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01.07.2016
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Dakkshan Puvanenthiran.

Flüchtling geblieben, aber in Deutschland angekommen: Dakkshan Puvanenthiran als Lehrling an der Werkbank.

Dakkshan Puvanenthiran im Portrait

#Willkommen (7): Er ist in Deutschland angekommen

Beelen. Seine Geschichte ist nicht schnell erzählt. Allein die Eckdaten reichen für eine gute Stunde. Während er berichtet, muss Dakkshan Puvanenthiran nie lange nach Vokabeln suchen. Die Fragen versteht er ohne Probleme. Weiße Shorts, buntes T-Shirt, ein Brille mit blauen Rahmen – im Pfarrhaus von St. Johannes Baptist in Beelen sitzt der 21-Jährige, als hätte er schon als kleines Kind das Dorfleben im Ostwestfälischen genossen. Sein dunkle Hautfarbe und das typisch asiatische Nicken mit dem Kopf verraten, das dem nicht so ist.

Noch vor fünf Jahren war seine Welt eine andere: Iaffna, ein kleines Dorf in Sri Lanka. Der Vater war viel unterwegs. "Auf Montage", sagt Dakkshan. "Ich habe ihn nur selten gesehen." Das einfache Haus, in dem er mit seiner Mutter und den beiden kleineren Geschwistern wohnte, sei weit entfernt gewesen vom "Luxus" seiner jetzigen Bleibe. Die befindet sich über dem Besprechungszimmer im Pfarrhaus. Ein kleines Zimmer mit Bett, Schrank und Schreibtisch, die sanitären Anlagen im Flur gegenüber. "Luxus".

Einzige Chance

Und doch wäre er nie auf die Idee gekommen, seine Heimat zu verlassen. Seine Familie, das Basketball-Spielen mit den Freunden, die Dorfgemeinschaft. "Das alles war schön", sagt er. "Trotz des Bürgerkriegs, der damals tobte." Aber der Krieg rückte irgendwann nah an ihn heran. Er wurde  Zeuge eines Mordes. Das brachte ihn selbst in Lebensgefahr. Polizei und Justiz waren keine Hilfe. "Im Gegenteil", sag Dakkshan. "Da hingen zu viele mit drin." Seine einzige Chance war es, zu fliehen.

An dieser Stelle stockt seine Erzählung immer wieder. Nicht, weil er nach den passenden Worten sucht, sondern weil er schlucken muss. Es war die Zeit, in der seine Familie in einem Gefangenenlager verschwand. Er versteckte sich einen Monat in der Hauptstadt Colombo, bevor ihn ein Schlepper für 20.000 Euro mit dem Flugzeug nach Deutschland brachte. "Mein Großvater half mir – das Geld, was wir dafür liehen, zahlt meine Familie heute noch ab." Irgendwann im Oktober 2010 stand er dann am Flughafen in Frankfurt, ohne Geld, ohne Papiere, aber mit viel Angst.

Viel passiert

Was ist passiert, dass aus jenem frierenden 16-Jährigen, der zur Erstaufnahme nach Dortmund kam, der heutige junge Mann geworden ist? Der zwei Mal in der Woche zur Berufsschule nach Warendorf fährt. Der an den anderen Tagen den kurzen Weg zum Stahlbau-Unternehmen zu Fuß macht, um sich seinen Blaumann anzuziehen und zu flexen, zu konstruieren und zu montieren. Der mit seinen Kollegen im Kleinbus auf die Baustellen fährt, um am Abend müde vom Job ins Bett zu fallen.

"Viel ist passiert", sagt er nachdenklich. "Und vieles davon hatte ich mir vorher nicht vorstellen können." Vom Anfang in großer Traurigkeit, berichtet er. Von der damals täglichen Sehnsucht, wieder zurückzureisen. Von aufwühlenden Zeiten in dem Aufnahmelager bei Dortmund. Von einer völligen Überforderung von alldem, was auf ihn zukam.

Drei Wochen später kam er in Beelen an. Er konnte bei anderen Flüchtlingen aus Sri Lanka wohnen, auch ein Onkel war darunter. Und es kam zur Begegnung mit Elisabeth Wiengarten, die Integrations-Beauftragte im Kreis Beelen ist. "Als unbegleiteter Minderjähriger konnte ich ihn schnell in einen Sprachkurs im Klausenhof vermitteln", erinnert sie sich. Jene katholische Akademie am Niederrhein sollte für drei Jahre sein Zuhause sein. "Weil er schnell lernte, fleißig war und sich mit den ersten Kursen nicht zufrieden gab."

Wiengarten, die sich über ihren Beruf hinaus ehrenamtlich intensiv für Flüchtlinge einsetzt, verlor in dieser Zeit nie den Kontakt zu ihm. Sie telefonierten, und Dakkshan kam in den Ferien nach Beelen. Von vielen Seiten, vor allem auch aus der Pfarrgemeinde, kam Unterstützung. "Pfarrer Norbet Happe finanzierte Schulmaterial und gab ihm ein Darlehn für den Führerschein." Für seinen Hauptschulabschluss musste er dann Praktika machen. Und auch dafür fand er Möglichkeiten in Beelen.

Das Netzwerk für Flüchtlinge, das dort existiert, funktionierte. Zwei Mal machte Dakkshan seine ersten Erfahrungen im Berufsleben in der Firma Rampelmann und Spliethoff. Dort hinterließ er einen so guten Eindruck, dass er nach seiner Schulzeit eine Ausbildungsstelle im Stahlbau bekam. "Bei Dakkshan kamen immer zwei Sachen zusammen", sagt Wiengarten. "Einmal das tolle Engagement von Menschen hier in Beelen und dann sein großer Fleiß und seine Lernbereitschaft."

Diskussionen

Dakkshan ist angekommen im Ostwestfälischen. Er hilft in der Pfarrgemeinde, joggt gern und verbringt Abende mit seinen Arbeitskollegen. Nur selten stößt er auf Ablehnung, sagt er. "Wenn in der Schule über die aktuelle Flüchtlingsfrage diskutiert wird." Dann bemerkt er, dass zwischen seiner Geschichte und der Ausländerfeindlichkeit einiger Klassenkameraden Welten liegen. "Ich bleibe dabei lieber ruhig, halte mich zurück und sage nichts."

Still wird er auch, wenn die Frage nach seiner Zukunft kommt. Für die Rückkehr nach Sri Lanka ist es für den  anerkannten Flüchtling noch zu gefährlich. Das Heimweh aber ist groß. Er telefoniert mit der Familie, schreibt E-Mails. "Mein Schwester fragt jedes Mal, wann ich heimkomme." Sein Mutter aber bremst ihn: "Bleib dort, genieße die Sicherheit und das gute Essen – denk nicht so oft an uns!" Dakkshan dreht dann den Ring an seinem Finger, den sie ihm geschickt hat. So sehr er auch in Beelen willkommen geheißen worden ist – er ist ein Flüchtling geblieben.

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