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28.05.2016
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Professor Giancarlo Collet.

Professor Giancarlo Collet.

Interview zur Seligsprechung des Erzbischofs

Collet: Oscar Romero erinnert an das Schicksal der Armen

Münster / San Salvador. Am Samstag (23.05.2015) wird der 1980 ermordete Erzbischof Oscar Arnulfo Romero in San Salvador seliggesprochen. Im Interview bewertet Professor Dr. Giancarlo Collet die Bedeutung Romeros und das Seligsprechungsverfahren. Collet war Direktor des Missionswissenschaftlichen Instituts der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

kirchensite.de: Welche Bedeutung hat Romero heute?

Professor Giancarlo Collet: Romero ist ein Christ unserer Zeit, der uns daran erinnert, dass der Einsatz für das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit nicht billig zu haben ist, sondern dass dieser Einsatz täglich neu zu erbringen und dabei mit allem zu rechnen ist, auch mit dem eigenen Tod. Vor diesen Konsequenzen haben viele Menschen Angst. Wenn man sich entschieden für die Armen einsetzt, muss man mit Widerstand rechnen. Es ist ohne Zweifel bequemer, in Ruhe gelassen zu werden, als für diese Menschen zu kämpfen.

kirchensite.de: Hat sich mit dem Pontifikat von Franziskus deutlich etwas geändert? Der Papst hat beispielsweise Lampedusa besucht, um auf die Situation der Armen und Migranten aufmerksam zu machen.

Collet: Es stimmt, das sind alles Zeichen, die beachtet werden, und sie sind sicher gut – aber wo hat sich etwas geändert? Inwieweit diese Zeichen zu einem institutionellen und strukturellen Kurswechsel führen, bleibt abzuwarten. Ich sehe da noch keine großen Bewegungen.

kirchensite.de: Was kann die Seligsprechung Romeros bewirken?

Collet: Für die Armen war Romero in El Salvador und in Lateinamerika bereits nach seiner Ermordung ein Heiliger. Viele Menschen erinnern sich heute noch an ihn, und ich glaube, dass Romero immer noch eine Inspirationskraft bleibt. Christen, aber nicht nur Christen werden durch seine Seligsprechung daran erinnert, dass das Schicksal der Armen uns nicht gleichgültig sein darf.

kirchensite.de: Warum hat sich die Kirche so schwer getan, den Seligsprechungsprozess zu Ende zu führen?

Collet: Es gab ja Widerstand innerhalb des salvadorianischen Bischofskollegiums selbst. Der damalige Vorsitzende der Bischofskonferenz, Marco René Revelo, hat bei einem Besuch von Johannes Paul II. im Land auf die Frage, was man von einer Seligsprechung Romeros halten würde, dem Papst geantwortet, er sei für den Tod von 70.000 Menschen im Bürgerkrieg verantwortlich. Es gab aber auch Widerstand aus den Reihen anderer lateinamerikanischer Bischöfe. Rom selbst hat sich nicht klar positioniert und selbst Papst Benedikt XVI. hat nicht entschieden genug die Seligsprechung vorangetrieben.

kirchensite.de: War nicht auch zu Lebzeiten Romeros die Haltung des Vatikans etwas widersprüchlich?

Collet: Ja, das stimmt. Die Haltung des Vatikans war ambivalent. Romero wurde beispielsweise mit einer langen Wartezeit gedemütigt, bis er zur Audienz beim Papst vorgelassen wurde. In seinem Tagebuch schreibt Romero an einer Stelle, dass Johannes Paul II. ihm gesagt habe, er solle nicht so konkret werden, wenn er die Missstände in El Salvador anklage. Romero habe dem Papst darauf geantwortet: Die Verbrechen und die Verfolgung sind aber konkret, und dagegen muss man etwas sagen. Romero hat sich gewehrt gegen die abstrakt dogmatische Lehrweise, wie sie Papst Johannes Paul II. offenbar im Umgang mit der Konfliktsituation in El Salvador im Kopf hatte.

kirchensite.de: Sah der polnische Papst im Handeln Romeros nicht auch sozialistische oder kommunistische Tendenzen?

