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25.05.2012
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Ochsenorden

Karl-Ludwig van Dornick übergibt den Orden an Walter Schepers.

"Goldener Ochsenorden" für Walter Schepers

Pfarrer erhält Karnevalsorden für Engagement in Tansania

Kalkar. Der "Goldene Ochsenorden", den die Kalkarer Karnevalsgesellschaft (KKG) verleiht, ist nicht nur ein Karnevalsorden. Er ist vielmehr eine städtische Auszeichnung für Menschen, die im Stillen oft und beharrlich Gutes tun. "Die KKG ehrt mit dem Ochsenorden ganz einfach Menschen vom Niederrhein, die keine Übermenschen sind, sondern ihr Herz nicht zurückhalten, wenn es um Hilfe für andere geht", sagt Karl-Ludwig van Dornick, KKG-Senatspräsident.

Die KKG "ehrt keine Strippenzieher und Möchtegerne, sondern Leute, die etwas anfangen und mit denen man etwas anfangen kann. Leute, die kein Bohei machen um ihr Tun, sondern überrascht sind, wenn man ihre herzliche Art der Hilfe bemerkt und Leute, die gerne anderen Freude machen, zum Lächeln verhelfen." Das Motto des Ochsenordens, der nach KKG-Angaben der älteste dieser Art am Niederrhein ist, lautet folgerichtig: "Ein Herz hat nur, wer ein Herz für andere hat".

Ein Krankenhaus für Moshi

Für die KKG ist der Ordensträger 2012 ein Mann, der diese Kriterien genau erfüllt: der emeritierte Pfarrer Walter Schepers. Dabei ist er nicht einmal Kalkarer, wie van Dornick betont. Er kommt aus Kleve und war Pfarrer in Nieukerk (Kerken). Und doch hat er die Herzen der Kalkarer gewonnen. Sie bewundern das langjährige Engagement des 84-Jährigen für das Krankenhaus in Moshi.

1975 erreicht Schepers, damals noch Pfarrer in Nieukerk, ein Hilferuf der damaligen Oberin des Ordens der "Schwestern unserer lieben Frau vom Kilimandscharo", Mutter Cecilia. "Sie motiviert ihn, sein Herz in die Hand zu nehmen und sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen, in der schnell wachsenden Stadt eine Krankenstation zu bauen", sagt van Dornick.

Einsatz auch im Ruhestand

Die Not war so groß, dass die kleine Hütte mit ihren Behandlungsräumen und den wenigen Betten nicht reichte. Schepers machte sich vor Ort in Tansania ein Bild. Gemeinsam mit dem damaligen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Leo Claassen beschloss der Pfarrer, die Schwestern zu unterstützen und das Krankenhaus zu erweitern.

Auch nachdem Schepers vor 18 Jahren in den Ruhestand nach Kalkar wechselte, setzte er sein Engagement fort. Bei unzähligen Geburtstagen, Hochzeiten und Beerdigungen stecken ihm die Menschen Geld zu. Geld, das ganz nach Tansania fließt und das Krankenhaus wachsen lässt. Bis heute sind rund 100.000 Euro zusammengekommen. Auch in Nieukerk wird unter Pfarrer Theodor Prießen weiter gesammelt. "Leo Claassen führt trotz seiner schweren Krankheit weiterhin die gesamte Korrespondenz", verweist Pfarrer Schepers auf die Unterstützung aus seiner früheren Pfarrgemeinde.

"Kümmern heißt: Den Kummer nehmen"

Aus der kleinen Krankenstation ist inzwischen ein respektables Krankenhaus gewachsen, mit Ambulanz, Operationsmöglichkeiten und mehr als 100 Betten. "Manche aus Not sogar doppelt belegt", berichtet van Dornick. Tätig seien ordenseigene eingeborene Ärztinnen, "mehr als 20 Ordensschwestern im Krankendienst und auch Schwestern, die Unterricht geben in Hauswirtschaft, textilem Arbeiten und im musischen Bereich". Schepers habe "dem Orden nicht hineingeredet, er hat nicht gelenkt, nicht dirigiert, aber er hat dafür gesorgt, dass die Hilfe derer, die ihm Geld und Sachspenden anvertrauten vor Ort ankam und nicht versickerte", sagt van Dornick.

Die Hilfe, die Schepers in Tansania leistet, ist nach Ansicht des Laudators eine Folge seiner persönlichen Erfahrung. Der Geistliche war Teil des "Volkssturms", hatte vier Jahre in französischer Kriegsgefangenschaft verbracht. Dort hat er seine Berufung zum Priester erfahren. Dort ist der Ursprung seiner Haltung zu finden, sich um andere zu kümmern. Denn "kümmern", so van Dornick, "heißt vom Ursprung des Wortes her: anderen ihren Kummer nehmen".

Text: Jürgen Kappel | Foto: Jürgen Kappel
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