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15.10.2018
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Buchvorstellung: "Hilifi - Gottes vermaledeite Brut"

Reidegeld: Kirche hat Bringschuld bei Missbrauchsopfern

Bistum. Das Bistum Münster hat eine Bringschuld der Kirche gegenüber allen Opfern sexueller Gewalt in ihren Reihen hervorgehoben. "Die Opfer sollten nicht als Bittsteller zu uns kommen müssen", sagte der stellvertretende Generalvikar Jochen Reidegeld am Freitag (12.09.2014) vor Journalisten in Münster. "Im Gegenteil: Wir müssen ihnen entgegengehen und sie aufsuchen, wenn das gewünscht ist, und sie als Kirche für das Leid, das wir angerichtet haben, um Verzeihung bitten." Reidegeld äußerte sich bei der Vorstellung des Buches "Hilifi - Gottes vermaledeite Brut" von Hedwig Herrath Beckmann.

Die 1944 geborene Autorin selbst berichtete, sie sei als Fünfjährige Ende der 40er Jahre in die Marienburg bei Coesfeld, damals ein Kinderheim der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung, gekommen. Dort sei sie sexuell missbraucht und misshandelt worden. So sei sie in einen dunklen Raum gesperrt worden, nachdem sie sich geweigert habe, einen Hirsebrei mit Heringsschwänzen zu essen, in den ihre Tischnachbarin sich erbrochen hatte.

"Man hat auf grausamste Art und Weise versucht, mich zu brechen"

"Noch heute kann ich deswegen manchmal nichts essen", hob Beckmann hervor. Damals sei sie für eine ganze Zeit verstummt und habe erst mit Hilfe einer fürsorglichen Nonne die Sprache zurückgefunden. "Im Laufe meines Lebens bin ich dann immer wieder krank geworden und sah mich seelischem Druck ausgesetzt. Meine beiden Ehen sind zerbrochen", berichtete Beckmann. Dafür habe sie aber mit nachhaltigem Erfolg fünf Heimkinder adoptiert und ihnen eine angemessene Lebensgrundlage verschafft.

"Man hat auf grausamste Art und Weise versucht, mich zu brechen, aber das ist nicht gelungen. Was sie aber in mir zerstört haben, ist das kleine bisschen Gottvertrauen, das jedem Menschen zustehen sollte", erklärte die Autorin. "Die Schmerzen von damals vergehen nicht, sondern bleiben für immer." Immer wieder werde man zu dem kleinen Kind, das gerade misshandelt oder missbraucht worden sei.

Buch als "bleibendes Mahnmal"

Positiv äußerte sich die inzwischen in Spanien lebende Beckmann über ein Gespräch mit Münsters Bischof Felix Genn am vergangenen Mittwoch (10.09.2014). Der Bischof habe ihr glaubhaft versichert, dass Missbrauchsfälle heute der Staatsanwaltschaft übergeben würden und die Prävention inzwischen eine große Rolle spiele. "Da sind mir Wackersteine vom Herzen gefallen", sagte Beckmann, die zugleich den Zölibat und das Keuschheitsgelübde als "Unterdrückung" und "Gewalt" bezeichnete.

Reidegeld würdigte ihr Buch als "bleibendes Mahnmal". Es zeige, wie stark die Kirche sich manchmal von ihrem Ursprung und vom Evangelium entfernt habe. Genn habe das der Autorin zugefügte Leid ausdrücklich anerkannt und sich dafür entschuldigt. "Wir tun, was wir können, um sexuelle Gewalt im Raum der Kirche zu vermeiden, und sind wach. Aber wir können nicht absolut sicher sein, dass so etwas nie wieder vorkommt", sagte der stellvertretende Generalvikar.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedÜbersicht: Kindesmissbrauch

Text: KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
12.09.2014

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