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26.06.2016
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Wecker.

Die biologische Uhr tickt. Oder ist es doch eher die Kasse der Konzerne, die klingelt, wenn sie ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen anbieten?

"Social Freezing": Das sagen katholische Vertreter

"Eizellen einfrieren dient der Gewinnmaximierung"

Berlin. Ein weiterer Schritt Richtung Selbstbestimmung der Frau, oder nur eine neue Strategie, weibliche Führungskräfte an sich zu binden? Die Debatte um das sogenannte "Social Freezing" ist auch in Deutschland voll entbrannt. Die amerikanischen Technikunternehmen Apple und Facebook bieten ihren Mitarbeiterinnen an, das Einfrieren von Eizellen zu bezahlen. Damit können Frauen den Kinderwunsch aufschieben und sich in jungen Jahren auf ihre Karriere konzentrieren. Laut US-Medien geht es um Kosten von bis zu 20.000 Dollar pro Fall.

Der Katholische Deutsche Frauenbund, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands und der Dachverband der Evangelischen Frauen in Deutschland lehnen das Einfrieren von Eizellen aus Karrieregründen ab. Die kirchlichen Verbände sehen in dem Vorgehen eine moralische Grenzüberschreitung: "Ein solches Angebot an Frauen, ihre Eizellen für einen späteren Zeitpunkt der Mutterschaft einzufrieren, suggeriert, dass Arbeitskraft und Karriere von Frauen einen höheren Wert haben als die Gründung einer Familie oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf", erklärten sie.

Das Einfrieren von Eizellen sei außerdem keine Garantie für einen späteren erfüllten Kinderwunsch und berge gesundheitliche Belastungen und Risiken, so die Frauenorganisationen. Sie riefen daher die Unternehmen und die Politik auf, sich aktiv für eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf einzusetzen.

Mut zur Familie machen

"Familienbischof" Heiner Koch sagte, jungen Menschen müsse Mut zur Familie gemacht werden. "Die Wirtschaft steht dabei in der Verantwortung, die Arbeitswelt zugunsten der Familien umzubauen und eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Familie ermöglicht", so der Vorsitzende der Kommission für Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz. Angebote wie das Einfrieren von Eizellen, um den Kinderwunsch auf später zu verschieben, vermittelten indes die Botschaft, Familie und Beruf seien unvereinbar.

Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger betonte, beim Vorgehen der US-Unternehmen würden alle Risiken und medizinischen Belastungen auf dem Rücken junger Frauen ausgetragen. Es gehe nur um eine Maximierung des Gewinns.

Der Präsident des Familienbunds der Katholiken, Stefan Becker, warnte davor, Familie aus dem Berufsleben zu verdrängen. "Social Freezing ist kein Angebot zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern verdrängt die Familie aus dem betrieblichen Alltag", sagte Becker. Das habe auch für die demografische Entwicklung Konsequenzen: "Wer heute Beschäftigte mit Kindern kaltstellt, wird morgen auch keine zufriedenstellenden Lösungen anbieten für Mitarbeiter, die Pflegeverantwortung übernehmen müssen. Krankheit und Pflege lassen sich aber in keiner Weise verschieben", sagte Becker.

Einfrieren von Einzellen nimmt zu

Der Leiter des Kommissariats der katholischen Bischöfe in Berlin, Karl Jüsten, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur, die derzeit diskutierten Optionen belegten einmal mehr, zu welchen Konsequenzen die von der katholischen Kirche abgelehnte künstliche Befruchtung führen könne. Es gehe nicht an, dass die Kinderwunschfrage von Frauen der ökonomischen Optimierung von Unternehmen untergeordnet werde. Es müssten andere Wege gefunden werden, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten.

Laut Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren liegt die Zahl der Frauen, die sich auch in Deutschland auf eigene Kosten Eizellen einfrieren lassen, auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau; sie steige jedoch an. Danach lag die Zahl der betroffenen Frauen 2013 in den meisten dazu ausgestatteten Praxen zwar einstellig oder im niedrigen zweistelligen Bereich, sie habe aber gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Bei Krebspatientinnen können die Kosten für das Einfrieren von Einzellen von Krankenkassen übernommen werden.

Deutsche lehnen Verfahren ab

Eine Mehrheit der Deutschen lehnt das Einfrieren von Eizellen aus Karrieregründen ab. 58 Prozent der Bundesbürger sprechen sich gegen diese als "Social Freezing" bezeichnete Praxis aus, durch die der Kinderwunsch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden kann. 37 Prozent halten diese Methode für grundsätzlich "richtig". Das ergab eine Umfrage im Auftrag der Wochenzeitung "Die Zeit". Insgesamt stehen mehr Männer (40 Prozent), als Frauen (34 Prozent) der Idee positiv gegenüber.

Allerdings sprechen sich vor allem die jüngeren Befragten für das Einfrieren von Eizellen aus. Unter den 14- bis 29-jährigen Befragten befürwortet eine Mehrheit von 53 Prozent die Möglichkeit des "Social Freezing".

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