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25.06.2018
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Blick in die Kuppel der Ditib-Moschee in Duisburg-Marxloh.

Blick in die Kuppel der Ditib-Moschee in Duisburg-Marxloh.

Was das Konzil über Christen und Muslime und Juden sagt

"Aufrichtiger, kluger Dialog"

"Die Menschen erwarten von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins, die heute wie von je die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen: Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Leben? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid, und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?" (NA 1)

Zwischen diesen Zeilen aus der Erklärung des Konzils über die nichtchristlichen Religionen und dem ersten "Treffen der Religionen", zu dem  Papst Johannes Paul II. 1986 in Assisi einlud, liegen über 20 Jahre. Seit diesem Treffen sind nochmals fast 30 Jahre vergangen. Interreligiöser Dialog, christliche Ökumene, Gespräche mit Nichtglaubenden – es sieht so aus, als wäre all das längst dermaßen selbstverständlich, dass es für manche schon wieder als verzichtbar erachtet wird, nicht nur von den christlich-traditionalistischen Pius-Brüdern, sondern aktuell besonders vor dem Hintergrund von Reaktionen auf islamistische Gewalttaten wie jetzt in Paris und auch in manchen Platitüden vermeintlicher Retter des christlichen Abendlands.

Doch für das Konzil selber, für die über 2000 in der Petersbasilika versammelten Bischöfe und letztlich für die katholische Kirche war es schon eine Revolution, dass überhaupt darüber nachgedacht wurde, wie sich die römische Kirche zu anderen christlichen Konfessionen und den anderen Weltreligionen verhält. Der Hintergrund ist klar: Das Konzil betonte, der Kirche gehe es vor allem um Gott und um den Menschen – und nicht als Erstes um sie selbst. Und da der Mensch als Gottesgeschöpf verstanden wird, muss es die Kirche interessieren, aus welchen Quellen die Menschen Antworten auf die Fragen nach dem Sinn ihres Lebens schöpfen.

Einheit und Liebe unter den Menschen fördern

So verwundert es keineswegs, dass sogar dem Atheismus entsprechend Raum in den Dokumenten des Konzils gegeben wird – vor allem in der Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" (GS) über "die Kirche in der Welt von heute": Dort wird äußerst differenziert unterschieden zwischen einem systematischen Atheismus und einem eher unbekümmerten Nicht-Glauben; ebenso wird jedoch bekannt, dass auch das schlechte Vorbild von Gläubigen seinen Anteil an der Entstehung von Atheismus haben kann. Grundsätzlich aber gilt: "Wenn die Kirche auch den Atheismus eindeutig verwirft, so bekennt sie doch aufrichtig, dass alle Menschen, Glaubende und Nichtglaubende, zum richtigen Aufbau dieser Welt, in der sie gemeinsam leben, zusammenarbeiten müssen. Das kann gewiss nicht geschehen ohne einen aufrichtigen und klugen Dialog" (GS 21).

Eine Haltung der Hochachtung kennzeichnet die Erklärung des Konzils über die nichtchristlichen Religionen, die entstanden ist aus der Aufgabe der Kirche, "Einheit und Liebe unter den Menschen und damit auch unter den Völkern zu fördern" (NA 1). Dazu schreiben die Theologen Karl Rahner und Herbert Vorgrimler in ihrem Konzilskommentar: "Damit bezweifelt das Konzil weder das Selbstverständnis der Kirche als der 'einzig wahren' noch ihre dringliche Verpflichtung zur Mission; es eröffnet aber eine Perspektive zu größerer Gelassenheit in der Mission selbst wie auch zu einer ganz neuen Missionsmethode, nämlich unter der Voraussetzung einer geduldigen und positiven Koexistenz der Kirche mit den anderen Religionsgemeinschaften und in einem Dialog mit diesen als solchen."

Die Weltreligionen

Das Dokument würdigt zunächst Hinduismus und Buddhismus – und macht zugleich den Auftrag der Kirche klar: "Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet. Unablässig aber verkündet sie und muss sie verkündigen Christus, ... in dem Gott alles mit sich versöhnt hat" (NA 2). Anders gesagt: Anerkennung der anderen und in Christus gegründete Identität gehören aus kirchlicher Sicht zusammen.

"Hochachtung" bringt das Konzil den Muslimen entgegen, es würdigt ihre Glaubenshingabe sowie ihre Verehrung und Anerkennung Jesu und Marias und fordert angesichts von Feindschaften in der Historie, "das Vergangene beiseite zu lassen und sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen." (NA 3).

Die Juden – bleibende Wurzel des Christentums

Es folgt der wichtige und ausführliche Teil über das Judentum – die bleibende Wurzel des Christentums. Darin wird festgestellt, dass die Juden nach wie vor von Gott geliebt sind – und auch trotz der Ablehnung Jesu niemals als "verworfen" bezeichnet werden dürfen (NA 4). Tatsächlich spiegelt sich im Folgenden bereits dieselbe Diskussion, die nicht zuletzt die Pius-Bruderschaft vor wenigen Jahren heraufbeschwor und die auch ihr Gründer Marcel Lefebvre damals anzettelte – die Frage nach dem Gottesmord "der" Juden. Dazu schreiben Vorgrimler und Rahner: "In historischer Argumentation wird festgestellt, dass die Ereignisse des Lebens Jesu weder allen damals lebenden Juden noch den heutigen Juden ... zur Last gelegt werden dürfen. Historisch gesehen sind für den Tod Jesu verantwortlich: 'eine kleine Gruppe Juden, ein Römer und eine Handvoll Syrer, die zur zehnten, in Palästina stationierten Kohorte gehörten' (Kardinal Franz König). Und all diesen hat der Herr am Kreuz vergeben."

Johannes XXIII. hatte bereits in seinem ersten Karfreitagsgottesdienst als Papst im Jahr 1959 jene Fürbitte neu formuliert, in der zuvor für die ungläubigen Juden gebetet wurde. Und das Konzil mahnt: "Im Bewusstsein des Erbes, das sie mit den Juden gemeinsam hat, beklagt die Kirche ... alle Hassausbrüche, Verfolgungen und Manifestationen des Antisemitismus, die sich zu irgendeiner Zeit und von irgend jemandem gegen die Juden gerichtet haben."

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