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26.08.2016
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Ehe

Die Ehe ist das katholische Idealbild – wie geht die Kirche mit anderen Familienformen um?

Antworten aus der Diözese auf vatikanischen Fragebogen

Lehre und Familien-Praxis klaffen im Bistum auseinander

Bistum. Bei Ehe und Familie klaffen katholische Ideale und gelebte Wirklichkeit unter praktikzierenden Katholiken auch im Bistum Münster deutlich auseinander. Das geht aus den Antworten von diözesanen Gremien, Verbänden und Einzelpersonen auf den vatikanischen Fragebogen zum Thema hervor.

Die Umfrage dient der Vorbereitung der Weltbischofssynode im Herbst 2014 zur Ehe- und Familienpastoral. Im Bistum Münster befassten sich der Diözesanrat als oberstes synodales Mitwirkungsgremium, das Diözesankomitee der Katholiken als Laienvertretung, einige Verbände, Gruppen und Einzelpersonen mit dem Fragebogen, teilte die Bischöfliche Pressestelle am Donnerstag (19.12.2013) mit.

"An der Wirklichkeit vorbei"

Den Antworten zufolge hat die kirchliche Sexuallehre im alltäglichen Leben der Katholiken "keine Bedeutung", sie gehe oft "an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei". Genannt wird laut Pressestelle unter anderem die Reduzierung der Sexualität auf das Zeugen von Kindern, der Umgang mit Menschen in gescheiterten Ehen und das Festhalten an einem "traditionellen" Familienbild. Die "Grundsätzlichkeit" kirchlicher Lehrschreiben und ihre komplizierte und lebensferne Sprache verhinderten einen Dialog. Statt zu reglementieren und zu sanktionieren solle die Kirche für ihre Werte werben, heißt es in den Antworten laut Pressestelle.

Es sei verletzend, ein Zusammenleben vor Paaren vor der Ehe als "irregulär" abzuwerten. Auch gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften dürften "nicht isoliert, ausgegrenzt oder als Sonderfall behandelt werden", da auch in ihnen "Menschen einander in Liebe zugetan" seien und Verantwortung füreinander übernehmen würden. Es sei eine "Lebensrealität", dass Menschen getrennt leben oder nach einer Scheidung zivil erneut heiraten würden. Ihnen müsse "mit Barmherzigkeit begegnet werden".

Problem für Glaubwürdigkeit der Kirche

Als "Strafe" werde es den Antworten zufolge vielfach empfunden, dass wiederverheiratete Geschiedene von den Sakramenten ausgeschlossen seien. Diese Praxis belaste die Glaubwürdigkeit der Kirche.

Positiv stehen die Antwortgeber laut Pressestelle zu Werten wie Treue. Diese würden von vielen Ehepaaren und Familien beispielhaft gelebt. Angeregt wird eine intensive Begleitung von Paaren in der Ehevorbereitung. Zudem würdigen die Befragten, dass die Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Bistums Paare in der Krise professionell begleite.

Kollig: Welche Ideale wollen wir künftig vertreten?

Für Pater Manfred Kollig, den Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Bischöflichen Generalvikariat, zeigen die Antworten, dass die Kirche zwei Fragen beantworten müsse: "Welche Ehe- und Familienideale vertreten wir in Zukunft, weil sie in der Heiligen Schrift begründet sind?" sowie "Wie können wir für solche Ideale werben, uns von anderen Idealen verabschieden und vor allem auch in der Nähe der Menschen sein, deren Leben in Beziehung nicht ideal verläuft?" Die Suche nach Lösungen müsse "innerlich frei" und im Vertrauen auf Gottes Geist erfolgen.

Die Antworten aus dem Bistum Münster auf den vatikanischen Fragebogen fügen sich in den Trend der Reaktionen aus anderen deutschen Bistümern sowie von Laiengremien und Verbänden. Übereinstimmend mahnen alle Eingaben eine Reform der katholischen Ehe- und Familienpastoral an.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedVielstimmiger Ruf nach Reform der kirchlichen Sexualmoral (18.12.2013)
  1. undefinedDiözesanrat beantwortet päpstlichen Familien-Fragebogen (30.11.2013)
  2. undefinedBischof Genn gibt Fragebogen an die Gremien weiter (12.11.2013)
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  4. undefinedFamilien-Fragebogen: Bischöfe sollen Antworten "kanalisieren" (05.11.2013)
  5. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDokumentiert: Der Vatikan-Fragebogen in Auszügen (05.11.2013)
  6. Öffnet internen Link im aktuellen FensterDossier: Familie

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem FensterDas offizielle Vatikan-Papier mit Fragebogen (PDF-Datei)

Text: Jens Joest | Foto: Norbert Ortmanns
19.12.2013

    1. Dossier: Familie und Familienpolitik

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