
Präses Schneider und Papst Benedikt beim ökumenischen Gottesdienst in Erfurt.
Gottesdienst im Erfurter Augustinerkloster
Papst dämpft Hoffnung auf schnelle Ökumene-Fortschritte
Erfurt. Papst Benedikt XVI. fordert von den Kirchen ein gemeinsames Eintreten für Menschenwürde und Menschenrechte. Sie sollten nicht nur Spaltungen beklagen, sondern "Gott für alles danken, was er uns an Einheit erhalten hat und immer neu schenkt", sagte der Papst am Freitag (23.09.2011) im ökumenischen Gottesdienst im Erfurter Augustinerkloster. "Unser erster ökumenischer Dienst in dieser Zeit muss es sein, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht."
Es war der erste ökumenische Gottesdienst eines Papstes in einem evangelischen Sakralgebäude in Deutschland. Daran nahmen auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel teil.
"Politisches Missverständnis des Glaubens und der Ökumene "
Zugleich dämpfte das Kirchenoberhaupt Hoffnungen auf schnelle ökumenische Fortschritte. Voraussetzung für größere Gemeinsamkeit sei ein "gemeinsames Hineindenken und Hineinleben in den Glauben". Die Kirchen könnten nicht wie Politiker mit Kompromissen zu Verhandlungsergebnissen kommen. "Im Vorfeld des Papstbesuchs war verschiedentlich von einem ökumenischen Gastgeschenk die Rede, das man sich von diesem Besuch erwarte", wies Benedikt XVI. Erwartungen zurück. "Dazu möchte ich sagen, dass dies ein politisches Missverständnis des Glaubens und der Ökumene darstellt."
Ansatzpunkte für gemeinsames Handeln der Kirchen sieht der Papst insbesondere bei der Auseinandersetzung mit Genforschung und Biomedizin sowie bei der Gestaltung der Globalisierung. "Wir leben in einer Zeit, in der die Maßstäbe des Menschseins fraglich geworden sind. Demgegenüber müssen wir als Christen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zum Tod - in den Fragen von PID bis zur Sterbehilfe", sagte das Kirchenoberhaupt. Die christliche Nächstenliebe verlange auch den Einsatz der Christen für Gerechtigkeit in der Welt.
Dank an Kardinal Lehmann
Benedikt XVI. dankte allen, die sich um ökumenische Fortschritte bemühen. Besonders erwähnte er den Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Er war führend an einer "Gemeinsamen Ökumenischen Kommission" beteiligt, die 1980 im Anschluss an den Deutschland-Besuch von Papst Johannes Paul II. von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der EKD gegründet wurde. Sie veranlasste ein Studienprojekt "Lehrverurteilungen - kirchentrennend?", das wichtige Vorarbeiten zur gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre zwischen Vatikan und Lutherischem Weltbund leistete.
Die Präses der Synode der evangelischen Kirche in Deutschland, Katrin Göring-Eckardt, wertete den Gottesdienst im Augustinerkloster als Zeichen der gemeinsamen Sehnsucht von Katholiken und Protestanten nach Gott. "Wir haben ein Fundament, das Wort Gottes, und wir haben einen gemeinsamen Grund, die Heilige Taufe", sagte sie.
Göring-Eckardt: Mauer brechen von innen …
Göring-Eckardt erinnerte an das Glaubenszeugnis der Christen in der DDR. Luthers Satz: "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan" sei für sie ein kämpferisches Wort gewesen. "Wir konnten getrost wissen, dass Gott größer ist, größer als die kleinbürgerliche SED sowieso, größer als die martialische Stasi aber eben auch. Und gewiss größer als das ganze heuchlerische, unterdrückerische System, das die Menschen klein und den Glauben unsichtbar machen wollte." Aus der Geschichte habe man lernen können: "Wenn man Mauern zu lange bewacht, Mauern aus Stein und Mauern aus Schweigen, dann brechen sie von innen auf, weil die Menschen von der Freiheit wissen."
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Text:
KNA Katholische Nachrichtenagentur GmbH | Foto: Reuters
23.09.2011
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