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26.06.2016
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Benedikt Benninghaus und Monika Kaiser-Haas.

Benedikt Benninghaus und Monika Kaiser-Haas.

Erinnerung an Lebensgeschichten beider Geistlicher in der NS-Zeit

Gedenken an Kaplan Poether und Pater Benninghaus

Münster. Mit "Gedenkblättern" im "Gedenkbuch" der "Villa ten Hompel" wird ab sofort auch an Kaplan Bernhard Poether und Pater August Benninghaus erinnert. In der Villa, die Gedenkort der Opfer des Nazi-Regimes ist, wurden in diesen Tagen die Lebensgeschichten der beiden Geistlichen vorgestellt.

"Die Gedenkblätter machen deutlich, dass Menschen, die unter dem nationalsozialistischen Regime gelitten haben, im Gedächtnis von Gemeinden, Familien oder Einzelpersonen bleiben", sagte Peter Schilling, Vorsitzender des Vereins "Spuren finden", bei der Vorstellung der Blätter.

Den Urgroßonkel vorgestellt

Benedikt Benninghaus aus Dinklage stellte seinen Urgroßonkel Pater Benninghaus vor. Er sei bereits Anfang der 1930er-Jahre durch klare Worte und Predigten aufgefallen. Benninghaus' Aussage "Die Kirche hat schon viele Reiche überdauert" (1936) sei als "erster großer Angriff auf das Staatssystem" gesehen worden.

Drei Jahre später eine weitere Anklage: Pater Benninghaus habe den NS-Staat mit dem Kommunismus auf eine Stufe gestellt, das sei nicht zu tolerieren. Doch das Verfahren habe eingestellt werden müssen, "aus Mangel an Beweisen", sagte Benedikt Benninghaus.

Gehirnerschütterung nach Sturz unter Folter

Zur Verhaftung kam es im Juli 1941 durch Münsters Geheime Staatspolizei. Pater Benninghaus sei als "typischer Vertreter des Katholizismus" aufgefallen. Der Pater sei ins KZ Sachsenhausen gekommen, wo er Prügel habe einstecken müssen, "mit Wasser begossen und mit Steinen beworfen wurde". Bei einer Misshandlung sei der Pater auf eine Tischkante gestürzt. Dabei habe er eine Gehirnerschütterung erlitten, von der er sich nie mehr erholte.

Am 11. März 1942 erreichte Benninghaus Dachau, wo er in den "Priesterblock" kam. Aufgrund von Hunger und der Folgen der Gehirnerschütterung verschlechterte sich sein Zustand, sodass er im Juli ins Lazarett eingeliefert wurde. Dort starb er nach nur vier Tagen Aufenthalt am 20. Juli 1942 den Hungertod. Ende August 1942 erreichte eine Urne Ankum im nördlichen Osnabrücker Land, den Heimatort des Paters. Sie wurde auf dem Ankumer Friedhof beigesetzt. Auf dem Grabstein erinnern die Worte "Märtyrertod Dachau" an das Schicksal des Geistlichen.

"Heidewitzka" statt deutschem Gruß

Ein ähnliches Lebensende ereilte auch Kaplan Poether. Monika Kaiser-Haas stellte als Mitglied des Poether-Arbeitskreises aus Münster-Hiltrup die Lebensgeschichte des Kaplans vor. Er sei durch sein unnachgiebiges Engagement für andere aufgefallen.

Während der NS-Zeit wirkte der Kaplan vorwiegend im Ruhrgebiet, wo er trotz Verbots Messdiener-Gruppenstunden abhielt und sich für den Erhalt von Religionsunterricht und Konfessionsschulen einsetzte. Erstmals aktenkundig wurde er, als er beim Morgengruß in der Schule auf "Heil Hitler" "Heidewitzka" antwortete. "Es wurde ihm vorgeworfen, er habe den deutschen Gruß verächtlich gemacht", sagte Kaiser-Haas. Fortan sei er von der Gestapo bespitzelt worden.

Einsatz für polnisches Ehepaar

Außerdem unterstützte Poether die ruhrpolnische Minderheit. Im September 1939 protestierte er gegen die Verhaftung von neun Mitgliedern eines polnischen Vereins, worauf Poethers Überwachung verschärft wurde. Als er sich schließlich für die Freilassung eines polnischen Ehepaars einsetzte, wurde er verhaftet.

Vom Bottroper Gefängnis wurde er 1941 ins KZ Sachsenhausen verlegt, später nach Dachau, wo mit ihm ähnlich umgegangen worden sei wie mit Pater Benninghaus. Im August 1942 starb Kaplan Poether an den Folgen von Unterernährung und Folter. Auch seine Familie erhielt eine Urne, die zunächst auf dem Alten Friedhof Hiltrup im Familiengrab beigesetzt wurde. 1984 sei sie dann in die rechte Seitenkapelle der St.-Clemens-Kirche Hiltrup umgebettet worden, wo nun auch eine Gedenkplatte an den Kaplan erinnere.

In der "Villa ten Hompel" werden jedes Jahr im Umfeld des 13. Dezember neue "Gedenkblätter" vorgestellt. Dies erinnert an den 13. Dezember 1941, als ein großer Deportationszug von Münster nach Riga abfuhr.

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.muenster.de/stadt/villa-ten-hompel/

Text: Kirstin Oelgemöller | Foto: Kirstin Oelgemöller
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