Anzeige:
Werbung

kirchensite.de | Online mit dem Bistum Münster: Nachrichten aus der Kirche, katholischer Glaube, Spiritualität, Heiligenlexikon, Veranstaltungen, Seelsorge, Fürbitte, Bibelarbeiten, Dossiers.

. . . . .
Seite: Aktuelles
10.12.2018
Artikel drucken
Logo kirchensite.
Privilegierung Kapuziner Münster.

Der "Urknall" für die Kapuziner in Münster: Die Privilegierung durch Bischof Ferdinand von Bayern von 1615.

400 Jahre Kapuziner in Münster

Ehrerbietung für die "Kaminfeger"

Münster. Die Planungen des Jubiläums hatten eigentlich keine wissenschaftliche Basis. Denn noch bis zum Frühjahr 2015 gab es keinen historischen Beleg für die Existenz von Kapuzinern in Münster ab einem exakten Datum. Dann aber hielt der Professor für Kirchengeschichte an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Kapuziner in Münster, Reimund Haas, das entscheidende Dokument in der Hand. "Nach vielen Jahren der Suche sind wir im Landesarchiv fündig geworden", erinnert er sich. Es war das Dokument der Privilegierung der Ordensgemeinschaft in Münster durch den münsterschen Bischof Ferdinand von Bayern vom 27. August 1615. "Erst jetzt waren die Festlichkeiten historisch begründet."

Reimund Haas

Aus einer "schwankenden Gründungsgeschichte" sei damit eine "stabile" geworden, erklärt der Wissenschaftler. Denn in vielen Quellen wird bereits vom Erscheinen der Kapuziner im Stadtbild ab 1611 berichtet. Noch etwa zwei Jahre vor der Privilegierung hatte sich der münstersche Magistrat aber ausdrücklich gegen eine Zulassung der Kapuziner ausgesprochen. "Man war zurückhaltend, weil es in der Stadt mit den Franziskanern und den Minoriten bereits zwei konkurrierende Bettelorden gab", sagt Haas. "Und man wusste nicht, wo die Kapuziner wohnen sollten und wie sie die Atmosphäre in der Stadt verändern würden."

Wiederholt sprach damals ein Kapuzinerpater Bonaventura beim Magistrat vor, um eine Zulassung zu bewirken. Doch erst mit eben jenem Schreiben des damaligen Bischofs im Jahr 1615 kam es dazu. Mit weitreichenden Folgen: Die Kapuziner konnten sesshaft werden, ein Kloster bauen und Ämter bekleiden. Und somit den Aufträgen des Bischofs Folge leisten, "das göttliche Wort zu verkünden", "die Ungebildeten zu katechetisieren", "die Kranken zu besuchen" und "Almosen einzusammeln".

Die münstersche Bevölkerung aber zeigte sich zunächst reserviert gegenüber den barfüßigen Brüdern in ärmlicher und schmutziger Kleidung. "Auf den Straßen rief man ihnen mitunter ,Kaminfeger' hinterher", sagt Haas. Auch ihre Predigten konnten provokativ sein und die städtischen Lebensstile anprangern. Zudem kamen sie vorwiegend aus unteren Schichten, was dem Adel ein Dorn im Auge war.

Die Atmosphäre aber habe sich schnell geändert, erklärt Haas. "Ihre Lebensführung aus Überzeugung, ihr Einsatz für Arme und Kranke und ihre seelsorgliche Zuwendung fanden mit der Zeit immer mehr Anerkennung." Was dazu geführt habe, dass man ihnen "höchste Ehrerbietung erwies und ihnen großzügige Almosen spendete", wie es einer Hauschronik für die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts beschrieben wird. Das Leben im 1621 an der Stelle der heutigen Aegidii-Kirche erbauten Kloster blühte auf. "Predigten und Bücher schreiben waren ihre große Stärke." Bald nahmen sie wichtige Ämter ein, etwa als Lehrende, Domprediger oder Seelsorger. Auch die Novizenausbildung erfreute sich großer Beliebtheit, und im Adel hatte man großzügige Spender.

