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25.08.2016
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Familie

Welche Bedeutung hat die Lehre der Kirche für den Alltag der katholischen Familien? Unser Bild zeigt einen Segnungsgottesdienst im St.-Paulus-Dom in Münster im Jahr 2013.

Familien-Fragebogen: Bischofskonferenz veröffentlicht Antworten

Große Kluft zwischen Lehre und Leben

Bonn. Eine Zusammenfassung der Antworten aus 27 Bistümern und von 20 Verbänden auf den Fragebogen von Papst Franziskus zu Fragen der Familienpastoral und Sexualmoral hat am Montag (03.02.2014) die Deutsche Bischofskonferenz veröffentlicht. Die Antworten machten deutlich, "wie groß die Differenz zwischen den Gläubigen und der offiziellen Lehre vor allem hinsichtlich des vorehelichen Zusammenlebens, der wiederverheirateten Geschiedenen, der Empfängnisregelung und der Homosexualität" ist, heißt es in dem Dokument.

Die Beantwortung des Fragebogens aus Rom habe ergeben, dass kirchliche Lehrdokumente zu diesen Fragen bei Katholiken kaum bekannt seien und daher "kaum unmittelbare Bedeutung für die persönliche Lebensführung" hätten. Zwar brächten die meisten Gläubigen mit der Kirche eine "familienfreundliche Haltung" in Verbindung, andererseits jedoch auch eine "lebensferne Sexualmoral". Das katholische Familienbild wirke auf viele "zu idealistisch und lebensfern".

"Selbstverständliche Realitäten"

In den Stellungnahmen aus den Diözesen werde übereinstimmend festgestellt, dass die "voreheliche Lebensgemeinschaft" eine "nahezu flächendeckende pastorale Wirklichkeit" ist. Das Zusammenleben vor der Trauung werde weniger als "Experiment" betrachtet, sondern als eine "allgemein übliche Vorstufe der Ehe", um die Beziehung zu festigen und später zu heiraten, sofern sich die Partnerschaft als stabil erweist. Viele hielten eine Eheschließung ohne vorheriges Zusammenleben "gar für unverantwortlich".

Zur pastoralen "selbstverständlichen" Realität in Deutschland gehören demnach auch getrennt Lebende und wiederverheiratete Geschiedene – und zwar auch unter den in den Gemeinden Engagierten. Besonders groß sei der Leidensdruck für die direkt Betroffenen. Anders als kirchlich offiziell verstehen die Gläubigen solche Situationen jedoch keineswegs als "irregulär"; sie lehnen diesen Begriff sogar ab, weil er wie auch der Ausschluss von den Sakramenten und manchen Ämtern als diskriminierend empfunden werde.

"Sie bewerten die eingegangene Trennung und den Aufbau einer neuen Beziehung als moralisch gerechtfertigt und erachten manchmal hingegen das Verbleiben in einer unzumutbaren Beziehung als Schuld", heißt es in der Zusammenfassung der Bischöfe. Scheidung und Wiederheirat führten zudem oft zu einer Distanzierung der Betroffenen von der Kirche.

Wiederverheiratete Geschiedene

Gleichwohl stellen die Bischöfe eine "Praxis des eigenständigen Hinzutretens zum Sakramentenempfang" fest. Die Antworten zeigten aber auch, dass Einzelfallregelungen den allgemeinen Eindruck nicht ändern, die Kirche handle hier unbarmherzig. Die meisten Katholiken forderten daher "eine Pastoral des Respekts vor der Gewissensentscheidung des Einzelnen und einen barmherzigen Umgang mit Scheitern, der auch einen Neuanfang und die Wiederzulassung zu den Sakramenten" ermögliche. Dies werde vor allem von jenen angemahnt, die am Gemeindeleben teilnehmen.

