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25.06.2016
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Marianne Heimbach-Steins.

Marianne Heimbach-Steins.

Theologie-Professorin Marianne Heimbach-Steins im Interview

Familiensynode soll "regionale Lösungen" ermöglichen

Münster. Die Weltbischofssynode im Oktober soll Kriterien formulieren, wie Ortskirchen ihre pastoralen Probleme selbst lösen können. Das erhofft sich Marianne Heimbach-Steins, katholische Theologie-Professorin an der Universität Münster.

Kirche+Leben: Die deutschen Antworten auf den Fragebogen zur zweiten Weltbischofssynode bekräftigen im Wesentlichen die Aussagen aus der ersten Umfrage. Wie deuten Sie das?

Marianne Heimbach-Steins: Es gibt die klare Erwartung, dass der Beschreibung der Situation nun Lösungsansätze zu den "Brennpunkten" der Familienpastoral folgen. Da die Kluft zwischen einem idealisierten Bild von Ehe und Familie und der Wirklichkeit, in der auch Katholiken ihr gemeinsames Leben gestalten, noch keineswegs überbrückt ist, wird das Bild, das die Synode 2014 skizziert hat, erneut einem "Realitäts-Check" unterzogen. Dazu hat der zweite Fragebogen ausdrücklich aufgefordert.

Kirche+Leben: Die meisten deutschen Antworten behandeln bekannte "Knackpunkte": Zusammenleben nicht kirchlich getrauter Paare, der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und mit verbindlichen homosexuellen Partnerschaften. All das war bereits Thema der ersten Synode. Welche Reformen halten Sie im zweiten Anlauf für wahrscheinlich?

Heimbach-Steins: Die Schwerpunkte zeigen, zu welchen Themen die Gläubigen besonders dringend Lösungen erwarten. Einige "rote Fäden" aus den Rückmeldungen müssen sicher aufgenommen werden: Etwa die Forderung, den Menschen, die in unterschiedlichen Beziehungsformen Liebe und Treue leben, mit Wertschätzung, ohne Vorurteile und Herablassung zu begegnen. Die Ehe- und Familienpastoral muss "vom Kopf auf die Füße" gestellt werden. Die Lebenswirklichkeit ist nicht zuerst nach tatsächlichen oder vermeintlichen Defiziten zu be- oder verurteilen. Eine anerkennende Pastoral wird von den tatsächlich gelebten Werten ausgehen und Orientierung anbieten. Oder: Beim Anspruch, eine wertschätzende Sprache zu entwickeln, geht es nicht nur um Wortwahl, sondern um die Wahrnehmung der Adressaten als Subjekte. Das verlangt vor allem auch die Anerkennung der individuellen Gewissensverantwortung, die – wie es im Papier der Bischöfe heißt – "ratgebend, nicht bevormundend" kirchlich begleitet, aber eben nicht ersetzt werden kann.

Kirche+Leben: Wie bewerten Sie die bisherigen Aussagen der Synode zu homosexuellen Partnerschaften?

Heimbach-Steins: Der Textabschnitt über die "pastorale Aufmerksamkeit gegen­über Personen mit homosexueller Orientierung" (55) fällt inhaltlich und sprachlich hinter das sonstige Niveau der Synode zurück: Gleichgeschlechtlich orientierte Menschen werden gar nicht als Subjekte angesprochen. Zu homosexuellen Lebensgemeinschaften wird nur ein schroffer Satz aus einem römischen Dokument zitiert, ohne irgendein Signal der Wertschätzung. Wenn von Menschen "mit homosexuellen Tendenzen" gesprochen wird, entsteht der Eindruck, Homosexualität sei eine Frage individueller Entscheidung und nicht eine Disposition. Ich sehe hier einen Bruch mit dem Ansatz der Vermittlung von Lehre und Leben und einen klaren Rückschritt gegenüber dem Zwischenbericht der Synode. Dort wurde immerhin von "Gaben und Qualitäten", die Homosexuelle in die Gemeinschaft der Christen einbringen können, gesprochen und die selbstkritische Frage gestellt, wie es um die Bereitschaft der kirchlichen Gemeinden stehe, homosexuelle Menschen aufzunehmen und zu akzeptieren.

Kirche+Leben: Derzeit streiten Dogmatiker und der Präfekt der Glaubenskongregation, ob die konkrete "Lebenswirklichkeit" von Familien Orientierung sein darf für Lehraussagen der Kirche. Muss das allen Ernstes diskutiert werden?

Heimbach-Steins: Theologisch wird darum gestritten, was "Pastoral" ist – Anwendungsfeld einer bestimmten Lehrposition oder Ort, an dem sich das Verständnis der Wahrheit des Evangeliums im beständigen Austausch zwischen Lehre und Leben fortentwickelt. Der Zugang zur Wahrheit kann aber nicht jenseits dieser Wirklichkeit gefunden werden, sondern nur in ihr oder durch sie. Dann ist aber die komplexe Wirklichkeit der Familie möglicherweise eine Provokation, das, was im Sinne des Evangeliums wahr ist, für heute besser zu erkennen und zu verstehen. Papst Franziskus vertritt eine Theologie, die auf das Wirken des Geistes im ganzen Volk Gottes, auf den Glaubenssinn des Gottesvolkes und die Gabe der Unterscheidung der Geister setzt. Das heißt nicht, die "Wahrheit" einer Mehrheitsabstimmung zu unterwerfen, sondern Gottes Wirken in der Lebenswirklichkeit zu entdecken, die nicht "geist-los" ist, sondern genau der Ort, an dem sich das, was die Kirche als wahr verkündet, bewähren muss.

Kirche+Leben: Wann wäre für Sie die Synode im Oktober ein Erfolg?

Heimbach-Steins: Es ist schon ein Erfolg der außerordentlichen Synode, dass ein offener Austausch über die Herausforderungen der Pastoral in Gang gekommen ist und Bewegung in eine scheinbar festgefahrene Situation gebracht hat. Es wird wichtig sein, dass die Synode Kriterien formuliert, nach denen Lösungen für pastorale Herausforderungen, die sich in den Ortskirchen deutlich unterscheiden, auch regional erarbeitet und umgesetzt werden können. Im Blick auf die deutschen Rückmeldungen ist deutlich, dass der Erfolg der Synode wohl vor allem daran gemessen wird, ob ein struktureller Lösungsweg für die Zulassung geschiedener und wiederverheirateter Gläubiger zu den Sakramenten eröffnet wird.

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