ostergarten wölbt sich ein Regenbogen über einem steinernen Kreuz. Damit soll die Verbindung zwischen Altem und Neuem Testament versinnbildlicht werden.

Ostergarten in Schöppingen öffnet am Sonntag

Ein anderer Blick auf die Passion

Schöppingen. "Ostergarten? Muss man sich da wetterfest anziehen?" Mit neugieriger Skepsis machten im vergangenen Jahr Mitglieder der Kirchengemeinde St. Brictius in Schöppingen einen Ausflug nach Sendenhorst. Was sie dort sahen, hat sie berührt. "Sie haben schnell erkannt, dass unser Ostergarten eine neue Begegnung mit dem Glauben bietet", sagt Eva Maria Jansen. Die Sendenhorster Pastoralreferentin hat den Ostergarten vier Mal in ihrer Kirchengemeinde St. Martinus und Ludgerus aufgebaut, nachdem sie 2009 dazu das Konzept entwickelt hatte. Nach dem letzten Sendenhorster Ostergarten entschloss man sich in Schöppingen, die engagierte Pastoralreferentin um das gesamte Material zu bitten. "Damit wird in diesem Jahr der Ostergarten in Schöppingen ausgestattet sein", sagt Jansen.

"Die Kar- und Ostertage sind Dreh- und Angelpunkte unseres Glaubens", sagt der Schöppinger Pfarrer Thomas Diedershagen angesichts der vielfältigen Botschaften, die in der Ausstellung zu sehen sind. Im Ostergarten würden die biblischen Ereignisse ins Heute übertragen.

Die Besucher durchleben bei einem interaktiven Rundgang die Leidensgeschichte Jesu. Sie spüren den Zweifel und die Angst, die Trauer am Kreuz, aber auch das Licht, die Wärme und die Freude an der Auferstehung. "Das Wort soll nicht nur in den Kopf, sondern ins Herz dringen", wünscht sich Diedershagen, der früher in Sendenhorst Kaplan war. Die Darstellungen könnten ganz unterschiedliche Gefühle auslösen und darüber Inhalte des Glaubens vermitteln.

"Obwohl Materialien und Ausstattung aus Sendenhorst stammen, erstellen wir keine Kopie", betont der Pfarrer. Ähnlich wie in Sendenhorst will sich die Kirchengemeinde St. Brictius in den nächsten Jahren am Evangelium orientieren. "Wir fangen mit Matthäus an", erklärt Diedershagen. In den Mittelpunkt rücke das Thema "Barmherzigkeit" – passend zum Heiligen Jahr, das Papst Franziskus ausgerufen hat.

Für das Projekt "Ostergarten" sind viele ehrenamtliche Helfer im Einsatz: "Schön ist, dass Junge und Alte mitmachen und auch manche, die sich sonst weniger in der Pfarrei engagieren", lobt der Pfarrer. In Kooperation mit der Sekundarschule Schöppingen wurde ein Konzept entwickelt, das den Ostergarten prägen soll.

Mit allen Sinnen

Ähnlich war es zuvor auch bei den vier Ostergärten in Sendenhorst gewesen, bei denen über 365 ehrenamtliche Helfer im Einsatz waren. "Neben der aktiven Phase braucht die Vorbereitung ein ganzes Jahr", weiß Eva Maria Jansen. In der Ausstellung selbst hätten 60 Personen – Frauen oder Jugendliche – die Führungen übernommen. "Diese Begleitung ist wichtig, damit alle Generationen an die österlichen Geschehnisse herangeführt werden können", sagt die Pastoralreferentin. "Besonders Kinder sollen im Ostergarten in eine andere Welt eintauchen können", sagt die Initiatorin. Dies wünsche sie sich auch für den Ostergarten in Schöppingen. Heute seien Geschichten vom Osterhasen für viele Mädchen und Jungen leichter zu verstehen als der Leidensweg Jesu und seine Auferstehung. "In diesem Projekt erfahren die Kinder mit allen Sinnen, warum wir Ostern feiern", betont Jansen.

