
Von Kastanienbäumen beschützt: das Hofkreuz in Marbeck.
Mein Denkmal und ich (274): Hofkreuz in Marbeck
"Bitt Gott um guten Rat"
Borken. "Siehst Du an Deinem Wanderpfad / Das Kreuz des Welterlösers stehn, / Halt an! Bitt Gott um guten Rat / Damit Du nicht mögst irre gehn." – Dieser in massivem Kalkstein eingemeißelten Aufforderung aus dem Jahr 1920 kommen heute Radfahrer, Wanderer und Anwohner nach, wenn sie an der Straße von Rhade nach Marbeck an dem Kreuz gegenüber dem Hof Schulze Beikel vorbeikommen.
Die Idylle des Orts lädt zur kurzen Andacht ein. "Man sieht immer wieder Menschen andächtig am Kreuz stehen. Sie beten dort und suchen Trost", sagt Mathilde Schulze Beikel, zu deren Hof das Kreuz gehört. Alois Horstick (85), Nachbar in der Marbecker Bauerschaft, erinnert sich, dass schon in seiner Kindheit das Kreuz dort stand und "Moaß-Krüs" genannt wurde. Aus dem Plattdeutschen übersetzt heißt dies "Maas-Kreuz", denn Maas ist der alte Hofname der Familie Schulze Beikel.
Mathilde Schulze Beikel. |
Das Andachtskreuz mit dem Korpus Christi, am Ackerrain geschützt unter dem Blätterdach von drei großen Kastanienbäumen stehend wie unter einem Baldachin, ist für Auge und Seele ein Kleinod bäuerlicher Kreuzeskunst und Frömmigkeit. Historiker vermuten, dass das überdachte Kreuz früher als Segenskreuz an einem Prozessionsweg stand. Es wurde um 1920 von Heinrich Hungerhoff neu errichtet. Seitdem wird es von Mitgliedern der Familie Schulze Beikel erhalten und gepflegt. "Der jeweilige Hoferbe ist für den Erhalt und die Pflege verantwortlich", sagt Mathilde Schulze Beikel (61), die seit 1972 auf dem Hof lebt und diese Verantwortung bereits auf ihre Tochter Judith und deren Mann Markus übergeben hat, die den Hof als Forst- und Landwirtschaft betreiben. Mehrmals wurde das Kreuz restauriert, vor zehn Jahren das letzte Mal und 2002 mit einer Mai-Andacht vom damaligen Marbecker Pastor Wächter im Beisein aller Nachbarn gesegnet. Noch heute versammeln sich jedes Jahr die Gläubigen zur Mai-Andacht vor dem Hofkreuz der Familie Schulze Beikel.
Der Christuskorpus stammt von einem Vorgängerkreuz. Erneuert wurde der Sockel unter Verwendung der alten Tafel mit der Inschrift. Sollte in den nächsten Jahrzehnten eine erneute Herrichtung notwendig sein, dann finden die Restauratoren im Sockel eingemauert die Chronik des Hofs sowie Fotos der Familie und Zeitungen.
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