
Papst Benedikt bei seiner Rede im Freiburger Konzerthaus.
Mit Spannung erwartete Grundsatzrede
Papst: Keine oberflächliche Reform und Anpassung an die Welt
Freiburg. Papst Benedikt XVI. hat die katholische Kirche in Deutschland ermahnt, nicht auf weltliche Privilegien zu setzen und ihren Auftrag in der Welt konsequenter zu erfüllen. Zugleich wandte er sich gegen Forderungen nach einer oberflächlichen innerkirchlichen Reform und einer Anpassung an die Welt. Er rief die Gläubigen auf, sich selbst in ihrem Inneren zu ändern und Christus konsequenter nachzufolgen.
Das Kirchenoberhaupt äußerte sich in einer mit Spannung erwarteten Grundsatzrede am Sonntagnachmittag (25.09.2011) im Freiburger Konzerthaus vor mehreren Hundert haupt- und nebenamtlichen kirchlichen Funktionsträgern sowie Vertretern anderer Religionen, der Medien und des öffentlichen Lebens. Auch Bundespräsident Christian Wulff, Baden-Württembergs Ministerpräsiden Winfried Kretschmann (Grüne) sowie Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) waren anwesend.
Weihbischof Christoph Hegge, Weihbischof Wilfried Theising, Bischof Felix Genn, Weihbischof Heinrich Timmerevers und Weihbischof Zekorn (v.l.) stoßen an beim Treffen engagierter Katholiken aus Kirche und Gesellschaft mit Papst Benedikt. |
Gefahr, sich in der Welt einzurichten
Auf die derzeit von einigen Politikern und Juristen geforderte Abschaffung von "Staatsleistungen", Kirchensteuern und des deutschen "Staatskirchenrechts" ging der Papst nicht ausdrücklich ein. Die Kirche laufe immer wieder Gefahr, sich in der Welt einzurichten und sich den Maßstäben der Welt anzugleichen, warnte er. Dann gebe sie Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung zur Offenheit. Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, müsse die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von der "Weltlichkeit der Welt" lösen.
Der Papst veranschaulichte seine Ideen mit einem kirchengeschichtlichen Exkurs: Frühere Epochen der Säkularisierung seien eine Hilfe für die Kirche gewesen, weil sie zu ihrer Läuterung und inneren Reform beigetragen hätten. Die Enteignung von Kirchengütern und die Streichung von Privilegien bedeuteten "jedesmal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm."
"Weltlichkeit der Kirche beherzt ablegen"
Er betonte, es sei "wieder an der Zeit, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen." Frei von Privilegien verwirkliche sie den "Anspruch einer Armut, die sich zur Welt geöffnet hat, um sich von ihren materiellen Bindungen zu lösen". Die geschichtlichen Beispiele der Säkularisierung zeigten, dass das missionarische Zeugnis einer entweltlichten Kirche klarer zutage trete.
Bereits am Tag zuvor hatte er in einer Ansprache an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken die Diagnose gestellt, dass die katholische Kirche in Deutschland in ihren Strukturen und Organisationen stärker als in ihrem Glauben sei.
Magret Pernhorst (Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken), Magret Dieckmannn-Nardmann (Präsidentin des päpstlichen Missionswerk der Frauen), Marie-Therese Kastner (Bundesvorsitzende der Katholischen Elternschaft Deutschlands) und Imke Sievers (Geistliche Leiterin des Bundes der deutschen katholischen Jugend) beim Treffen engagierter Katholiken im Freiburger Konzerthaus. |
Neubesinnung statt nur neuem Anstrich
Erneut erteilte der Papst Forderungen nach oberflächlichen Reformen eine Absage. Was die Kirche betrifft, sei das grundlegende Motiv der Änderung die "apostolische Sendung der Jünger und der Kirche selbst". Dieser Sendung müsse sich die Kirche immer neu vergewissern. Erneuerungen etwa im Stile eines neuen Fassadenanstrichs oder im Sinne einer Kurskorrektur, "um schneller und geradliniger einen Weg zurückzulegen", spielten zwar eine Rolle. Viel wichtiger aber sei eine Neubesinnung auf die Frohe Botschaft.
Durch die Ansprüche und Sachzwänge der Welt werde immer wieder das Zeugnis verdunkelt. Um ihre Sendung zu verwirklichen, müsse die Kirche immer wieder auf Distanz zu ihrer Umgebung gehen, sie müsse sich gewissermaßen "ent-weltlichen". Das heiße nicht, dass sich Kirche aus der Welt zurückziehen sollte, betonte Benedikt XVI. Gerade im sozialen Engagement helfe es jedoch, eine Distanz zu kurzlebigen Dingen zu wahren.
"Schmerzliche Skandale"
Bei seiner Rede kam Benedikt XVI. noch einmal auf das Thema "sexueller Missbrauch in der Kirche" zu sprechen. Er sorge sich um die Auswirkungen dieser "schmerzlichen Skandale", bekannte der Papst. Gefährlich werde es, "wenn diese Skandale an die Stelle des primären Ärgernisses des Kreuzes treten und es dadurch unzugänglich machen, also den eigentlichen christlichen Anspruch hinter der Unbotmäßigkeit seiner Boten verdecken."
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Fotos: Michael Bönte
25.09.2011
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