
Empfing heimlich die Priesterweihe in der KZ-Baracke: Karl Leisner.
Priesterweihe in der KZ-Baracke
Karl Leisner (1915-1945)
Kurzvita:
Aus einer katholischen Familie am Niederrhein stammend, engagierte sich Karl Leisner während seiner Schulzeit besonders für die katholische Jungschar, deren Diözesanführer er zu Beginn seines Theologiestudiums in Münster wurde. Nach seiner Diakonenweihe diagnostizierte man bei ihm eine schwere Lungenerkrankung, die er sich vermutlich während seiner Zeit beim Reichsarbeitsdienst zugezogen hatte. Er kam in ein Sanatorium im Schwarzwald. Dort wurde Leisner, als er das gescheiterte Münchener Attentat auf Hitler mit "Schade" kommentierte, von einem Mitpatienten bei der Gestapo angezeigt und noch am selben Tag verhaftet. Nach einiger Zeit in Schutzhaft an verschiedenen Orten, wurde er schließlich ins Konzentrationslager Dachau bei München gebracht, wo er bis zum Kriegsende blieb. Heimlich empfing er dort am 17. Dezember 1944 die Priesterweihe durch Bischof Gabriel Piguet aus dem französischen Clermont-Ferrand. Nach der Befreiung Dachaus wurde Leisner ins Waldsanatorium Planegg gebracht, wo er drei Monate später starb.
Biographische Daten:
28.02.1915 - Geburt Karl Leisners in Rees
1921 bis 1925 - Besuch der Volksschule in Rees, später in Kleve
1925 bis 1934 - Besuch des Gymnasiums in Kleve
05.05.1934 - Beginn des Theologiestudiums in Münster
17.09.1934 - Ernennung zum Diözesanjungscharführer
1936/1937 - Theologiestudium in Freiburg
1937 - Reichsarbeitsdienst in Sachsen und dem Emsland
04.04.1938 - Aufnahme ins Priesterseminar in Münster
25.03.1939 - Diakonenweihe durch Bischof Clemens August Graf von Galen
ab 05.06.1939 - Aufenthalt im Lungensanatorium "Fürstabt-Gerbert-Haus" in St. Blasien
09.11.1939 - Verhaftung Leisners in St. Blasien, anschließend Schutzhaft in Freiburg, Mannheim und im KZ Mauthausen
14.12.1940 - Einlieferung ins KZ Dachau
17.12.1944 - Priesterweihe in Dachau durch Bischof Gabriel Piguet
29.04.1945 - Befreiung des KZ Dachau durch die Amerikaner
04.05.1945 - Ankunft Karl Leisners im Waldsanatorium Planegg
12.08.1945 - Karl Leisner stirbt in Planegg
20.08.1945 - Beerdigung auf dem Friedhof in Kleve
03.09.1966 - Übertragung der Gebeine in die Krypta des Xantener Doms
07.12.1977 - Beginn des Seligsprechungsverfahrens
23.06.1996 - Seligsprechung Karl Leisners durch Papst Johannes Paul II. in Berlin
Vita:
Karl wurde am 28. Februar 1915 als erstes von fünf Kindern der Familie Leisner in Rees geboren. Der Vater Wilhelm Leisner arbeitete als Rentmeister beim Amtsgericht. Während des ersten Weltkrieges wurde er nach Bayern versetzt, kehrte aber mit seiner Familie nach Rees zurück, als der Krieg zu Ende war. 1921 zogen die Leisners nach Kleve, wo Karl die Volksschule besuchte.
In seiner Gymnasialzeit ab 1925 begegnete Karl Leisner einem Lehrer, der ihn tief beeindruckte: Der Religions- und Sportlehrer Walter Vinnenberg war beseelt von den Ideen der katholischen Jugendbewegung, insbesondere der Quickborn-Bewegung. Durch seine kameradschaftliche Art gewann der junge Priester schnell das Vertrauen der Jugendlichen. Als er vorschlug, am Klever Gymnasium eine christliche Jugendgruppe einzurichten, wurde Karl zum Schriftführer gewählt. Die Gruppe traf sich von nun an regelmäßig, führte Fahrten, Lager und Geländespiele durch und verband dies mit einer intensiven religiösen Betätigung.
1929 wurde Vinnenberg nach Maria Laach versetzt. Von nun an war Karl allein verantwortlich für die Gruppe. Kraft schöpfte er aus der inneren Begegnung mit Gott, die er durch Exerzitien zu vertiefen suchte. Immer mehr reifte in ihm der Entschluss, Priester werden zu wollen, der sich bei Exerzitien im niederländischen s’Heerenberg im Dezember 1933 endgültig verfestigte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich längst eine ablehnende Meinung gegenüber dem Nationalsozialismus gebildet. Im Juli 1933 waren bereits die katholischen Jugendheime geschlossen worden, als Führer einer katholischen Jugendgruppe stand Karl unter besonderer Beobachtung der Nazis. Trotz aller Schwierigkeiten meisterte er im Frühjahr 1934 das Abitur und trat anschließend zum Theologiestudium ins Borromaeum in Münster ein. Kurz zuvor war ihm die Leitung aller katholischen Jugendgruppen im Kreis Kleve anvertraut worden, im Herbst ernannte ihn Bischof Clemens August Graf von Galen sogar zum diözesanen Jungscharführer.
