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25.05.2012
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Wertvolle Exponate werden in den lichten Vitrinen des Xantener Stiftsarchivs seit einem Jahr gezeigt.

Wertvolle Exponate werden in den lichten Vitrinen des Xantener Stiftsarchivs seit einem Jahr gezeigt.

Das Stiftsmuseum in Xanten

Spannende Reise durch die Geschichte

Xanten. Es tut Not, Geschichte wahrzunehmen und ihrer zu gedenken. Hier können Menschen teilhaben an dem, was sich in den Jahrhunderten des Glaubens und Lebens zugetragen hat, denn christlicher Glaube ist ohne Geschichte nicht denkbar." Mit diesen Worten beschrieb Bischof Felix Genn  bei der feierlichen Eröffnung vor einem Jahr das Stiftsmuseum Xanten.

Nach fast 20 Jahren, in denen das Museum zunächst nur in den Köpfen einiger Gestalt annahm – wie vor allem in dem des heutigen Leiters des Stiftsmuseums und Domkustos Udo Grote – nach Jahren der Planung und der Bauphasen, haben jetzt Zeugnisse vergangener Epochen, Skulpturen, Kulturgegenstände und weltweit einmalige Kirchenschätze sowie die Historie des Xantener Doms ihren Platz in dem Stiftsmuseum gefunden.

Für Bischof Genn ist dieses Museum deshalb ein "Symbol unserer Zeit". Es könne dem Vergessen von Vergangenem entgegen wirken. Doch das Museum will nicht nur ein Ort der Erinnerung bleiben. Es ist ein Ort der Verkündung. "Ein Ort, wo Menschen neugierig werden und Fragen stellen", formuliert es Generalvikar Nobert Kleyboldt.

Das Museum ist in zweierlei Hinsicht einzigartig im Bistum. So vereinigt es drei Einheiten unter einem Dach: Das Stiftsmuseum, in dem im Rahmen einer Dauerausstellung kostbare Skulpturen, liturgische Geräte und Gewänder, Reliquiare, Textilien und Schriften gezeigt werden; das Archiv, das den größten Bestand mittelalterlicher Archivalien – mehrere tausend Urkunden und Akten – deutschlandweit aufweist und in den Urkunden beispielsweise vertragliche Vereinbarungen zwischen dem Propst und den Stiftsherren über eine der ausgestellten Skulpturen aufzeigt, sowie die Bibliothek. Dort sind 15.000 Druckwerke ausgestellt, darunter 450 kostbare Inkunabeln, die nach unterschiedlichen Sachgruppen sortiert sind, von denen die Theologie mit 134 Bibelausgaben die größte ist. Jedoch belegen die umfangreichen Bestände zu beispielsweise Medizin, Botanik, Alchemie, Philosophie, Politik oder Rechtswissenschaften die vielseitigen Interessen der Stiftsherren.

Die Bibliothek mit ihren wertvollen Drucken steht im Mittelpunkt eines Rundganges.

Weiterhin gibt es eine wertvolle Sammlung kirchlicher Handschriften auf Pergament, die mit faszinierenden Bildern farbenreich verziert sind. "Wir haben eine der größten Sammlungen in Deutschland, mit Buchdrucken aus dem 15. und 16. Jahrhundert", sagt Elisabeth Maas, stellvertretende Leiterin des Stiftsmuseums.

Doch es ist nicht nur die enge Verzahnung der drei Bereiche, die das Museum aus der Landschaft vergleichbarer Einrichtungen heraushebt. Es ist darüber hinaus der Umstand, dass dieses Museum in den historischen Gebäuden des Viktor-Stifts untergebracht ist. Also in den Räumen, in denen die Kanoniker seit der Mitte des achten Jahrhunderts bis Anfang des 19. Jahrhunderts gelebt, ihre Liturgie gefeiert und für ihr wirtschaftliches Auskommen gesorgt haben.

