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03.12.2016
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Ebertz

Michael Ebertz, hier beim Katholikentag 2012.

Strukturreform ein Grund – Kein Monopol mehr an Lebenswenden

Ebertz: Austritte zeigen starken Verlust der Kirchenbindung

Freiburg / Köln. Der Freiburger Religionssoziologe Michael Ebertz sieht die Kirchenaustritts-Rekorde als Folge eines rasch voranschreitenden Verlusts der Kirchenbindung. "Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist erstmals unter 30 Prozent gefallen, die Austrittszahlen sind dagegen klar über die 200.000er-Marke gestiegen. Und der Rückgang bei den kirchlichen Bestattungen zeigt, dass die Kirchen selbst am Lebensende ihr Monopol im Todesfall verlieren", sagte Ebertz am Freitagabend (17.07.2015) der Katholischen Nachrichtenagentur.

Das zeige, dass Kirchen immer seltener in der Lage seien, vor allem junge Menschen langfristig zu binden. "Dies ist eindeutig auch eine Folge des jahrelangen Umbaus der seelsorglichen Strukturen unter dem Kennzeichen des Priestermangels. Immer weniger Menschen kommen überhaupt noch in ihrem Alltag mit Pfarrern oder anderen Vertretern von Kirche in Kontakt", sagte Ebertz. Daher schwinde die religiöse Bindekraft der Kirche.

Wissenschaftler: Kein "Franziskus-Effekt"

Für den Wissenschaftler machen die Zahlen auch deutlich, dass es in Deutschland keinen "Franziskus-Effekt" gebe: "Ich kann nicht erkennen, dass die – mediale – Popularität des Papstes hierzulande zu neuer Kirchenbindung führen würde."

Dagegen wirkten die Fälle sexuellen Missbrauchs und der Limburger Finanzskandal immer noch nach. Auch das neue Einzugsverfahren der Kirchensteuer auf Kapitalerträge habe eine Rolle gespielt. Viel entscheidender seien aber langfristige Entwicklungen.

Mehr Sterbefälle – weniger kirchliche Bestattungen

Ebertz betonte, Studien zeigten, dass die bisher wichtigsten Gründe für eine Kirchenmitgliedschaft an Plausibilität verlören – das soziale Engagement der Kirche sowie das Anbieten von Riten an wichtigen Lebenspunkten wie Taufe, Trauung oder Bestattung. "Längst sind dies keine kirchlichen Alleinstellungsmerkmale mehr. So stehen Caritas und Diakonie in direkter Konkurrenz zu nichtkirchlichen sozialen Trägern. Und der Markt für frei gestaltete Riten der Lebenswende boomt."

Der Religionssoziologe stellte den andauernden Rückgang kirchlicher Bestattungen heraus: "Vielleicht ist es die prägnanteste Kennzahl der Statistik, dass entgegen der demografischen Entwicklung mit einer steigenden Zahl von Todesfällen die kirchlichen Bestattungen deutlich zurückgehen." Immer weniger Menschen glaubten, dass nur der christliche Glaube eine Heilsperspektive nach dem Tod eröffne.

Hinzu komme, dass viele Menschen gerade bei Hochzeiten und Taufen vor allem daran interessiert seien, die Feier einzigartig zu gestalten. "Dies verträgt sich schlecht mit dem Wesen des kirchlichen Ritus'."

Zulehner: Nicht von "nur noch" wenigen Katholiken reden

Der Wiener Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner sagte dem "Domradio" in Köln, es gebe nicht mehr nur den Austritt wegen eines konkreten Anlasses oder Skandals. Die Zeiten seien einfach vorbei, wo man zur Kirche schicksalhaft dazu gehören musste.

Zulehner wandte sich zugleich dagegen, von "nur noch" wenigen Katholiken zu reden. Man sei von früher gewohnt, "von 100 Prozent herunter" zu rechnen: "In Zukunft sollten wir eher den Spieß umdrehen und sagen, wir rechnen von Null herauf." Das würde die Zahl sehr engagierter Christen in ein anderes Licht rücken.

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Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, jjo | Foto: Jens Joest
19.07.2015

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