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28.08.2016
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Karl-Josef Laumann, Pflegebeauftragter der Bundesregierung.

Karl-Josef Laumann, Pflegebeauftragter der Bundesregierung.

Pflegebeauftragter der Bundesregierung zu neuem "Pflege-TÜV"

Laumann: "Weiterhin unangemeldete Qualitätsprüfungen"

Bistum. Im Gespräch mit Kirche+Leben erläutert der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Staatssekretär Karl-Josef Laumann (CDU), die
Eckpunkte des neuen Pflegegesetzes, das auf die Pflegequalität großen Wert legen will. Das bisherige Notensystem hält er für nicht zukunftsfähig.

Kirche+Leben: Warum wollen Sie die umstrittenen Pflegenoten grundsätzlich abschaffen?

Karl-Josef Laumann: Der Notendurchschnitt aller Pflegeeinrichtungen liegt bundesweit bei 1,3. Dieses Benotungssystem liefert keine Aussagen über die tatsächliche Pflegequalität in den Einrichtungen. Auch ein Vergleich der Pflegeeinrichtungen ist mit diesem Notendurchschnitt nicht möglich. Die Übersetzung der Transparenzberichte in Schulnoten ist somit gescheitert.

Kirche+Leben: Was soll sich bei der anstehenden Reform des Pflege-TÜV ändern?

Laumann: Die Pflegenoten in der jetzigen Form haben keine Zukunft. Wir benötigen Kriterien, mit denen die Qualität in den Einrichtungen gemessen und vergleichend dargestellt werden kann. Zukünftig muss das Verfahren so überarbeitet werden, dass nicht mehr die Pflegedokumentation, sondern die tatsächlich geleistete Pflege überprüft wird und die Ergebnisse in einer aussagekräftigen Form dargestellt werden. Im Mittelpunkt der Qualitätsprüfung muss immer der pflegebedürftige Mensch stehen. Daher ist es wichtig, dass zukünftig besonderes Augenmerk auf der Überprüfung der Ergebnisqualität liegt, also darauf, wie der Mensch in der Einrichtung versorgt wird.

Kirche+Leben: Was soll erhalten bleiben?

Laumann: Fest steht, dass die unangemeldeten Qualitätsprüfungen in den Einrichtungen auch weiterhin bestehen bleiben. Sowohl die Heimaufsichten als auch die Medizinischen Dienste der Krankenkassen werden die Pflegeeinrichtungen auch weiterhin einmal jährlich prüfen. Es wird auch weiterhin ein Teil der Prüfungsergebnisse veröffentlicht, um den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen die Möglichkeit zu geben, sich bei der Wahl einer Pflegeeinrichtung im Vorfeld informieren zu können.

Kirche+Leben: Wie sollen Pflegeheime in Zukunft geprüft werden?

Laumann: Es müssen Kriterien entwickelt werden, die aussagekräftige Informationen über die tatsächlich geleistete Pflegequalität in den Einrichtungen liefern. Selbstverständlich müssen diese Prüfkriterien auf einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage erarbeitet sein. Die Prüfungsergebnisse sollen einen Vergleich der Pflegeeinrichtungen ermöglichen.

Kirche+Leben: Wie wollen Sie sicherstellen, dass Transparenz erhalten bleibt, damit auch das Vertrauen der Pflegedürftigen und der Angehörigen gesichert wird?

Laumann: Transparenz ist die Grundlage für Vertrauen. Und deshalb müssen die Prüfungsergebnisse auch in einer verständlichen Form ver-öffentlicht werden.

Kirche+Leben: Sie haben die Konzepte der Diözesan-Caritasverbände Münster und Köln in diesem Zusammenhang gelobt. Was ist das Besondere an diesen Konzepten?

Laumann: Darin werden bereits Instrumente zur Messung der Ergebnisqualität in den Einrichtungen eingesetzt. Das Grundprinzip ist hierbei, dass nicht mehr nur eine stichprobenartige Begutachtung der Bewohner stattfindet, sondern dass alle Bewohner in die Qualitätsprüfung einbezogen werden. Dadurch liegt der Fokus nicht mehr auf der Dokumentation von Maßnahmen, sondern auf der tatsächlichen Pflegequalität.

Kirche+Leben: Inwieweit können die Konzepte für die Reform wegweisend sein?

Laumann: Aus meiner Sicht ist es ein interessanter Ansatz, nicht nur die Prozesse in den Einrichtungen zu beleuchten, sondern einen ganzheitlichen Ansatz von Qualität zu bewerten.

Interview: Jürgen Kappel | Foto: Michael Bönte in Kirche+Leben
20.03.2015

 

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