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10.12.2016
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Die lange Bank.

Die lange Bank: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!"

Die kleinen Sünden des Alltags

Folge 1: Die lange Bank

Bistum. "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!" – "Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute!" – Mit dem zu Ende gehenden Mittelalter und dem Anbruch der Neuzeit entstanden mehr und mehr solcher Redensarten und Spruchweisheiten. Wahrscheinlich spürten die Menschen, dass es in einer immer komplexer werdenden Welt umso wichtiger war, sich für die wachsende Fülle von Aufgaben zu disziplinieren und sein Alltagsleben möglichst von Anfang an gut zu regeln.

Bequemlichkeit im Sinne von Faul- oder Trägheit hatte bereits im Frühmittelalter als Laster gegolten, und schon Generationen vor uns sahen sich mit dem inneren Schweinehund konfrontiert, den es immer wieder zu überwinden gilt. Wissenschaftler führen die schlechte Angewohnheit, sich lieber in angenehmere Tätigkeiten zu flüchten als das zu erledigen, was "eigentlich dran" ist, auf mehrere Faktoren zurück: eine unklare Prioritätensetzung, schlechte Organisation, mangelnde Sorgfalt, Abneigung gegen die konkreten Aufgaben, Impulsivität und diffuse Ängste, aber auch einen streitbaren Perfektionismus. In der Moderne entschuldigen viele ihr Nichttun – neben anderen Ausreden – gern auch mit der schlichten Begründung, gerade "nicht in Stimmung zu sein": eine Haltung, die man umso kritischer sehen muss, wenn sie chronisch und zu einem Wesenszug wird. Doch kann man, muss man eine solche "Aufschieberitis" sogar mit Sünde in Verbindung bringen?

Manche kleine und große Tragödie, die in den vergangenen Monaten die Schlagzeilen beherrschte, hätte nicht sein müssen – wenn Verantwortliche rechtzeitig ihre Zuständigkeiten erkannt und erfüllt hätten: etwa, was die Sicherheitsmaßnahmen in den Textilfabriken von Bangladesch angeht. Doch da dringend nötige Entscheidungen und Vorkehrungen – meist aus falschen Sparzwängen – auf die "lange Bank" geschoben wurden, ist es zur Katastrophe gekommen. Entsprechende Beispiele finden sich auch vor der eigenen Tür: wenn ein Vermieter eine offenkundige Gefahrenquelle im Haus (etwa ein offenes Elektrokabel) nicht behebt und erst dann reagiert, wenn sich jemand ernsthaft verletzt hat. Oder wenn ein Arbeitgeber die nötige Modernisierung seines Fuhr- und Maschinenparks ständig auf die "lange Bank" schiebt, also Gewinne nur in die eigene Tasche steckt und nicht reinvestiert: bis die Firma eines Tages nicht mehr konkurrenzfähig ist und eine Vielzahl von Arbeitsplätzen verlorengeht.

Der Begriff der "Langen Bank" geht übrigens auf den Immerwährenden Reichstag zurück, die Ständevertretung im Heiligen Römischen Reich, die von 1663 bis 1806 regelmäßig in Regensburg tagte. Die "Lange Bank" waren in Wirklichkeit geräumige Truhen, die den Gesandten als Sitzgelegenheit dienten, bis sie an der Reihe waren, ihr Anliegen vor die vom Kaiser eingesetzten Richter und Prinzipalkommissare zu bringen. Zwischenzeitlich deponierten sie ihre Akten in den Truhen. Wenn es, was immer wieder vorkam, zu lange dauerte, vergaßen sie diese auch schon mal…

Im heutigen Volksmund wird die "lange Bank" auch als des "Teufels liebstes Möbelstück" bezeichnet. Das kann man mit einem Knipsauge verstehen, das lässt gleichzeitig die damit verbundene Brisanz erahnen: Manch einer schiebt eine eigentlich dringend nötige Untersuchung (aus Sorge vor dem möglichen Resultat) so lange vor sich her, bis der Arzt ihm wirklich nicht mehr helfen kann. Mit anderen Worten: Das ständige Hinauszögern wichtiger Aufgaben schadet nicht nur anderen, sondern vielfach auch der eigenen Person.

Und ein letztes Beispiel: Mehr und mehr müssen Seelsorger erleben, wie Beerdigungen zu wahren Familientragödien werden – wenn Ehepartner oder Eltern und Kinder untereinander so zerstritten waren, dass sie im Leben jede Gelegenheit vertagt und verpasst haben, sich zu versöhnen. Nun spüren die Hinterbliebenenen, dass auch der teuerste Sarg und der schönste Kranz dieses Manko nicht ausgleichen oder das schlechte Gewissen beruhigen können. Aber jetzt ist es zu spät…

Für den Tag und die Woche

Wer dazu neigt, anstehende Aufgaben vor sich herzuschieben und im Alltag lieber "Kür" als "Pflicht" zu leben, sollte sich die unerledigten Herausforderungen auf einen Zettel schreiben und stumpf abarbeiten. Wem die Freude (oder der Stolz) über das dann Geschaffte nicht reicht, der kann sich zusätzlich belohnen, indem er nach jeder xten Aufgabe eine kleine Pause macht und seinem Hobby oder anderen Vergnügungennachgeht.

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  3. undefinedEinleitung zur Serie: "Das machen doch alle!" (20.02.2015)

Text: Jan Magunski | Foto: Michael Bönte
20.02.2015

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