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25.09.2016
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Eine rote Ampel.

Rote Ampeln sollten grundsätzlich immer beachtet werden.

Die kleinen Sünden des Alltags

Folge 7: Verkehrsregeln ignorieren

Bistum. "Verkehrsregeln sind für die gemacht, die sich ein Bußgeld nicht leisten können", behauptete kürzlich jemand, der seine Knöllchen offenbar aus der Portokasse bezahlt und bisher so viel "Dusel" hatte, dass durch seine Selbstgerechtigkeit und sein Fehlverhalten noch nie jemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist. "Warum muss immer erst etwas passieren, bevor Menschen vernünftig werden?", fragen dagegen jene, die schon andere – negative – Erfahrungen machen mussten, die mit dem Schriftsteller Martin Gerhard Verkehrsadern als "blutige Bahnen" erlebt haben.

Im innerstädtischen Berufsverkehr gibt es auf vierspurigen Straßen oft Wettrennen um Hundertstel-Sekunden, und mancher startet bei einer gelben Ampel noch einmal so richtig durch. Wer sich gesetzestreu an Verkehrszeichen und -regeln hält, bekommt von denen, die die Fahr- und Fußwege scheinbar für sich gepachtet haben, unter lautem Hupen auch schon mal den Stinkefinger gezeigt.

"Radarfallen sind die besten Beweismittel, dass viele Autofahrer nicht lesen können", höhnt der Schweizer Autor Kurt Haberstich, doch das Lachen vergeht, wenn Ein- und Ausfahrten oder Behindertenparkplätze wie selbstverständlich zum Parken benutzt werden, weil man für den nächsten freien Stellplatz mehr als zehn Schritte laufen müsste.

Eine besondere Spezies im Straßenverkehr stellen Radfahrer dar, die davon ausgehen, dass Verkehrsregeln eigentlich nur für Autofahrer gelten. Sie sehen keine Schwierigkeit darin, eine Einbahnstraße gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung zu benutzen, sie mogeln sich in stoischer Gelassenheit vor roten Ampeln rechts an allen Autos vorbei  – um die Kreuzung dann, wenn die Luft rein ist, unabhängig von Signalzeichen und vorgegebener Fahrtrichtung auf eine, vornehm gesagt, sehr individuelle Weise zu passieren. Und wenn was passiert, sind immer die bösen, bösen Autos Schuld.

Manch einer, der berufsbedingt sein halbes Leben oder mehr auf der Straße verbracht hat, klagt, dass Umgang und Ton im Straßenverkehr immer rauer geworden seien. "Und das liegt nicht nur daran, dass ich älter und vielleicht auch empfindlicher geworden bin", ist ein Vertreter überzeugt, der für viele Verkehrsteilnehmer spricht.   

Keine Frage: Wir alle haben gute, wichtige Gründe, warum wir möglichst schnell an ein Ziel kommen wollen (oder müssen) und uns nicht gern unnötig aufhalten lassen. Aber welcher Hochmut spricht aus dem Rowdytum, permanent mit "eingebauter Vorfahrt" durch die Gegend zu kurven und die eigenen Fahrtziele oder -motive immer über die der anderen zu stellen? Welche Ignoranz erlaubt es, das eigene Vorwärtskommen über das durch die Verkehrsregeln abgesicherte Allgemeinwohl zu erheben? Was muss passieren, um solcher Rücksichtslosigkeit Einhalt zu gebieten? "Jedes Kind auf der Straße ist ein menschliches Verkehrsschild", warnt der Aphoristiker Peter Darbo.

Für den Tag und die Woche

"Auf deutschen Autobahnen gibt es Leute, die fahren, als ob der Teufel hinter ihnen her wäre – und manchmal holt der sie dann auch ein." Das Schreckensszenario, das der Aphoristiker Willy Meurer mit dieser Aussage malt, bezeichnet sicher den schlimmsten Fall, den Egoismus im Straßenverkehr hervorrufen kann. Aber gilt nicht grundsätzlich, dass viele entspannter und sicherer an ihr Ziel kommen könnten, wenn alle Verkehrsteilnehmer sich ein wenig mehr an die Regeln halten und rücksichtsvoller fahren würden: schon hier und heute!?

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Text: Jan Magunski | Foto: Norbert Ortmanns
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