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17.10.2017
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ICE

Ausgebremst: Ein stehender ICE-Zug.

Kruip: Mittel dürfen nicht dem Gemeinwohl entgegenstehen

Sozialethiker: Streik unverhältnismäßig und unsolidarisch

Mainz. Als unverhältnismäßig kritisiert Gerhard Kruip, Professor für Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Mainz, den Streik der Lokführer. Laut katholischer Soziallehre dürften die Mittel eines Streiks nicht dem Gemeinwohl entgegenstehen. Zudem sei das Vorgehen der Gewerkschaft GDL unsolidarisch mit Blick auf andere Teile der Bahn-Belegschaft.

kirchensite.de: Wie sind Sie selbst vom Streik der der GDL-Lokführer bei der Deutschen Bahn betroffen?

Professor Dr. Gerhard Kruip: Ich pendle jede Woche zwischen Hannover und Mainz. Auch sonst fahre ich oft Bahn, zum Beispiel, wenn ich Vorträge halte, weil ich den Zug für das ökologischste Verkehrsmittel halte und außerdem unterwegs arbeiten kann. Das prägt mein Urteil über den Streik natürlich. Für mich ist es schon schwierig, eine Woche weitgehend ohne Bahnfahrten zu organisieren.

kirchensite.de: Es ist der achte Streik in der laufenden Auseinandersetzung zwischen GDL und Bahn, er dauert etwa sechs Tage, so lang wie noch nie, ein Einigungswille ist kaum erkennbar. Wie bewerten Sie das?

Kruip: Natürlich muss man auch Lokführern ihr Streikrecht zubilligen. Auch die katholische Soziallehre würdigt das Streikrecht, allerdings unter der Bedingung, dass die Mittel nicht dem Gemeinwohl entgegenstehen. Beim aktuellen Streik der GDL sehe ich die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben.

kirchensite.de: Die GDL verweist auf anders lautende Gerichtsurteile.

Kruip: Die wurden aber nicht zum aktuellen Streik gesprochen. Wie man hört, ist eine Forderung, dass Rangierlokführer den übrigen Lokführern gleichstellt werden. Das klingt nach einem Punkt, wo eine Einigung möglich sein müsste – und der auf jeden Fall keinen solchen Streik und keinen solchen volkswirtschaftlichen Schaden rechtfertigt.

kirchensite.de: Müsste man nicht als Arbeitnehmer solidarisch sein mit den Streikenden – selbst als geplagter Bahn-Kunde?

Gerhard Kruip.

Kruip: Man kann solidarisch sein mit legitimen Interessen. Ich finde es aber durchaus nicht solidarisch, wenn eine kleine, besser als andere organisierte Gruppe von Arbeitnehmern ihre Einzelinteressen durchsetzt. Ich halte den Vorwurf einer Entsolidarisierung innerhalb der Bahn-Belegschaft für nachvollziehbar. Für die Solidarität hat es Vorteile, wenn eine Gewerkschaft für alle Arbeitnehmer eines Betriebes verhandelt. Auf diese Weise werden oft auch die Interessen derjenigen besser berücksichtigt, die nicht so stark organisiert sind. Auch die Schaffung von Dachorganisationen wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund war ja ein Versuch, den Wettstreit der Gewerkschaften untereinander zugunsten der Solidarität zurückzudrängen. An diese Solidarität der Gewerkschaften möchte ich dringend appellieren.

kirchensite.de: Sie haben das Streikrecht auch mit Argumenten der katholischen Soziallehre verteidigt. Wie begründen Sie dann, dass es für kirchliche Beschäftigte kein Streikrecht gibt?

Kruip: Das hat zum einen damit zu tun, dass die Kirchen laut Grundgesetz ihre eigenen Angelegenheiten selbst regeln dürfen. Zum anderen damit, dass es in der Kirche keinen so starken Gegensatz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern gibt. Das Stichwort ist "Dienstgemeinschaft". Gehälter und Arbeitsbedingungen werden in Kommissionen ausgehandelt, die paritätisch von Arbeitgebern und Arbeitnehmern besetzt sind. Das Modell ist von vorn herein viel stärker konsensorientiert, Kampfmittel wie das Androhen von Streiks oder Urabstimmungen kennt es gar nicht. Ich habe auch den Eindruck, dass dieses Modell leidlich funktioniert und viele Beschäftigte das Streikrecht gar nicht vermissen. Es doch zu fordern, halte ich vor allem für ein Interesse von Gewerkschaften.

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