1936 wechselte er für zwei Semester an die Universität Freiburg. Hier lernte er Elisabeth kennen, die älteste Tochter seiner Hauswirtsfamilie, und verliebte sich in sie. An Ostern 1937 bekam er den Befehl, sich zum Reichsarbeitsdienst in Sachsen zu melden. Anschließend wurde er ins Emsland verlegt, wo er mit seinen Kameraden ein Sumpfgebiet trockenzulegen hatte. Im Oktober 1937 kehrte er zu seinen Eltern nach Kleve zurück, um ihnen mitzuteilen, dass er sich endgültig für den Priesterberuf und damit gegen eine Beziehung mit Elisabeth entschieden habe. Kurz darauf durchsuchte die Gestapo das Haus der Leisners unter dem Vorwand, dort werde eine "Nachrichtenzentrale für die katholische Bewegung" betrieben. Karls Tagebücher wurden konfisziert, seine Briefe von nun an geöffnet.
Im Frühjahr 1939 weihte ihn Bischof Clemens August zum Diakon. Bald darauf machte sich eine Lungenkrankheit bemerkbar, die als Tuberkulose diagnostiziert wurde - wahrscheinlich ein "Andenken" an den Arbeitsdienst in den Sümpfen des Emslands. Der junge Diakon bekam einen Platz im "Fürstabt-Gerbert-Haus", einem Lungensanatorium in St. Blasien im Schwarzwald. Dort erfuhr er am 9. November 1939 vom fehlgeschlagenen Bombenattentat Georg Elsers auf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller. "Schade, dass er (Hitler, Anm. d. Red.) nicht dabei war", entfuhr es ihm. Obschon er diesen Ausspruch in einer vertrauten Runde tätigte, gelangte dieses Wort an die örtliche Gestapo, die ihn noch am selben Tag verhaftete und für rund ein Jahr ein Schutzhaft nahm, ehe er ins Konzentrationslager Dachau überstellt wurde.
In Dachau kümmerte er sich liebevoll um seine Mitgefangenen, spendete Trost und Zuversicht und brachte vielen die heilige Kommunion, die er stets versteckt bei sich trug. Nach dem feuchten Frühjahr 1942 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand jedoch zusehends. Als im März eine Blutung in der Lunge auftrat, wurde er ins gefürchtete Krankenrevier des Lagers verlegt. Immer dann, wenn ein so genannter "Invalidentransport" in andere Lager angekündigt war, wurde er jedoch von ihm wohl gesonnenen Aufsehern für die Dauer der Aktion in den Priesterblock entlassen.
Immer brennender wuchs in ihm der Wunsch, endlich die Priesterweihe empfangen zu dürfen. Die Idee wurde konkret, als im September 1944 mit Gabriel Piguet, dem Bischof von Clermont-Ferrand in Frankreich, erstmals ein Bischof im Lager inhaftiert wurde. Mit illegaler Post richtete Leisner aus Dachau die Bitte an Bischof Clemens August in Münster, dass er auch in Gefangenschaft geweiht werden möge. Galens Zustimmung traf, bedingt durch die widrigen Umstände, erst im Dezember des Jahres ein. Mit großer Begeisterung machten sich die Häftlinge daran, im Untergrund die notwendigen Gegenstände für die Priesterweihe - Paramente, eine Mitra, Bischofsstab und Ring - herzustellen.
Am 17. Dezember, dem Gaudete-Sonntag, wurde Karl Leisner zum Priester geweiht. Zahlreiche Priester aus aller Herren Länder, die unter den grausamen Umständen des Konzentrationslagers zusammengefunden hatten, legten ihm nacheinander die Hände auf. Er selbst konnte diese Feier nur unter äußerster Kraftanstrengung begehen, so sehr hatte ihn seine Krankheit aufgezehrt. Er brauchte fast eine Woche, um sich von dem Kräfte zehrenden Ereignis zu erholen. Am Festtag des heiligen Stephanus, am 26. Dezember 1944, feierte Leisner seine erste und gleichzeitig letzte heilige Messe. Nach dieser Primiz verschlechterte sich die gesundheitliche Konstitution des Häftlings drastisch.
Nachdem die Amerikaner das Lager befreit, wegen einer Epidemie aber unter Quarantäne gestellt hatten, gelang es seinem Mithäftling Pater Otto Pies und dem Stadtpfarrer von Dachau, den bettlägerigen Leisner aus dem KZ herauszuschmuggeln. Er wurde im Waldsanatorium Planegg bei München untergebracht. Am 30. Mai empfing der Todkranke dort die Sterbesakramente. Am 12. August 1944 verstarb er in Planegg. Sein letzter Tagebucheintrag vom 25. Juli lautete: "Segne auch, Höchster, meine Feinde!"
Gebet zum Gedenktag des seligen Karl Leisner am 12. August:
Herr, unser Gott, du hast dem seligen Priester Karl Leisner eine leidenschaftliche Liebe zu Christus geschenkt. Diese bezeugte er bis zum Martyrium, das er für die Jugend der Kirche auf sich nahm. Gib auch uns auf seine Fürsprache die Kraft, als unerschrockene Zeugen für das Evangelium einzutreten und so dein Reich der Wahrheit und der Gerechtigkeit sichtbar zu machen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
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