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09.12.2018
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lange Wartezeit

Bei den Temperaturen und der langen Wartezeit war der Eisverkäufer nebenan ein Glücksgriff.

Warten auf Papst Benedikt

Fünf Stunden für einen kurzen Moment

Madrid. Maria Kenkel seufzt, als sie sich in die die prall gefüllte U-Bahn schiebt. "Die Spanier haben es gut", sagt sie dann, "die sind so klein, dass sie unter unseren Rucksäcken her laufen können." Dicht gedrängt stehen Rainer Kenkel, seine Schwester Maria und Lydia Messing zusammen. Die drei Pilger stammen aus dem nördlichen Teil des Bistums Münster: aus Steinfeld und Nikolausdorf. "Festhalten muss man sich in Madrids U-Bahn nicht", scherzen sie, "hier kann niemand umfallen."

Das Ziel der Jugendlichen ist an diesem Nachmittag die Puerta de Alcalá. Hier wird Papst Benedikt am Abend ankommen, vom Bürgermeister die Schlüssel der Stadt Madrid in Empfang nehmen und den mächtigen Torbogen durchschreiten.

Regenschirm als Sonnenschutz

"Hier bleiben wir." Rainer Kenkel stellt entschlossen seinen Rucksack ab und kramt einen Regenschirm heraus. "Als Sonnenschutz", erklärt er dann. Er blickt sich um. "Es wird überall voll sein – egal, welchen Platz wir nehmen." Auch Lydia Messing und Maria Kenkel orientieren sich einen Moment und sind mit der Entscheidung sichtlich zufrieden. "Da vorne ist ein Eisstand", sagen sie. "Außerdem sind hier keine Italiener, dann werden wir zumindest nicht taub." 15 Uhr. Wo in viereinhalb Stunden das Papamobil fährt, dreht jetzt eine Kehrmaschine ihre Runde. Bis dahin heißt es warten: warten und schwitzen, warten und trinken.

"Ein Polizist hat mir diesen Platz hier empfohlen", sagt eine Frau aus Madrid stolz. Sie hat es sich auf einem Stuhl, nicht weit vom Absperrgitter, gemütlich gemacht. "Ich bin bereits seit heute Mittag hier", sagt sie. Ihr edler weißer Hut schützt sie vor der Sonne, auf ihren Knien: das Pilgerheft. "Um diese Zeit ist hier eigentlich niemand auf den Straßen", sagt sie.

Es gibt nur einen Papst

Heute ist das anders. Rechts haben sich die Argentinier aus ihrer Nationalflagge einen Sonnenschirm gebaut. Vorne unterhalten sich die Kanadier mit freiwilligen Helfern. Hinten spielen Jugendliche aus Erfurt Doppelkopf. Sie wirken entspannt. Vielleicht, weil sie im September noch einmal die Chance haben, den Papst zu treffen. "Benedikt, wir sehen uns zwei Mal!", steht auf ihren grünen T-Shirts.

Maria Kenkel kann den Trubel auf der Plaza de la Independencia gut verstehen. "Der Papst hat uns schließlich eingeladen", sagt sie. "Jeder will ihn als Erstes sehen." Es gebe mehrere Bischöfe, viele Priester, zahlreiche Politiker und Staatsoberhäupter, "aber eben nur einen Papst", sagt sie. Für die 17-Jährige ist es der erste Weltjugendtag. "Beim Letzten war ich noch zu jung, aber ich habe vor dem Fernseher geklebt."

Einmaliges Erlebnis

Ihr Bruder Rainer sieht die Besonderheit dieses Papstes auch in dessen Herkunft. "Es ist ein deutscher Papst", sagt er. "So etwas werde ich sicher nicht noch einmal erleben." Lydia Messing stimmt zu: "Er ist eine Respektsperson." Sie sei aber nicht nur wegen des Papstes hier, betont die 26-Jährige. "Es ist auch das ganze Drumherum beim Weltjugendtag: die Tage der Begegnung zum Beispiel. Aber die vier Tage mit dem Papst, die Vigilfeier, die Abschlussmesse – das gehört einfach dazu."

16 Uhr. Noch einmal säubert eine Kehrmaschine den abgesperrten Platz. Ein Polizist lässt seinen Spürhund die Beete nach Sprengstoff absuchen. Mit Tagetes sind sie bepflanzt, in gelb und weiß, den Farben des Vatikans. Auf dem Platz vor dem Torbogen ist alles bereitet. An einer Stelle liegt blauer Teppichboden aus. Dahinter reihen sich vier Fahnen: Die des Regierungsbezirks von Madrid, die spanische Nationalflagge, die des Vatikans und die der Stadt. Hier werden sich der Papst und die Politiker begegnen.