So erlebten Kommunionkinder im vergangenen Jahr in Sendenhorst in einem dunklen Raum den Ausruf "Jesus Christus, König der Juden!" in verschiedenen Sprachen. Sie erfuhren, dass Jesus auf seinem Leidensweg von den römischen Soldaten verhöhnt wurde. Später sahen sie ein großes Kreuz. "Als Jesus starb, war es plötzlich mitten am Tag dunkel, und die Erde wackelte", erklärt die 20-jährige Pia, die durch den Ostergarten führt. "Ich gebe meinen Glauben gern an jüngere Kinder weiter", sagt sie zu ihrer Entscheidung, sich als Führerin zur Verfügung zu stellen. "Hier bekommt man Antworten auf eine Menge Fragen, die sich um die Ostergeschichte ranken", sagt die 16-jährige Alyssa, die ebenfalls im Sendenhorster Team engagiert war und sich über die Begeisterung junger Teilnehmer an einer Führung freut.

Passionsgeschichte aktualisieren

Einen Grund für die Begeisterung vermutet Eva Maria Jansen darin, dass ihr Team die Passionsgeschichte nicht nur abbildet, sondern aktualisiert. In einem Raum etwa strahlen die Besucher fünf Vorbilder an: Mutter Teresa, Edith Stein, Dietrich Bonhoeffer, Ruth Pfau und Christoph Metzelder. Der Fußballstar war früher Messdiener und engagiert sich heute mit einer eigenen Stiftung für soziale Projekte. Die Nachfolge Christi wird im Ostergarten wörtlich genommen. Das erlebt auch der Besucher, wenn er an der langen Tafel im Raum des Abendmahls sitzt. Auf dem Tisch stehen Salzwasser und Bitterkräuter – symbolisch für vergossene Tränen und bittere Zeiten. Manches entdeckt man erst auf den zweiten Blick, denn nur ein Drittel der Pascha-Tafel ist hell erleuchtet. "Dort stehen Brot und Wein", erklärt Jansen,  "sie erinnern daran, was wir in jeder Messe feiern."

Wer sich auf diese besondere Form der Auseinandersetzung einlässt, braucht keinerlei Vorwissen. "In den Ostergarten wird man hineingezogen, da ist Begegnung mit Gott möglich", ist Pastoralreferentin Eva Maria Jansen überzeugt. Für manchen Besucher mag diese Erfahrung ganz am Ende stehen – im eigentlichen Garten unter dem Regenbogen, in dem sogar Vogelstimmen vom Band zwitschern.

Viele Menschen sprechen die Begleiter auf den düsteren Ausstellungs-Teil an: den dunklen Gang, den jeder allein durchschreitet. Lästereien, über Lautsprecher eingespielt, lassen die Besucher zusammenfahren; zusätzlich hängen Sprechblasen mit Mobbing-Sprüchen an der Wand, beleuchtet von Schwarzlicht. "Diejenigen, die Jesus verspottet haben, gehörten zur Tempelwache – es waren jene, die eigentlich für Ordnung sorgen sollten", sagt Eva Maria Jansen.

Machtmissbrauch komme vielen Menschen aus Mobbing-Situationen bekannt vor. Bekanntes aufzugreifen, gehört ebenso zum Erfolgsrezept des Ostergartens wie das Erklären. Unmittelbares Erleben geht einher mit Impulsen, die nachdenklich machen. Eine sorgfältig durchdachte biblische Darstellung der Passion Jesu mit Materialien aus der Natur und Gegenständen der Alltagswelt wurde im Ostergarten umgesetzt. Durch Sehen und Wahrnehmen der Szenen, durch ergreifende Texte und meditative Musik sowie durch behutsame Führungen gestaltet sich der Ostergarten für Besucher zu einem religiösen Erleben in den Tagen vor Ostern. Auch weil die Ereignisse von vor 2000 Jahren nicht nacherzählt, sondern mit modernen künstlerischen Mitteln interpretiert werden – ab Sonntag (13.03.2016) in der Gemeinde St. Brictius in Schöppingen.

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Text: Norbert Ortmanns, pd | Fotos: Norbert Ortmanns in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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