
Weihbischof Dieter Geerlings.
Zweiter Weihnachtstag: Trauer nach Kirchen-Anschlägen in Nigeria
Geerlings: Gottes Ja zum Menschen kein "Ja und Amen"
Bistum. Weihbischof Dieter Geerlings hat dazu gemahnt, im grundsätzlichen Ja Gottes zu den Menschen sein Nein zu mancher Wirklichkeit der Welt nicht zu vergessen. Im Pontifikalamt am Montag (26.12.2011) in der Überwasserkirche in Münster kritisierte er ausdrücklich die aktuelle Bleiberechtsregelung.
Mit der Geburt seines Sohnes sage Gott "definitiv Ja" zur Schöpfung und zu allen Menschen, "zu allen Völkern – ohne Ausnahme", sagte Geerlings. Dieses Ja gelte auch, wenn Menschen sündig, gottlos, ja "gottunfähig" seien: "Gott nimmt den Menschen an ohne Vorleistung – trotz aller Schuld." Gottes liebendes Wirken liege allen menschlichen Erlösungsbemühungen voraus. Zu glauben heiße, Gottes Ja dankbar anzunehmen.
"Kein menschengemäßes Bleiberecht"
Das Ja heiße jedoch nicht, "zu allem Ja und Amen zu sagen". Wenn Gott Ja sagen würde zu der Art, wie Menschen miteinander und mit der Schöpfung umgehen, wie sie ihr Leben auf Kosten anderer gestalten, wie sie sich bekriegen und Konflikte nicht beilegen, dann hätte Gottes Ja "mit der wirklichen Gestalt dieser Welt nichts mehr zu tun". Der Weihbischof erinnerte daran, "wie man gnadenlos mit Flüchtlingen umgeht" und ihnen Zukunftsperspektiven abschneide, weil die deutsche Politik "nicht in der Lage ist, ein menschengemäßes Bleiberecht zu formulieren".
Gottes Ja zum Menschen, das die Kirche an Weihnachten feiere, enthalte das Kreuz Jesu. Dafür stehe auch der erste Märtyrer Stephanus, an den die Kirche am zweiten Weihnachtstag erinnert. Er mahne auch heutige Christen, ihr Ja wahrhaftig zu sprechen.
Glaube als Widerspruch
Ohne Gottes Nein zu mancher Ausprägung der Welt würde "die Gnade verbilligt", aus dem Herrn und Schöpfer würde ein "lieber Gott" zum Kuscheln, bei dem alles erlaubt sei. Glaube liefe Gefahr, konformistisch zu werden, wenn er nicht Widerspruch erfahren würde und selbst zum Widerspruch nicht fähig wäre. Geerlings sprach vom "Ärgernis des Glaubens".
Der Begriff Ärgernis dürfe aber nicht ideologisch gelten und dazu dienen, sich gegen "notwendige Entwicklungen und Reformen der Kirche" zu sperren oder solche Traditionen zu verteidigen, die obsolet seien und "den Zugang zum Glauben eher versperren". Die Kirche dürfe sich "nicht vom Schatz ihrer Wahrheit abwenden", aber müsse im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils die neuen Lebensverhältnisse mitbedenken, sagte der Weihbischof. Angesichts der Gottunfähigkeit mancher Zeitgenossen müsse die Kirche Alternativen anbieten. Deshalb sei auch der begonnene Dialogprozess zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland "so wichtig. Wir sollten uns den nicht kleinreden lassen."
Geerlings sprach den Christen auch Mut zu. Bei der Steinigung des Stephanus habe Saulus, der später noch von Gott berufen werde, zur Gegenseite gehört. Das zeige, dass Gott "im vermeintlichen Niedergang schon längst die Zeichen des Neubeginns" setze.
Trauer über Anschläge in Nigeria
Nach den islamistischen Bombenanschlägen auf christliche Kirchen in Nigeria am Sonntag (25.12.2011) mit mindestens 40 Toten hat sich Weihbischof Dieter Geerlings betroffen geäußert. In Deutschland würden Christen nicht verfolgt, das sei in vielen Weltregionen anders, "wie wir jetzt gerade wieder schmerzlich in Nigeria erleben", sagte Geerlings in der Predigt im Pontifikalamt am Montag (26.12.2011). Christen erlebten Verfolgung aus unterschiedlichen Gründen. Das werde hierzulande "leider kaum zur Kenntnis genommen".
Mehr zum Thema in kirchensite.de:
Dokumentiert: Die Predigt von Weihbischof Dieter Geerlings (26.12.2011)
Dossier: Advent und Weihnachten
Übersicht: Weihbischof Dieter Geerlings
Text: Jens Joest | Foto: Michael Bönte
26.12.2011
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