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01.06.2016
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Ackermann

Bischof Stephan Ackermann ist Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz.

Aufarbeitung soll in neuem Forschungsprojekt weitergehen

Missbrauch: Ackermann weist Zensurvorwurf Pfeiffers zurück

Bonn / Hannover. Nachdem die Deutsche Bischofskonferenz die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer bei der Erforschung von Fällen sexuellen Missbrauchs beendet hat, greifen sich beide Seiten scharf an. Pfeiffer warf den Bischöfen "Zensur" vor, diese verwahrten sich dagegen. Beobachter mahnten, die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle fortzusetzen.

In Radio-Interviews sagte Pfeiffer am Mittwoch (09.01.2013), es sei vereinbart gewesen, dass das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) in Hannover die Ergebnisse seiner Studie der Kirche vor der Veröffentlichung vorlege. Dies sei "ganz üblich". Dann aber hätten zum Beispiel das Erzbistum München und das Bistum Regensburg gefordert, die Texte nur nach schriftlicher Genehmigung der Kirche zu veröffentlichen: "Das war Zensur, dem haben wir uns nicht gebeugt."

Vorwurf der Aktenvernichtung

Pfeiffer sagte, ihm sei "zugetragen" worden, dass in den Diözesen teilweise Akten vernichtet worden seien. Eine Nachfrage des Instituts bei allen Bischöfen sei komplett unbeantwortet geblieben. Der KFN-Direktor führte die Kündigung des Vertrags auf Ängste vor dem Ergebnis der Ermittlungen zurück.

Der Leiter einer geplanten neuen Studie müsse im Blick haben, sagte Pfeiffer, dass die Unterschrift der Bischofskonferenz unter den Vertrag noch nicht die Sicherheit gebe, "dass die einzelnen Diözesen mitmachen". Die Kirche wolle aufklären, "wenn sie die Kontrolle über die Ergebnisse hat".

Ackermann: Kein Rückzieher bei Aufarbeitung

Der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, wies den Vorwurf zu weit gehender Kontrolle und jeden Zensurverdacht zurück. Da es bei der Erforschung von Personalakten von Geistlichen um sehr sensible Fragen von Datenschutz und um Persönlichkeitsrechte gehe, habe sich der Bischofskonferenz die Frage gestellt, wie sich die wissenschaftliche Freiheit mit dem Schutz von Personen vereinen lasse, sagte Ackermann im "Deutschlandradio Kultur". In dieser Frage sei eine Einigung mit Pfeiffer leider gescheitert.

Die Bischöfe "wollen ein ähnliches Projekt", sagte Ackermann. Von einem Rückzieher in der Aufarbeitung könne keine Rede sein.

Kopp sieht "mangelnde Seriosität" Pfeiffers

Konferenz-Sprecher Matthias Kopp warf Pfeiffer Sprunghaftigkeit und mangelnde Seriosität vor. Als sich unterschiedliche Auffassungen über den Zuschnitt des Forschungsprojekts zeigten, hätten die Bischöfe neue Vorschläge gemacht, seien aber nicht zu einem Konsens mit Pfeiffer gekommen, etwa beim Thema Datenschutz. In einer Mediation habe man versucht, zu einer einvernehmlichen Vertragsauflösung zu kommen, doch auch dazu sei Pfeiffer nicht bereit gewesen.

Mit Nachdruck dementierte Kopp Behauptungen, in einigen Bistümern seien Akten vernichtet worden. Laut Kirchenrecht müssten alle relevanten Akten zu Missbrauchsfällen aufbewahrt werden. Hier sei das Kirchenrecht strenger als das weltliche Recht. Auch seien nicht einzelne Bistümer aus dem Projekt ausgestiegen.

Das Erzbistum München und Freising wies Pfeiffers Darstellung zurück, es habe auf eine Genehmigung vor der Veröffentlichung von Ergebnissen bestanden. Generalvikar Peter Beer sagte, das Erzbistum halte am "unbedingten Willen zur Aufklärung fest". Forschungsfreiheit sei ein hohes Gut, es gebe aber auch eine Fürsorgepflicht gegenüber eigenen Mitarbeitern.

ZdK und Politik für neue Untersuchung

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, dringt weiter auf eine unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. Er bedauerte das vorläufige Scheitern der Forschung: "Das Anliegen und die Aufgabe einer unabhängigen, wissenschaftlichen Maßstäben entsprechenden Untersuchung sind damit aber nicht erledigt." Das ZdK gehe "davon aus, dass in einem neuen Projekt mit Opfern und Tätern diese Forschungsarbeit und Aufklärung als Basis für eine umfassende und langfristige Präventionsstrategie geleistet werden".

Auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte die Bischöfe zu einer neuen externen Forschung auf. "Der Vorwurf, Zensur und Kontrollwünsche behinderten eine unabhängige Aufarbeitung, sollte durch den Vorsitzenden der Bischofskonferenz schnell aus der Welt geschafft werden", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung".

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  1. undefinedBischöfe beenden Zusammenarbeit mit Pfeiffer (09.01.2013)
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Kindesmissbrauch

Text: Jens Joest und KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Michael Bönte
09.01.2013

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