Wasserwerfer auf die sanfte Art: Nass werden wollte bei 36 Grad fast jeder gerne.

Wasserwerfer auf die sanfte Art: Nass werden wollte bei 36 Grad fast jeder gerne.

Kühlende Wasserstrahlen

Auch die freiwilligen Helfer sind beschäftigt: Mit Wasserbehältern auf dem Rücken laufen sie die Absperrung entlang. "Aqua!", rufen die Pilger. "Wasser!" Die Helfer heizen die Menge an: "Ich kann euch nicht hören", ruft einer. Sofort bricht Jubel aus und die Jugendlichen werden mit breiten Wasserstrahlen bespritzt. Während die einen für die Abkühlung dankbar sind, zerren die anderen an ihrem T-Shirt, um damit die Tropfen von Brille und Kamera zu wischen.

17.20 Uhr. Noch einmal bricht lauter Jubel aus. Der Papst? Früher, als erwartet? Natürlich nicht. Nur eine Wolke. Sie hat sich vor die brennende Nachmittagssonne geschoben. Die wartenden Pilger scheinen sich mit wenig zufrieden zu geben.

Gespräche über den Glauben

Auch die münsterschen Pilger sind noch guter Dinge. Sie nutzen die Zeit, um über ihren Glauben ins Gespräch zu kommen: "Ein Weltjugendtag ist immer wieder eine Auffrischung für den Glauben", meint Rainer Kenkel. Der 27-Jährige Student der Betriebswirtschaftslehre spricht aus Erfahrung, denn dieser Weltjugendtag ist bereits sein fünfter. "Zu Hause sind die Gottesdienste oft sehr trocken: immer der gleiche Ablauf, sie werden zur Routine", sagt er. Das sei hier anders. "Der Gottesdienst, den wir gestern gefeiert haben, war so toll. Es wurde viel mehr gesungen. Das kannte ich so nicht."

Auf dem Platz beginnen jetzt noch einmal Umbauarbeiten. Die Fahnen werden umgestellt, der Teppichboden noch einmal verlegt. Die Spanier: Sie scheinen nicht nur spontan, sondern auch unentschlossen zu sein. Vor dem großen Torbogen haben sich in der Zwischenzeit 30 Jugendliche versammelt. Sie stammen aus fünf verschiedenen Kontinenten – werden später die fünf Bögen durchschreiten. Es sind Jugendliche aus den Ländern, in denen die Katholiken Probleme haben, ihren Glauben frei zu praktizieren. Jugendliche aus Russland zum Beispiel und aus China.

Spanische Pünktlichkeit …

19.15 Uhr. "Die Spannung nimmt zu – das Drängeln auch", sagt Lydia Messing. "Wenn die spanische Pünktlichkeit dazu kommt, dauert es noch." Sie lächelt erschöpft. Plötzlich ist von weitem lauter Jubel zu hören. Unter den Pilgern steigen Spannung und Anspannung. "Jetzt kommt er", ruft Rainer Kenkel. Doch seine Stimme geht in den Sprechchören unter: "Benedetto, Benedetto!"

Die Jugendlichen schwenken ihre Fahnen, recken sich, strecken sich, machen Fotos, schreien. "The Pope, the Pope, olé olé olé." Ab und an lässt sich zwischen den vielen Politikern und Bodyguards das weiß-rote Papst-Gewand erahnen. Nachdem Benedikt den großen Torbogen durchschritten hat, steigen weiße Friedenstauben in die Luft, dazu rote und gelbe Luftballons.

Das Warten hat sich gelohnt

"Ich bin sehr zufrieden", sagt Maria Kenkel. "Ich habe ihn immer mal wieder gesehen. Das Warten hat sich gelohnt." Auch ihr Bruder zieht ein positives Fazit: "Es war gut – trotz der Hitze." Natürlich hätte man am Fernseher mehr gesehen, sagt er, "aber da hätten wir diese Stimmung nicht erlebt." Lydia Messing hingegen ist enttäuscht. "Für fünf Stunden Wartezeit, war mir das zu wenig", sagt sie. "Wenn er wenigstens im Papamobil eine Runde gedreht hätte..." Doch sie ist zuversichtlich: "Spätestens am Samstag bei der Vigilfeier sehen wir ihn ja wieder."

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterSchwerpunktthema: WJT 2011

Text Katharina Deuling | Fotos: Katharina Deuling, Marie-Theres Langsenkamp
19.08.2011

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