Besonders sensibel erscheint der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und konfessionsverschiedenen Ehen, wenn es um die Sakramenten-Vorbereitung von Kindern geht. Eltern erlebten es als erschwerend und frustrierend, "dass ihre Kinder in den Gemeindezusammenhängen mit Maßstäben konfrontiert werden, denen sie als Eltern selbst nicht entsprechen". Dabei entscheide sich in vielen Fällen vor allem in der Erstkommunion-Katechese, "ob die Kirche den Zugang zu dem wiederverheirateten Paar und damit zu der Familie verliert oder ob sie mit ihnen als Väter und Mütter auch die Chance gewinnt, die Kinder mit ihrer Botschaft zu erreichen".

Homosexualität und Verhütung

Gegenüber homosexuellen Menschen sind den Katholiken in Deutschland Toleranz und individuelle Wertschätzung "sehr wichtig", wie aus den Antworten hervorgehe. Die Bischöfe stellen fest, dass die "pastorale Aufmerksamkeit" für in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften lebende Menschen "insgesamt gering" sei. Ein "deutlich expliziteres Zugehen auf Menschen in diesen Lebenssituationen" sei hingegen "sicher möglich". Zumal es bei den deutschen Katholiken "eine deutliche Tendenz" gebe, die rechtliche Anerkennung von homosexuellen Lebenspartnerschaften und deren Gleichbehandlung gegenüber der Ehe als ein "Gebot der Gerechtigkeit zu betrachten". Die Öffnung der Ehe hingegen werde überwiegend abgelehnt. "Nicht wenige" hielten einen "Ritus der Segnung" für solche Paare für sinnvoll.

Einen Unterschied zwischen "natürlichen" und "künstlichen" Methoden der Verhütung machen den Antworten zufolge auch praktizierende Katholiken nicht mehr; sie sehen in der Nutzung von Pille und Kondom auch keine Sünde. Die Frage von Schuld stelle sich für die meisten eher im Blick auf die Beziehung der beiden Partner. Als sündhaft würden demnach etwa Untreue, Lieblosigkeit und mangelnder Respekt bewertet.

"Beachtliche Beteiligung"

Die Bischöfe würdigen die "breite Beteiligung" der Gläubigen an der Befragung als "beachtlich". Dies verweise auf die "grundlegende Lebensrelevanz der Gesamtthematik" und zeige "ein großes Interesse daran, die je eigenen Vorstellungen und Einschätzungen in die Vorbereitung der Synode einzubringen".

Angesichts des häufig kritisierten abstrakten und "autoritativen" Sprachstils lehramtlicher Dokumente sprechen sich die Bischöfe für eine Sprache aus, die sich "vom Vorurteil der Leibfeindlichkeit und einer lebensfeindlichen Gesetzesethik zu befreien vermag". Statt "kasuistische Einzelfragen" zu betonen, komme es darauf an, "die zentrale Botschaft der Kirche von Ehe und Familie in ihrer unbedingten Bejahung des Lebens und des Leibes in einladender Weise zu vermitteln".

Neuer Umgang mit "Scheitern"

Notwendig sei auch ein Neuansatz im Hinblick auf die Beurteilung des "Scheiterns" von Beziehungen. Die Frage nach einer Möglichkeit zur Wiederzulassung zu den Sakramenten müsse "konstruktiv und weiterführend" aufgegriffen werden. Überhaupt müsse sich die Seelsorge "stärker als bisher um eine Wegbegleitung von Eheleuten in ihren oft sehr verschiedenen Lebenssituationen und Lebensphasen" bemühen.

Bei der im Oktober in Rom stattfindenden außerordentlichen Bischofssynode, zu deren Vorbereitung Papst Franziskus um Antworten auf seinen Fragebogen gebeten hatte, müssten Eheleute und Familien beteiligt werden, fordern die deutschen Bischöfe. Zugleich kündigten sie an, sich ihrerseits weiter mit den Ergebnissen der Umfrage befassen zu wollen; das dürfte auch bei der Vollversammlung der Bischofskonferenz geschehen, die vom 10. bis 13. März in Münster tagt.

Zum Herunterladen:

  1. Leitet Herunterladen der Datei einPDF-Datei: Die Antworten auf den Familien-Fragebogen (03.02.2014)

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Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterDas offizielle Vatikan-Papier mit Fragebogen (PDF-Datei)

Text: Markus Nolte | Foto: Michael Bönte
03.02.2014

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