
Benedikt XVI.
Katholiken in aller Welt feiern Weihnachten
Papst ruft zu Frieden und Dialog in den Krisenregionen auf
Vatikanstadt / Freiburg / Betlehem. Benedikt XVI. hat zu Weihnachten (25.12.2011) zu Versöhnung und Frieden in der Welt aufgerufen, vor allem in den Krisenregionen Afrikas und im Nahen Osten. Er sprach sich für eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern sowie für ein Ende der Gewalt in Syrien aus.
"Er, der der Friedensfürst ist, schenke dem Land, das er erwählt hat, um zur Welt zu kommen, Frieden und Stabilität, indem er zur Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern ermutige", sagte der Papst. "Er lasse die Gewalttätigkeiten in Syrien aufhören, wo schon so viel Blut vergossen worden ist. Er begünstige volle Versöhnung und Stabilität im Irak und in Afghanistan. Er schenke allen Teilen der Gesellschaft in den Ländern Nordafrikas und des Vorderen Orients neue Kraft beim Aufbau des Allgemeinwohls." Nach seiner Weihnachtsansprache spendete Benedikt XVI. den Segen "Urbi et orbi – der Stadt Rom und dem Erdkreis".
Kein "Fest der Geschäfte"
In seiner Botschaft verwies der Papst ferner auf die Situation am Horn von Afrika, wo die Menschen unter Hunger, Not und politischer Unsicherheit litten. Die internationale Gemeinschaft rief er auf, den vielen Flüchtlingen zu helfen, die in ihrer Würde hart auf die Probe gestellt seien. Zudem erbat er Gottes Hilfe für Dialog und Zusammenarbeit in Birma sowie Rechtssicherheit für die Bewohner Süd-Sudans.
Am späten Samstagabend (24.12.2011) hatte Benedikt XVI. sich in der Christmette im Petersdom gegen eine Fixierung auf das Materielle, das Messbare und Greifbare gewandt. Er rief die Menschen zu Demut und Einfachheit auf. Das Fest der Geburt Christi sei heute zu einem "Fest der Geschäfte geworden". Die Christen sollten "durch die glänzenden Fassaden dieser Zeit hindurchschauen bis zum Kind im Stall zu Betlehem, um so die wahre Freude und das wirkliche Licht zu entdecken".
Zollitsch: Nicht aus der Welt zurückziehen
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, rief die Christen auf, sich nicht aus der Welt zurückzuziehen. Entscheidend sei, sich Gott zuzuwenden und nicht zu glauben, auf ihn verzichten zu können. "Es wäre allerdings grundfalsch, daraus abzuleiten, wir Christen sollten aus der Welt fliehen", sagte Zollitsch am Sonntag (25.12.2011) in Freiburg. Christen dürften sich aber nicht von den "vermeintlich allzu wichtigen Fragen der Welt" völlig in Beschlag nehmen lassen.
Zollitsch betonte, Gott habe an Weihnachten die Menschen zu Partnern auf Augenhöhe gemacht. "Gott ist nicht derjenige, der fern und abgehoben über den Menschen thront oder aus der Distanz auf uns herabschaut." Es sei an jedem einzelnen, sich auf das Angebot Gottes einzulassen: "Partnerschaft braucht die Offenheit und das Engagement beider Seiten."
Der Erzbischof äußerte die Sorge, dass heute viele glaubten, sich nur auf sich selbst verlassen zu können. Alles nur aus eigener Kraft leisten zu wollen, sei aber der falsche Weg. "Nicht zuletzt die selbst gemachten Krisen wie die Eurokrise oder Fukushima zeigen uns unsere Grenzen auf", sagte Zollitsch in dem Gottesdienst, den das ZDF direkt übertrug.
Feiern in Betlehem – Anschlag in Nigeria
In Betlehem rief der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, zum Ende von Gewalt und Ungerechtigkeit auf. Mit Blick auf den arabischen Frühling appellierte er an die Religionsführer, nicht einfach Zuschauer der "radikalen Veränderungen" in der Region zu sein. Das Streben gerade der Jungen nach einer besseren Zukunft sei angesichts der wirtschaftlichen und politischen Situation legitim. Besonders rief das Oberhaupt der Katholiken im Heiligen Land zum Gebet um Frieden und Versöhnung in Syrien, Ägypten, Irak und Nordafrika auf. An der Christmette in Betlehems katholischer Katharinenkirche nahm auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teil.
Mindestens 20 Tote und zahlreiche Verletzte gab es am Sonntag (25.12.2011) beim Anschlag auf eine katholische Kirche in Nigeria. Während des Weihnachtsgottesdienstes erschütterte eine Explosion die Kirche St. Theresa in der Kleinstadt Madalla. Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen. Spekuliert wird jedoch, dass die islamistische Sekte Boko Haram verantwortlich sein könnte. Sie hatte sich in den vergangenen Tagen zu verschiedenen Anschlägen in Nordnigeria bekannt.
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH, jjo
25.12.2011
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