Im Jahr 1770 versiegten die Zuwendungen plötzlich, und es gab keine Novizen mehr. "Auch in Münster bekam man den allgemeinen Druck der Aufklärung zu spüren", erklärt Haas. Der vorerst letzte große adelige Förderer Wilhelm Ferdinand Freiherr von Galen war 1769 gestorben. Das Novizen-Aufnahme-Verbot im Zuge der Säkularisierung nach der preußischen Besetzung im Jahr 1802 verschärfte die Situation. Zwar konnte der damalige Provinzial der westfälischen Kapuziner der preußischen Verwaltung noch sechs Novizen "abringen". Auf Dauer aber war den Klöstern ein "Aussterbe-Etat" auferlegt worden.

Mit Beginn der französischen Besatzung im Jahr 1811 standen schließlich auch die Auflösung und Besitzkonfiszierung des münsterschen Klosters an. "Die 24 Kapuziner mussten noch in der Adventszeit ausziehen und durften nichts mitnehmen", berichtet Haas. Erst als 1850 nach einer Verfassungsänderung eine neue Kirchenfreiheit eintrat, konnte sich auch das Leben der Kapuziner in Münster neu entwickeln.

Das aber mit großer Dynamik. 1857 schon begann man mit dem Bau des neuen Klosters am nördlichen Stadtrand. Es gab wieder großzügige Spender aus adeligen Kreisen und vor allem Zulauf vieler Novizen. "Die Kapuziner waren intensiv in der Seelsorger und Volksmission aktiv und konnten so viele junge Männer für das Ordensleben begeistern."

Es folgten weitere ereignisreiche Kapitel. Etwa der Kulturkampf Ende des 19. Jahrhunderts, in dem das Kloster geschlossen wurde. "Die Kapuziner in Münster hatten aber einen großen Freundeskreis, der das Kloster kaufen konnte, um es ihnen bei der Rückkehr wieder zur Verfügung zu stellen", weiß Haas. Das geschah bereits 1887. Während der Zeit des nationalsozialistischen Regimes wurde das münstersche Kloster von Repressalien weitgehend verschont. Der Klostersturm im Jahr 1943 traf die hiesigen Kapuziner nicht. "Auch weil die Nationalsozialisten den Protest von Kardinal Graf von Galen fürchteten."

All diese Kapitel der Kapuziner in Münster sind bereits seit Jahren belegt. Das erste Kapitel aber konnte erst mit dem Fund der Privilegierung aus dem Jahr 1615 im Landesarchiv Anfang dieses Jahres geschrieben werden. Gerade rechtzeitig für die Feierlichkeiten, die in diesen Tagen ihren Höhepunkt erreichen.

Pontifikalamt und Gartenfest

Die Feierlichkeiten der Kapuziner werden von einer Reihe an Festveranstaltungen begleitet, die im großen Jubilämsfest am 23. August ihren Höhepunkt finden. Nach einem Pontifikalamt mit Bischof Felix Genn und Kapuziner-Kardinal Sean O'Malley aus Boston um 10.30 Uhr in der Klosterkirche wird zur Feier in den Klostergarten geladen. Am 4. Oktober wird es um 16 Uhr im St.-Paulus-Dom einen Festvortrag des päpstlichen Hofpredigers, Kapuziner-Pater Raniero Cantalamessa, zum Thema "Franziskus und die Armut" geben. Am 20. September wird im Kloster eine Ikonenausstellung eröffnet.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedInterview mit Kapuzinerpater Markus Thüer (18.08.2015)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Orden

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.400-jahre-kapuziner.de

Text: Michael Bönte | Fotos: Michael Bönte, Privat in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
19.08.2015

Das Evangelium hören

Service für Sie

Facebook

RSS-Feed Topnews

Öffnet internen Link im aktuellen FensterNewsticker für Ihr Web


Anzeigen-Sonderthema


Heiligenlexikon in "kirchensite.de"

im Heiligenkalender können Sie nach Monaten blättern. Oder wählen Sie hier nach Buchstaben aus:

 

Kontakt

  kirchensite-Redaktion:
  redaktionkirchensite.de

  Technik:
  technikdialogverlag.de

Dialogversand