Die Museumsgebäude umschließen den Kreuzgang, der auf der Nordseite des St.-Viktor-Doms liegt und integrieren die Bibliothek, die sich seit 500 Jahren am gleichen Ort befindet, die ehemalige Stiftsschule, die Weinstube, die Kellnerei und den Sängersaal. Die Sammlung ist einerseits thematisch und dann chronologisch aufgearbeitet und präsentiert die Kostbarkeiten aus zwei Jahrtausenden. Jedes Exponat hat seinen Platz in einer individuell auf seine optimale Präsentation angefertigten Vitrine gefunden. Flankiert von weltlichen Exponaten und Dokumenten werden die Kirchenschätze in den geschichtlichen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kontext ihrer Zeit gesetzt.

So wird in zehn Themenräumen auf 800 Quadratmetern ein faszinierender Spannungsbogen über die geistliche und weltliche Geschichte des Niederrheins und darüber hinaus  geschlagen und Geschichte begreifbar gemacht – ausgehend vom römischen Einfluss in der Region um Xanten um 100 nach Christus bis zur Auflösung des Xantener Stifts im Zug der Säkularisation 1802.

Ein Gang durch diese Räume gleicht einer spannenden Zeitreise durch die Geschichte, die beispielsweise durch einige herausragende Exponate veranschaulicht wird. Die Ausstellungsstücke wiederum werden durch eine moderne Präsentation in besonderer Weise dargestellt. Die Xantener Turm-Monstranz gehört sicher zu den herausragenden Besonderheiten  des Museums. Sie ist eine der frühesten in Europa und besteht aus vergoldetem Silber, das getrieben, gegossen und graviert ist. Die Monstranz ist in den gotischen Formen des 14. Jahrhunderts architektonisch gestaltet und ist eine der frühesterhaltenen in Europa.

Jungen Besuchern wird die Geschichte in eigens aufbereiteten Führungen erläutert.

Eines der geschichtlich interessantesten Exponate ist die Kasel des heiligen Bernhard von Clairvaux. Sie ist aus Seide und, typisch für diese Zeit, glockenförmig. Bis auf die feine Musterung ist sie schmucklos und soll vor allem durch ihre stoffliche Kostbarkeit wirken.

Die Glockenkasel wurde am 4. Februar 1821 aus der Abtei Brauweiler vom Xantener Pfarrer Spenrath – zuvor Mönch in Brauweiler und seit 1811 Pfarrer in Xanten – in den Xantener Kirchenschatz überführt und soll vom heiligen Bernhard bei seinem Besuch in Brauweiler getragen worden sein, wo er für den zweiten Kreuzzug predigte. Weitere Exponate sind die Almosentasche oder die Schedelsche Weltchronik.

Zurzeit wartet das Stiftsmuseum mit einer Sonderausstellung auf, die dem Anspruch der Verkündigung in besonderer Weise gerecht wird. Bis zum 20. November werden Evangelienbücher mit zeitgenössischen Bucheinbänden gezeigt. Moderne Künstler haben sich mit dem Anspruch des Evangelienbuchs beschäftigt, dem im Gottesdienst höchste Bedeutung zukommt.

Das Museum

Das Stiftsmuseum Xanten versteht sich als niederrheinisches Kulturzentrum. Es zeigt Kostbarkeiten aus Gold, Silber, Elfenbein und Edelsteinen. Das Museum, in unmittelbarer Nähe des Xantener Doms gelegen, öffnet dienstags bis samstags in der Zeit von 10 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr, montags bleibt es geschlossen. Der Eintritt beträgt für Erwachsene vier Euro, ermäßigt drei Euro. Kinder unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Informationen unter Tel. 02801 / 9 877820 sowie im Internet.

Mehr zum Thema in kirchensite.de:

  1. undefinedBischof Genn eröffnet das Stiftsmuseum (13.05.2010)
  2. undefinedEinladung zu einer faszinierenden Reise (12.05.2010)

Mehr zum Thema im Internet:

  1. Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.stiftsmuseum-xanten.de

Text: Jürgen Kappel | Fotos: Stiftsmuseum Xanten in Öffnet internen Link im aktuellen FensterKirche+Leben
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