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25.05.2012
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Müller

Bischof Gerhard Ludwig Müller.

Katholischer deutscher "Ökumene-Bischof":

Müller kritisiert evangelische Bilanz des Papstbesuchs

Regensburg / Passau. Der Vorsitzende der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gerhard Ludwig Müller, kritisiert die enttäuschte Bilanz der Protestanten nach dem Besuch des Papstes in Deutschland. Offenbar hätten einige erwartet, Benedikt XVI. werde die katholische Kirche teilweise in eine evangelisch-konfessionelle Richtung lenken, sagte der Regensburger Bischof am Mittwoch (09.11.2011) der "Passauer Neuen Presse". Das habe mit Ökumene nichts zu tun.

Müller bedauerte vereinzelte "unqualifizierte und polemische Äußerungen" von evangelischer Seite. Wer so spreche, müsse damit rechnen, "dass wir Katholiken das sehr ernst nehmen und diesen abschätzigen antikatholischen Tonfall scharf zurückweisen". Wenn die Polemik des 16. Jahrhunderts weitergeführt würde, wäre das "der Tod der Ökumene". Der Bischof sagte, auf ihn wirke das wie der Versuch, 500 Jahre nach der Reformation Recht zu bekommen.

Papst steht nicht gegen "angebliche Mehrheit"

Müller wandte sich gegen Vorwürfe, der Papst habe Luther nicht ausreichend gewürdigt. Benedikt XVI. habe den Punkt herausgegriffen, der ökumenisch fruchtbar sei, nämlich Luthers radikale Gottbezogenheit. Der Bischof trat Versuchen entgegen, Papst und Bischöfe "gegen die angebliche Mehrheit der katholischen Bevölkerung" auszuspielen. Wer meine, er könne einen Teil der Katholiken auf seine Seite ziehen oder gar die katholische Kirche protestantisieren, folge dem "Konzept einer deutschen Nationalkirche unter preußisch-protestantischer Führung wie zur Kulturkampfzeit unter Bismarck".

Der Bischof warnte in diesem Zusammenhang vor aus seiner Sicht falschen Verbündeten. Er nannte ausdrücklich "sektiererische Grüppchen wie 'Wir sind Kirche'". Skeptisch zeigte er sich gegenüber dem "Gerede", die Christen "an der Basis" seien in der Ökumene schon weiter. "Die Basis sind nicht die Laien und schon gar nicht Leute, die sich als Basis ausgeben", betonte er. Er warnte in der Ökumene vor konfessionellem "Relativismus, mit dem man sich über die Lehren des Glaubens hinwegsetzt".

Gespaltene Bilanz von Präses Schneider

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, hatte am Sonntag (06.11.2011) eine gespaltene Bilanz des Papstbesuchs gezogen. Während die nichtöffentliche Begegnung im Augustinerkloster in Erfurt von einem "geschwisterlichen Geist" geprägt gewesen sei, sei die Predigt Benedikts XVI. im anschließenden Gottesdienst "für viele ökumenisch engagierte Menschen enttäuschend" gewesen. Brennende Fragen des ökumenischen Dialogs habe der Papst gar nicht oder nur missverständlich angesprochen.

"Vor allem der Begriff 'Gastgeschenk' führte auf beiden Seiten der Ökumene zu Irritationen", sagte Schneider. "Geschenke" habe niemand erwartet, wohl aber inhaltliche Impulse. "Dass der Papst in seiner Predigt ein Verständnis der ökumenisch-theologischen Gespräche unterstellte, das sich an Verhandlungen zwischen politischen Vertragsparteien orientiere, geht an der Haltung der reformatorischen Kirchen völlig vorbei", betonte der Ratsvorsitzende.

Die Predigt könne und solle aber nicht das Bild der Begegnung in Erfurt bestimmen. Positiv bleibe festzuhalten: Der Papstbesuch "hatte eine theologische Grundtonart, der wir evangelische Christenmenschen gerne zustimmen: Vergesst Gott nicht!" Die evangelische Kirche werde keine bereits geöffneten Fenster wieder schließen. "Wir lassen uns nicht beirren, wir werden die in den letzten Jahren gewachsenen vertrauensvollen ökumenischen Beziehungen weiter pflegen und beharrlich bei unserer ökumenischen Ausrichtung bleiben", unterstrich Schneider.

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  1. Öffnet internen Link im aktuellen FensterÜbersicht: Ökumene
  2. Öffnet internen Link im aktuellen FensterSchwerpunktthema: Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland 2011

Text: Öffnet externen Link in neuem FensterKNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Bistum Regensburg
09.11.2011

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