
Bischof Felix Genn.
Christmette und Pontifikalamt am ersten Weihnachtstag
Genn: Von der Weihnachtsbotschaft durchdringen lassen
Bistum. Bischof Felix Genn hat die Christen aufgerufen, sich ganz von der Weihnachtsbotschaft durchdringen zu lassen. Indem Gott selbst Mensch werde, verbinde er sich mit jedem Einzelnen – eine endgültige Zusage in einer "Liebe, die umsonst sich verschenkt", sagte Genn im Pontifikalamt am Sonntag (25.12.2011) in der Überwasserkirche in Münster. In der Heiligen Nacht in Überwasser wünschte Genn den Christen, dass der Herr sich in die Krippe ihrer Herzen lege.
Der Bischof blickte am Weihnachtsmorgen auf "das Getriebe der vorweihnachtlichen Wochen". Sie könnten "ihren Lauf nehmen ohne irgendeinen Bezug" zur Geburt Jesu. Das Fest gebe manchen Familien nur noch einen "Rahmen" für "individuelle Züge": "Aber damit verliert das Fest seinen inneren Punkt."
Kostbares Samenkorn
Die Menschwerdung Gottes helfe, die "unermessliche und grenzenlose Würde" des Nächsten und von sich selbst zu entdecken. Genn wünschte den Christen, dass die Botschaft der Weihnacht und von Gottes Liebe in ihre Herzen eindringe wie ein kostbares Samenkorn und wachsen könne. Jeder werde zum Freudenboten, der sich ganz von der Botschaft durchdringen lasse.
Der Bischof verwies auf den später in Mainz wirkenden Bischof Wilhelm Emmanuel von Ketteler, am ersten Weihnachtstag vor 200 Jahren in Münster geboren, und würdigte dessen Bedeutung für die kirchliche Soziallehre. Wie Ketteler im Großen könne jeder Christ die Botschaft der Weihnacht und der Liebe Gottes "im Kleinen" verkörpern.
Gott verbindet sich mit dem Menschlichen
In der Christmette in der Heiligen Nacht sagte Genn, Gott offenbare sich denen, die wie die Hirten aufbrechen – und ihr Herz öffnen. Auch die Niedrigen hätten von der Rettung durch das Kind wissen sollen, das später am Kreuz bereit war, alle Sünden auf sich zu nehmen. In Jesu Geburt verbinde sich das Göttliche "mit dem armselig Menschlichen", mit der Krippe, den Hirten, "mit den Ausgestoßenen, den Bedrückten und Beladenen".
Das Licht wolle gerade in die Tiefe des Dunkels dringen, auch zu Menschen, für die Weihnachten "im Augenblick weit weg" sei. Genn dachte an die Eltern der drei Jugendlichen aus Nottuln, die Anfang Dezember bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren, und an die Opfer des Amoklaufs von Lüttich in Belgien vor wenigen Tagen. Auch die Lasten, die die Gottesdienstbesucher selbst trugen oder mit anderen teilten, bezog der Bischof ein. Alle Situationen, in denen ein Mensch "unten" sei, seien von dem angenommen, der sich für die Krippe nicht zu schade war.
Mit Blick auf die in den vergangenen Wochen bekannt gewordene Mordserie durch Rechtsextreme in Deutschland sagte der Bischof, wer Weihnachten feiere, könne alle Menschen als seine Geschwister ansehen – auch Fremde und Ausgegrenzte. Der christliche Glaube wehre allem Nationalismus.
Weihnachtsfreude aus Münster in alle Welt gesendet
Am ersten Weihnachtstag konnten Menschen in aller Welt die Weihnachtsfreude mit Katholiken im Bistum Münster teilen: Aus der St.-Agatha-Kirche in Münster-Angelmodde übertrug der Deutschlandfunk um 10 Uhr die Eucharistie. Über den zugeschalteten Auslandsrundfunk Deutsche Welle war der Gottesdienst weltweit zu hören. Die Messe zelebrierte Pfarrer Jörg Hagemann.
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Dokumentiert: Bischofspredigt in der Heiligen Nacht (25.12.2011)
Dokumentiert: Bischofspredigt am ersten Weihnachtstag (25.12.2011)
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Dossier: Bischof Felix Genn
Text: Jens Joest | Foto: Michael Bönte
25.12.2011
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