Collet: Das nehme ich an. Ich vermute jedoch dahinter auch ein unterschiedliches Verständnis von pastoraler Arbeit. Romero ist in einem lebenslangen Lernprozess dazu gekommen, von der Situation und den Menschen her zu denken und nicht allein von der kirchlichen Lehre. Die kirchliche Lehre war ihm zwar unvermindert wichtig, aber er wollte sie verwurzelt sehen im Leben von Gemeinden und in seiner Diözese, weil für ihn die Ehre Gottes der lebende Arme war: Gloria Dei – pauper vivens.

kirchensite.de: Hat Romero heute noch eine gewisse Berühmtheit?

Collet: Das glaube ich schon, vielleicht weniger in Europa, aber in Lateinamerika. Er ist eine markante Figur. Die UNO hat 2010 den 24. März, seinen Todestag, zum internationalen Tag des Rechts auf Freiheit in Bezug auf schwere Menschenrechtsverletzungen und die Würde der Opfer erklärt. Romero ist in der großen politischen Öffentlichkeit präsent. Durch die Seligsprechung hat sich auch die Kirche zu diesem großen Sohn Lateinamerikas bekannt. Im Juni 1998 wurde am Portal der Ostfassade an der Westminster Abbey in London Romeros Statue installiert. Er wird damit als einer der zehn Märtyrer des 20. Jahrhunderts geehrt. Romero ist eine eindrückliche Gestalt von ökumenischer Bedeutung. Er inspiriert, und er ist präsent als Mensch, der versucht hat, den Stimmlosen eine Stimme zu geben.

Lebensdaten von Oscar Romero

15. August 1917: Geburt in Ciudad Barrios, Bezirk San Miguel, El Salvador

1931-1937: Internatsschüler im von Clarestinern geführten Kleinen Seminar in San Miguel, danach Weiterbildung im von Jesuiten geführten Seminar San José de la Montaña

1937: Beginn des Theologiestudiums am Priesterseminar von San Salvador, Fortführung an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom

4. April 1942: Priesterweihe in Rom

1943: Lizenziat der Theologie "cum laude"

August 1943: Rückkehr nach El Salvador

1944: Pfarrer in Anamorós im Bezirk La Unión, kurze Zeit danach Berufung zum Diözesansekretär ins Bistum San Miguel, wo er mehr als 20 Jahre wirkte

1967-1974: Generalsekretär der Bischofskonferenz

25. April 1970: Ernennung zum Weihbischof von San Salvador, dann Herausgeber der dortigen Bistumszeitung "Orientación", zeitweilig Leiter des Priesterseminars

15. Oktober 1974: Ernennung zum Bischof von Santiago de María

3. Februar 1977: Ernennung zum Erzbischof von San Salvador

12. März 1977: Ermordung seines Freundes, des Jesuitenpaters Rutilio Grande SJ

1978: Gespräch mit Papst Paul VI. in Rom

1978 und 1979: Romero wird für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen

April 1979: Erstes Gespräch mit  Papst Johannes Paul II. in Rom

15. Oktober 1979: Staatsstreich in El Salvador

30. Januar 1980: Zweites Gespräch mit Papst Johannes Paul II.

23. März 1980: Romero ruft in der Kathedrale von San Salvador Armee-Angehörigen dazu auf, nicht auf die eigenen Landsleute zu schießen.

24. März 1980, 18.25 Uhr: Ermordung Romeros durch einen Scharfschützen in der Krankenhauskapelle "La Divina Providencia" (Göttliche Vorsehung), San Salvador.

30. März 1980: Begräbnis in San Salvador

1980-1992: Bürgerkrieg in El Salvador

23. Mai 2015: Seligsprechung in San Salvador

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