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01.07.2016
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Jeder Bürger soll sich entscheiden

Bundestagsfraktionen: Einigung auf Organspende-Reform

Berlin. Für Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, gibt es neue Hoffnung. Bürger in Deutschland sollen künftig gezielter vor die Entscheidung gestellt werden, ob sie zu einer Organspende bereit sind oder nicht.

Nach monatelangem Ringen einigen sich die Chefs der fünf Bundestagsfraktionen CDU / CSU, SPD, Grüne, FDP und Linkspartei am Donnerstag (24.11.2011) auf einen gemeinsamen Antrag mit dem Ziel, die Zahl der Organspender in Deutschland zu erhöhen. Bis Jahresende soll der Antrag vorliegen. Geplant ist, eine Änderung des Transplantationsgesetzes in der ersten Jahreshälfte 2012 durch den Bundestag zu bringen.

Regelmäßig Bereitschaft abfragen

Zentraler Punkt der Einigung: Anders als bisher sollen die Bürger künftig "regelmäßig, etwa mit dem Versand der Versichertenkarte, und mit einer höheren Verbindlichkeit abgefragt werden", ob sie zu einer Spende bereit sind. Einerseits sollen die Bürger also mit mehr Nachdruck mit dem für viele unangenehmen Thema konfrontiert werden. Andererseits aber sollen Antworten nicht erzwungen oder Sanktionen angedroht werden. Damit reagieren die Parteien auch auf Erkenntnisse der Bundesärztekammer, die zunächst einen Zwang zur Erklärung befürwortete, dann aber aus verfassungsrechtlichen Bedenken von dieser Pflicht abrückte.

"Ich bin froh, dass wir eine Verständigung erzielen konnten", sagte Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) der Internetredaktion "Spiegel Online". Kauder hatte das Thema gemeinsam mit Frank-Walter Steinmeier vorangetrieben. Der SPD-Fraktionschef hatte im Sommer 2010 selbst seiner Frau eine Niere gespendet und damit das Thema Organspende neu auf die Tagesordnung gesetzt.

Einige Fragen bleiben offen

Bei aller Freude über die Einigung: Wichtige Fragen bleiben offen: So bleibt unklar, wie die Medizin künftig mit potenziellen Organspendern umgeht, die sich ausdrücklich nicht festgelegt haben. Wird bei ihnen stillschweigend vorausgesetzt, dass man transplantieren darf, weil kein Widerspruch vorliegt? Oder wird nicht transplantiert, weil keine ausdrückliche Zustimmung vorliegt? Aus Kreisen der Union hieß es, über dieses Thema müsse noch verhandelt werden. Position der Union sei es aber, dass die Bürger nicht bevormundet werden dürften und die Organspende freiwillig bleiben müsse.

Mit der neuen Regelung reagieren die Parteien auch auf eine sehr widersprüchliche Situation: Einerseits zeigen sich 75 Prozent der Deutschen in Umfragen zur Organspende bereit. Andererseits verfügen aber nur etwas mehr als 20 Prozent über einen entsprechenden Ausweis. Jährlich warten in Deutschland etwa 12.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Rund 1.000 von ihnen sterben, weil eine geeignete Niere, Leber, Lunge oder ein Spenderherz nicht zur Verfügung stehen.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedBischöfe für strikte Freiwilligkeit bei Organspende (06.10.2011)
  2. undefinedBischof Genn erhält Organspendeausweis (29.10.2010)

Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH
24.11.2011

    1. Weihbischof Losinger begrüßt Organspende-Einigung

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