
Im Rahmen einer beschäftigte sich jetzt das Diözesankomitee mit dem Thema "Fracking".
Diözesankomitee stößt Diskussion zum Thema "Fracking" an
Unkonventionelle Erdgasförderung heftig umstritten
Bistum. Das Diözesankomitee im Bistum Münster fordert, das "Fracking"-Verfahren sorgfältig zu prüfen. Die Laienvertretung fordert ein unabhängiges Umweltverträglichkeitsgutachten für die laufenden Erdgas-Probebohrungen.
Mit einer Tagung zum Thema "hydraulic fracturing", kurz "Fracking", griff am vergangenen Freitag (27.01.2012)das münstersche Franz-Hitze-Haus in Zusammenarbeit mit dem Diözesankomitee die aktuelle Diskussion um eine neue Methode der Erdgasgewinnung auf.
Wegen vermuteter Folgeschäden für die Umwelt hoch umstritten
Beim so genannten "Fracking" (abgeleitet vom englischsprachigen Verb: to fracture = (zer)brechen) wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in tiefste Gesteinsschichten im Boden eingepresst. Diese Verbindung erzeugt dort Risse, wodurch im Boden befindliches Erdgas freigesetzt wird. Die Methode ist europaweit aufgrund vermuteter Folgeschäden für die Umwelt hoch umstritten.
Das Diözesankomitee - die Laienvertreung im Bistum Münster - wolle derzeit noch keine eindeutige Stellung zum Thema "Fracking" beziehen, betonte Hugo Übbing, Vorstandsmitglied des Diözesankomitees. Das Verfahren müsse zunächst sorgfältig geprüft werden.
Unabhängiges Umweltverträglichkeitsgutachten
Das Komitee fordert vor allem ein unabhängiges Umweltverträglichkeitsgutachten für die laufenden Probebohrungen. Bevor das bereits in Auftrag gegebene Gutachten nicht vorliegt, will auch das Land NRW nicht von dem bereits verhängten "Fracking"-Verbot absehen. Probebohrungen finden jedoch derzeit schon statt.
Konkret betroffen sind Gebiete in Nordwalde, Drensteinfurt und Borken. Dort haben sich bereits Bürgerinitiativen gebildet, die durch Proteste, Aufklärung im Internet und Gespräche mit Experten gegen die unkonventionelle Erdgasförderung direkt vor ihrer Haustür vorgehen.
Erfahrungen in den USA
Pfarrer Matthias Hembrock aus der Pfarrgemeinde St. Regina in Drensteinfurt sieht die Aufgabe der Kirche vor allem darin, sich unterstützend hinter ihre Mitglieder zu stellen. "Die Menschen in unserer Gemeinde haben Bedenken bezüglich der bestehenden Risiken. Warum müssen wir gnadenlos alles aus unserer Erde herauspressen, was in ihr steckt?", erläuterte er die Stellung seiner Gemeinde, die sich klar gegen die unkonventionelle Erdgasförderung ausspricht.
In den USA, wo bereits seit Jahren Erdgas mit der "Fracking-Methode" gefördert wird kam es bereits zu erheblichen Umweltschädigungen. Dies waren jedoch vor allem auf schadhafte Rohrleitungen zurückzuführen. Als besonders problematisch wird die mögliche Eintragung der beim "Fracking" verwendeten Chemikalien in das Grundwasser gesehen.
Gefährdung der Trinkwasserversorgung?
In großen Teilen der vorgesehenen Förderungsgebiete im Münsterland befinden sich Grundwasservorkommen. Wenige Kilometer entfernt vom Bohrplatz Nordwalde verläuft beispielsweise der Münsterländer Kiessandzug, der von mehreren städtischen Wasserwerken zur Trinkwasserversorgung genutzt wird. Die Verschmutzung solcher Grundwasservorkommen hätte gravierend Folgen.
Deswegen ist auch Ulrich Peterwitz von der Gelsenwasser AG alarmiert. Die Gelsenwasser AG - eines der größten Trinkwasserversorgungsunternehmen Deutschland - stellt eine klare Forderung an den Hauptakteur in der Erprobung unkonventioneller Fördermaßnahmen in Nordrhein-Westfalen, das Unternehmen EXXON: Förderungen in Wasserschutzgebieten dürfen zum Schutz der Umwelt und des Trinkwassers nicht zugelassen werden.
Diözesankomitee: Hohe Umweltstandards nötig
Das Diözesankomitee begleitete den Austausch im Franz-Hitze-Haus vermittelnd. Ziel sei es, den gesellschaftlichen Dialog zu fördern. Bürgern solle ermöglicht werden, anhand neutraler Kriterien eine Einschätzung zu dem komplexen Thema "Fracking" zu erlangen, hieß es von Seiten der diözesanen Laienvertretung.
Thomas Kamp-Deister, Geschäftsführer des Ausschuss Ethik und Umwelt des Diözesankomitee betonte kritisch, dass die Schöpfungsgeschichte einen sensiblen Umgang mit dem Thema verlange. Sollte es tatsächlichen zu einem Abbau von Erdgas im Bistum Münster kommen, seien hohe Umweltstandards an dieses Verfahren zu stellen.
Deutschland kann hohen Sicherheitsanforderungen gerecht werden
"Die Welt steht uns zur Verfügung, aber sie gehört uns nicht.", sagte Pastor Hembrock in diesem Zusammenhang. Nach Einschätzung des EXXON-Sprechers Norbert Stahlhut wird die aus Erdgas gewonnene Energie jedoch benötigt. Zudem sei Deutschland - als Land der Hochleistungstechnologie - in der Lage, den hohen Sicherheitsanforderungen dieses Verfahrens gerecht zu werden und Umweltschäden, wie sie in den USA aufgetreten sind, zu vermeiden.
Text: Franziska Kues | Grafik: Archiv
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