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30.05.2016
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"Geschenk" eines Lesers.

Niveaulos: "Geschenk" eines Lesers für die Kirche+Leben-Chefredaktion.

"Lügenpresse"-Tasse als "Geschenk" eines Lesers

Hasskommentare fürs zu kleine Selbstwertgefühl

Bistum / Berlin. Ilse Junkermann tritt für ein offenes Land ein. Die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland wirbt dafür, dass wir Flüchtlinge willkommen heißen, Menschlichkeit zeigen. Per E-Mails wird sie dafür massiv beschimpft.

In einigen Mails spielen "sexuelle Drohungsfantasien" eine Rolle, beschreibt die Theologin zurückhaltend.  Dass sie "bei dem Aussehen" bestimmt "eine frigide Frau" sei, ist noch eine der harmlosen Beschimpfungen – die derberen sind nicht zitierfähig. Die verbale Verrohung der Sitten bekommt hier eine geschlechtsspezifische Variante – solche sexuellen Beleidigungen müssen sich Männer nicht anhören.

Junkermann lässt auch den beschimpfenden Schreiben eine Eingangsbestätigung zukommen, dabei wird nach der Postanschrift gefragt, damit die Bischöfin ausführlich reagieren könne. "Ein Prozent der Angeschriebenen gibt den vollen Namen und die Adresse", sagt Junkermann. Die meisten suchen also den Schutz der Anonymität.

Ob Beschimpfungen und verbale Entgleisungen insgesamt zugenommen haben, lässt sich auch für die Landesbischöfin schwer einschätzen. Sicher ist sie aber, dass bei Beleidigungen die Heftigkeit, die Schärfe stärker geworden ist. "Das perlt nicht so einfach ab", beschreibt die 58-Jährige ihre Reaktion.

Empathie als Reaktion auf Hass

Dieser Hass mache sie ratlos. Doch offenbar reagiert sie nicht mit Hass und Ablehnung, sondern mit Empathie: "Was muss ein Mensch erlebt haben, dass er sich so hässlich zeigt?" fragt sie.

Junkermann versucht, zwischen dem Menschen und seiner Tat zu unterscheiden. Schon im Denken – denn was sich in beleidigenden Worten zeigt, hat seinen Ursprung in Gedanken. Nicht immer einfach, von Menschen nicht schlecht zu denken. Besonders, wenn sie einem massive Beleidigungen entgegenschleudern.

Zwölf Jahre war Junkermann Personaldezernentin, hatte mit Menschen mit schweren Verfehlungen zu tun. "Ich habe immer versucht, den Respekt vor dem Menschen zu wahren." Also kritisch, vielleicht auch schlecht, verurteilend über die Taten denken und sprechen, aber den betroffenen Menschen respektieren. Eine "geistliche Disziplin" sei das, die man einüben müsse. Aber letztlich eine christliche Grundhaltung, die wohl in vielen Konflikten helfen könnte, verbal oder tatsächlich abzurüsten.

Geschlossene Gedankensysteme

Den anderen zu verteufeln, ihm seine Menschlichkeit abzusprechen – das habe es schon immer gegeben, sagt Junkermann. Heute geschieht das in sozialen Netzwerken und in E-Mails. Weil sich Menschen in geschlossenen Gedankensystemen bewegen, Informationen nur von ihresgleichen akzeptieren. Diese geschlossenen Systeme gelte es zu durchbrechen – etwa in Foren mitzudiskutieren, immer wieder einen ordentlichen Stil anzumahnen, sagt Junkermann. Und: "Demokratie ist anstrengend." Eine Botschaft, die ständig neu vermittelt werden müsse. Schwierig, wenn dagegen manche Meinungsführer und Politiker einfache Lösungen anbieten. Denn das schürt Polarisierung. Der Boden, auf dem Beschimpfungen und Aggressionen gedeihen.

Auch Kirche+Leben musste solche Erfahrungen machen. Kurz nach Weihnachten – es sah wie ein Geschenk aus – kam ein Päckchen für die Chefredaktion an. Ein bereits von anderen Zusendungen her bekannter Leser "beglückte" Kirche+Leben mit einer Tasse – darauf die unmissverständliche, derbe Aufforderung: "Lügenpresse – Halt die Fresse!"

Wir haben reagiert – mit diesem undefinedVIDEO.

Verrohen die Sitten?

Was passiert mit unserer Sprache? Verroht sie, verrohen die Sitten? "Es ist nicht die Sprache, es ist der Sprachgebrauch, der sich aktuell wandelt", sagt Heidrun Kämper, Wissenschaftlerin am Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. "Menschen mit fremdenfeindlichen Haltungen sind momentan eher bereit, diese in höchstem Maß aggressiv auszudrücken." Dazu trage auch die Stimmung in der Gesellschaft bei, Rechtspopulisten fühlten sich im Aufwand.

Das Phänomen ist aber nicht neu: Der deutsche "Wutbürger" wurde rund um den Streit um das Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" im Jahr 2010 entdeckt, in der Umweltbewegung der Siebzigerjahre, den 68er-Protesten oder noch weiter zurück in der Zeit der Weimarer Republik konnten Sprachwissenschaftler einen derberen Sprachgebrauch feststellen. "Es ist eine Wellenbewegung, mit der wir es in politisch brisanten Zeiten immer wieder zu tun haben", beschreibt Kämper das Phänomen.

"Verbale Gewalt kann eine Vorstufe für körperliche Gewalt sein", warnt sie. Sprachliche Gewalt sei ein Phänomen von Macht und Ohnmacht. Mit Hasskommentaren steigerten Menschen ihr Selbstwertgefühl, bekämpften ihre Ohnmacht, etwa in der Flüchtlingsdebatte, indem sie andere erniedrigen. "Am besten wäre es, die Menschen würden den ersten Satz unseres Grundgesetzes so verinnerlichen, dass wir ständig danach handeln und reden", sagt Kämper. Er lautet: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Auch sprachlich.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Flüchtlinge

Mehr zum Thema im Internet:

  1. undefinedUnsere Reaktion auf niveaulose "Geschenke"

Text: Kerstin Ostendorf, Ulrich Waschki, mn | Foto Michael Bönte
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