
Papst Benedikt XVI.
Freudentränen bei der Marienvesper
Otto Banse erlebte in seiner Heimat Eichsfeld den Papst
Etzelsbach/Rosendahl-Darfeld. Er liebt das Münsterland, ist selbst Eichsfelder und nennt Joseph Ratzinger seinen "liebsten Professor" an der münsterischen Universität: Wer könnte den Papstbesuch im Eichsfelder Wallfahrtsort Etzelsbach fachkundiger bewerten als Otto Banse, Pfarrer in Rosendahl-Darfeld? Mit Kolping-Mitgliedern aus dem Bistum Münster hat er am Freitagabend (23.09.2011)an der Marienvesper in Etzelsbach teilgenommen, knapp zwölf Kilometer entfernt von seinem Geburtsort Breitenworbis.
Zwei Wünsche knüpfte der 70-jährige Seelsorger an die Stippvisite des Oberhaupts der katholischen Kirche in seiner Heimat: Benedikt XVI. solle die Treue der Eichsfelder zur Kirche während der DDR-Zeit anerkennen und ihnen Mut machen, auch in Zeiten "des Sittenverfalls und der Schnelllebigkeit" weiterhin zu ihrem Glauben zu stehen. Diese Erwartungen hat der Papst für Otto Banse mehr als erfüllt: "Benedikt XVI. hat den 90.000 Mitfeiernden das Bild der Schmerzhaften Mutter von Etzelsbach ausgedeutet und ihnen die Haltung der Hingabe empfohlen, weil sie auf das Herz Marias und damit auch auf das Herz des Erlösers ausgerichtet ist."
Otto Banse. |
Eichsfeld bis heute Heimat
Dem Darfelder Pfarrer ist das Eichsfeld bis heute Heimat geblieben, auch wenn er sich "ganz und gar als Münsterländer" fühlt. Das katholische Kerngebiet in protestantischem Umland im Nordwesten Thüringens sah sich im SED-Staat besonderem staatlichen Druck ausgesetzt. Für den kirchentreuen katholischen Jungen Otto Banse bedeutet das: keine Chance, das Abitur machen. Deshalb begann er eine Bäckerlehre.
Mit 16 Jahren allerdings setzte sich Otto Banse heimlich nach Westdeutschland ab, nicht einmal seine Eltern wussten davon. In der Bundesrepublik führte ihn sein Weg zu den Franziskanern nach Attendorn, später zum Kloster Bardel bei Bad Bentheim. Zufall oder mehr als das? Der Schulrektor war ein Eichsfelder – mehr noch: er stammte aus dem Heimatdorf Banses. Welch ein Glück!
Da Otto Banse zum Zeitpunkt der Flucht noch minderjährig war, hätten seine Eltern von den westdeutschen Behörden seine Rückführung fordern können, wie es die SED-Bonzen mit wachsenden Drohungen verlangten. Die Eltern taten es nicht, denn sie wussten ihren Sohn in guten Händen. Nun auf dem Etzelsbacher Hügel bei der Marienvesper so viele junge Menschen zu sehen, das war für den 70-Jährigen besonders bewegend.
Münsterländischer Pfarrer – auf Eichsfelder Art
Otto Banse wurde münsterländischer Pfarrer, auf Eichsfelder Art in Treue zum Ort: Seit 27 Jahren ist er Pastor der Darfelder, Gedanken ans Aufhören verschwendet er noch nicht. Banse sieht große Parallelen in der Mentalität von Eichsfeldern und Münsterländern: Beide sind nach seiner Erfahrung "beharrlich, beide schätzen die Kirche", vor allem wird alles hier wie dort "kälter gegessen als gekocht".
Auch nach dem Tod der Eltern blieb Banses Kontakt zum Eichsfeld eng. Auf 70 Personen schätzt er den "Familienclan" im Eichsfeld, der selbstverständlich seinen 70. Geburtstag im August ausgiebig feierte, zuvor waren Ende Juni die Geschwister beim 40. Weihetag in Darfeld dabei.
"Eine Grundstimmung voller Freude"
Und jetzt als dritter Höhepunkt in diesem Lebensjahr die Marienvesper mit dem Papst, den er mehr als jeden anderen Professor aus seinem Theologiestudium in Münster schätzt. Und dann noch ein Gottesdienst so ganz nach Eichsfelder Art! Otto Banse beschreibt die typischen Merkmale: "Sehr viel Gesang, marianisch geprägt, eine große Zahl Mitfeiernder, eine Grundstimmung voller Freude."
Unwillkürlich sind Banses Gedanken bei der Vesper zuweilen zurückgeschweift in die vergangenen Jahre, zur frühen Flucht, zu der Zeit der Trennung. Als der Papst die Standhaftigkeit der Eichsfelder gegenüber zwei gottlosen Diktaturen lobte, und ein zweites Mal, als ihm ein Kreuz aus dem Holz eines Grenzpfahls überreicht wurde, erzählt der 70-Jährige freimütig: "Da sind mir die Augen nass geworden." Um gleich anzufügen: "Aus Freude."
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Text: Hans-Josef Joest | Foto: Reuters, Michaela Kiepe
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