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02.07.2016
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Pakete

Experten sagen: "Weihnachten im Schuhkarton" hilft nicht nachhaltig.

"Im Widerspruch zu vernünftiger Entwicklungsarbeit"

Fachleute warnen vor Aktion "Weihnachten im Schuhkarton"

Bonn. Bei 670 Kindergärten des Erzbistums Köln ging kürzlich eine E-Mail ein: Mit deutlichen Worten bat Bernhard Riedl, in der Diözese zuständig für Bildung, nicht bei der Aktion "Weihnachten im Schuhkarton" mitzumachen.

Bei der aus den USA stammenden Initiative packen Menschen Geschenke für arme Kinder in anderen Ländern. Hinter der Aktion stecke eine "höchst evangelikale Organisation", deren Spenden-Modell im Widerspruch stehe zu einer "vernünftigen Entwicklungsarbeit". Starker Tobak für ein Projekt, das beliebt ist bei Eltern und Kindern. Aber Riedl und das Erzbistum Köln sind mit ihrer Kritik nicht allein.

Bistümer raten vom Mitmachen ab

Auch die Bistümer Trier und München raten von der Aktion ab. Sie halten deren grundsätzliche Ausrichtung für fundamentalistisch und stoßen sich zudem an der islamfeindlichen Haltung von Franklin Graham, dem Präsidenten der Dachorganisation "Samaritan's Purse". Der Sohn des Erweckungspredigers Billy Graham bezeichnete den Islam nach den Terroranschlägen vom 11.09.2001 als "teuflisch und böse". Eine problematische Mischung aus Mission und Islamfeindlichkeit, findet der Weltanschauungsbeauftragte des Bistums Trier, Matthias Neff. "Christen sollten anderen Religionen auf Augenhöhe begegnen."

Sektenfachleute üben auch praktische Kritik. Geschenke aus Deutschland gehen vor allem nach Osteuropa, in die Mongolei und nach Haiti. Für Neff ein wenig nutzbringender Ansatz. Es reiche nicht, Heranwachsenden ein Geschenk zu machen und zu glauben, damit sei ihnen geholfen. "Diese Kinder brauchen nachhaltige Unterstützung, Bildung oder Medikamente zum Beispiel." Neffs Münchner Kollege Axel Seegers stimmt zu. Er frage sich, ob ein Kind in Afrika oder Asien überhaupt etwas mit einem Teddybären anfangen könne. "Es geht um Produkte aus unserer Hemisphäre, dahinter steckt unser Verständnis des Spielens." Damit könnten anderen Kulturkreisen europäische Verhaltensmuster aufgezwungen werden.

Problematische Infos zum Christentum

Für grenzwertig halten die Experten auch das Infomaterial, das "Samaritan's Purse" mit den Geschenken verteilt – ein buntes Heft, das mit einfachen Erzählungen für das Christentum wirbt. Und vor Verallgemeinerungen nicht zurückschreckt. Ein Junge ist zum Beispiel zu sehen, der gesteht, ein Sünder zu sein und falsche Entscheidungen getroffen zu haben, bevor er dank seiner Hinwendung zu Gott auf den Pfad der Tugend findet. Seegers findet das zu simpel. "Da ist dieser Dreiklang: Erst ist alles schlecht, dann kommt die Bekehrung, und dann ist alles gut."

Auf ihrer deutschen Internetseite gehen die Initiatoren von "Weihnachten im Schuhkarton" auf Kritik ein. Die Annahme des Infohefts sei keine Bedingung, um ein Geschenk zu bekommen. Natürlich sei ein einmaliges Präsent wenig geeignet, nachhaltige Entwicklungshilfe zu leisten. Aber jedes Päckchen bereite eine Freude, die nachwirke. Die grundsätzlichen Bedenken der katholischen Sektenexperten kann das nicht entkräften. Sie haben den Eindruck, die Aktion helfe eher den Schenkenden als den Beschenkten.

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